In Schweinen mischen sich Viren von Mensch und Vogel
Neu an der "Schweinegrippe" ist der Übertragungsweg von Mensch zu Mensch
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Das mutierte Schweinegrippenvirus verhält sich anders als gewöhnliche Grippeviren. Es sei ungewöhnlich und möglicherweise auch gefährlich, weil es sich relativ schnell aus Erbgut-Komponenten von Mensch-, Schweine- und Vogelviren entwickelt habe, erläuterte die Sprecherin des Robert Koch-Instituts, Susanne Glasmacher. In Schweinen können sich Viren sowohl von Vögeln als auch vom Menschen vermehren - und dabei ihre Bestandteile vermischen.
Bei einer "normalen" saisonalen Welle verändere sich das Virus sehr viel langsamer und das menschliche Immunsystem könne sich besser darauf einstellen. Durch diesen Vorlauf könnten Impfstoffe rechtzeitig entwickelt werden. Auch früher habe es schon vereinzelt Vogel/Schwein/Mensch-Virenkombinationen gegeben. Neu sei jetzt jedoch der Übertragungsweg dieser Viren von Mensch zu Mensch.
Grippeviren wandeln sich rasch und so entstehen neue Typen
Vom Schwein zum Mensch kann es schnell gehen
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Dabei können gelegentlich auch gänzlich neue, gefährliche Typen entstehen. So war es vermutlich bei der Spanischen Grippe 1918 und bei der aktuellen Schweinegrippe. In anderen Fällen können zwei verschiedene Viren in Menschen oder Schweinen zusammentreffen und sich darin zu einem gefährlichen neuen Erreger entwickeln. Der Erreger in Mexiko ist nach Angaben der Weltgesundheits-Organisation (WHO) eine neu entstandene Variante des Typs H1N1, der sowohl bei Menschen als auch bei Schweinen und Vögeln vorkommen kann.
Dieser Subtyp war auch Auslöser der Spanischen Grippe. Er zog von 1918 bis 1920 um die Welt und kostete mindestens 25 Millionen Menschen das Leben. Manche Experten gehen sogar von 50 Millionen Todesopfern aus. Der Erreger war außergewöhnlich aggressiv. Er bedrohte wie im aktuellen Fall vor allem junge, gesunde Menschen zwischen 20 und 40 Jahren und nicht wie Grippeviren anderer Typen hauptsächlich Kleinkinder und ältere Menschen.
1957 folgte die Asiatische und 1968 die Hongkong-Grippe. Benannt sind die Erreger nach der Region, in der sie erstmals isoliert werden. Sie können sich von dort aus über die ganze Welt ausbreiten. Seit 2003 verbreitet die Vogelgrippe mit dem Erreger H5N1 großen Schrecken, besonders in Südostasien. Die WHO registrierte seitdem 421 Erkrankte und 257 Todesfälle. 2009 starben bislang sieben Menschen daran, und zwar in Vietnam und China. H5N1 grassierte 1997 in Hongkong unter Hühnern.
Hämagglutinin und Neuraminidase bestimmen die Virenhülle
Die Hüllprotein bestimmen den Typus  © reuters
Um ein Grippevirus genau zu bestimmen, sind mehrere Schritte erforderlich. Von den beiden Virustypen A und B existieren verschiedene Subtypen, durchnummeriert nach den beiden wichtigsten Eiweißen der Virushülle, Hämagglutinin (H) und Neuraminidase (N). Der aktuelle, mutierte Schweinegrippen-Erreger ist ein Virus vom Typ A/H1N1. Für eine Diagnose klärt zunächst der Hausarzt anhand der Symptome des Patienten, ob eine echte Grippeerkrankung oder eher ein harmloser grippaler Infekt wahrscheinlich ist: Für eine Grippe sprechen neben Husten oder Schnupfen vor allem Fieber, plötzlicher Krankheitsbeginn, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen.
Ein Abstrich aus Rachen oder Nase, der mittels eines Grippe-Schnelltestes analysiert wird, hilft hier weiter: Verschiedene Schnelltests, deren Ergebnisse nach rund 20 Minuten vorliegen, gibt es bereits. Sie können in der Regel die Influenzatypen A oder B anzeigen, nicht jedoch die Proteine der Subtypen identifizieren.
Fällt der Schnelltest positiv aus, wird deshalb meist ein weiterer Abstrich vorgenommen, den dann ein Fachlabor genetisch typisiert. Dazu wird die Polymerase-Kettenreaktion (englisch Polymerase Chain Reaction, PCR) angewendet. Das Lautet das Ergebnis A/H1N1, wird es durch eine weitere, spezifische PCR am Nationalen Referenzzentrum für Influenza in Berlin bestätigt. Dabei wird das Erbgut des Erregers zusätzlich sequenziert, die einzelnen Bausteine also in ihrer Reihenfolge bestimmt. Dadurch sind genauere Aufschlüsse über biologische und krankmachende Eigenschaften des Erregers möglich.


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29.04.2009 / mp mit Material von dpa und afp
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