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Stephan Wolfram macht einen Taschenrechner zur Suchmaschine
Die Wissensmaschine Wolfram Alpha
Suchmaschine ist ganz anders als Google
Die Internet-Suchmaschine "Wolfram Alpha online" berechnet Antworten aus den im Internet verfügbaren Informationen , statt nur auf die Quellen zu verweisen wie andere Suchmaschinen. "Es ist keine Suchmaschine wie Google, sondern vergleichbar mit einer Mischung aus einem sehr speziellen Lexikon, das hauptsächlich Tabellen enthält, viele Daten, Fakten, Formeln und einen Taschenrechner", sagt Peter König von der Computerzeitung "c't".
Zwei Innovationen machen Wolfram Alpha besonders: Die Maschine interpretiert die Anfrage des Nutzers und sucht die passende Formel, um eine Antwort zu berechnen. Grundlage ist die Software Mathematica - daher ist die Suche zahlenlastig. "Wir versuchen, sachbezogene Informationen abzudecken, nicht Meinungen", sagt Conrad Wolfram, Bruder des Firmengründers und Chef des Europageschäfts. Die Ergebnisse bereitet das Portal grafisch auf. "Es geht nicht nur um Daten, sondern auch darum, wie man mit ihnen umgeht."

Die Suche kann etwa berechnen, wie das Wetter in Düsseldorf oder Dallas war, als John F. Kennedy starb - oder das Verhältnis von Ein- und Ausfuhren der Bundesrepublik. Bei Molekülen wird ein Diagramm der Struktur angezeigt. Und gibt man zum Beispiel die Namen zweier Firmen ein, spuckt die Maschine ein Kurvendiagramm mit der Entwicklung der Aktienkurse aus, garniert mit wichtigen Finanzdaten. Google verweist dagegen auf Artikel, die beide Unternehmen erwähnen.

Klatsch, Tratsch und Politik sind kein Thema
Lupe
Conrad Wolfram kümmert sich um das Europageschäft
Doch die Datenbasis weist einige Lücken auf. Bei politischen Themen muss Wolfram Alpha oft ebenso passen wie bei Klatsch und Tratsch aus der Promiwelt. Klassische Suchmaschinen zeigen hier Tausende von Treffern. Bei vielen Resultaten verschweige Wolfram Alpha zudem die Quelle, kritisiert Marcus Schwarze, Internetexperte bei der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ). Da ist großes Vertrauen in die Betreiber nötig. "Immerhin nutzen sie nur Daten, die sie selbst für seriös halten", sagt Schwarze. Google liefere keine qualitative Einschätzung seiner Quellen.

Die hohen Erwartungen der Experten erfüllt die Antwortmaschine bisher nicht - enttäuscht sie aber auch nicht komplett. "Wolfram Alpha ist kein Google-Killer, wird aber seinen Platz finden", urteilt Schwarze. Die Betreiber selbst sehen sich auch nicht als Rivale des Marktführers: "Wir sind eine Ergänzung zu Suchmaschinen", sagt Conrad Wolfram.

"Suchmaschinen suchen nach bestimmten Phrasen oder Stichwörtern, die im Text von Webseiten vorkommen", weiß König. "Genau das tut Wolfram Alpha nicht: Man ist auf den Datenbestand eingeschränkt, der dort zur Verfügung gestellt wird und wird nicht nach Text gesucht. Wenn ich nach Hotels, Flugverbindungen oder Informationen zu meinem Urlaubsziel suche, werde ich bei Wolfram Alpha nichts finden."

Trotz dieser Nischenposition hofft Conrad Wolfram darauf, dass sich das Investment bald auszahlt. Man rede über Partnerschaften - etwa mit den Betreibern von Suchmaschinen und Medienunternehmen. Sponsoring sei ein Thema, eine kostenpflichtige Profiversion irgendwann auch. Die Konkurrenz schaut sich Wolfram Alpha genau an. Kurz nach der Vorstellung kündigte Google einen Dienst an, der ebenfalls öffentlich verfügbare Daten auswertet und grafisch aufbereitet - etwa Arbeitslosenzahlen.

Info
Stephan Wolfram promovierte mit 20 Jahren in theoretischer Physik und machte danach mit spektakulären Veröffentlichungen auf sich aufmerksam. In den 1980er Jahren entwickelte der Brite das Software-Paket Mathematica, mit dem immer noch Forscher Gleichungen lösen oder Banker Kursprognosen erstellen. Seine Firma Wolfram Research aus Champaign im US-Bundesstaat Illinois verdient damit heute eine Menge Dollar. Das Unternehmen ist die Keimzelle der neuartigen Suchmethode.
Links
Die Wissensmaschine Wolfram Alpha "Wolfram Alpha ist online [Update]" von der Computerzeitschrift "c't"
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19.05.2009 / mp mit Material von dpa