Blinde Radiojournalistin erstellt ihre Beiträge ohne Hilfe
Sie hat eine spezielles Gerät mit Kollegen des Schweizer Radio DRS entwickelt
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Gemeinsam mit Technikkollegen hat die blinde Radiojournalistin Yvonn Scherrer vom Schweizer Radio DRS ein Gerät entwickelt, mit dem sie Radiobeiträge alleine erstellen kann. Am 17. März 2009 nimmt sie das Gerät an ihrem Arbeisplatz in Zürich in Betrieb. Für die tägliche Arbeit muss Scherrer mehr als 100 Kurzbefehle kennen. Um das Programm mit Braille-Zeile und Audioprogramm benutzen zu können, haben es die Entwickler in die Computersprache "Jaws" für Blinde in Windows umgeschrieben.
So kann der Computer die Arbeitsschritte ständig kommentieren. "Die blinde Person braucht die Informationen, die Rückmeldungen über das, was sie macht", sagt René Schneider von der Sehbehindertenhilfe Basel. "Welche Tasten sie drückt, das muss gesprochen werden."
"Wenn ich als Sehender arbeite, arbeite ich sehr viel mit der Maus", weiß Ueli Karlen, Tontechniker bei DRS. "Die brauche ich, um dort in die Wellenform hineinzuklicken, wo ein Wort beginnt. Das sehe ich an der Wellenform auf dem Bildschirm. Wenn ich einen Tonausschnitt platzieren will, kann ich den normalerweise mit der Maus packen und ziehen, wohin ich ihn haben will. Das geht einfach nicht, wenn man nicht auf dem Bildschirm sieht."
Besonders an dem Arbeitsplatz von Yvonn Scherrer sei die Kombination verschiedener Elemente, ergänzt Schneider. "Die Tastatur, die es erlaubt, auf verschiedenen Ebenen Befehle auszuführen, der Hardwarecontroller, der es erlaubt, den Schnitt schön zu machen, zusätzlich das Programm selbst: Alle Menüs dieses Programms kann man über Kurztasten aufrufen. Dadurch ist es zu 100 Prozent bedienbar für jemanden, der nicht visuell arbeitet."
Ihr Berufsleben sei sehr viel grafischer geworden
Die Arbeit funktioniert nicht ohne den Computer
"Es ist ein Beruf, der blinden Menschen liegt, weil wir Ohrenmenschen sind", sagt die Redakteurin. "Wir sind in der Situation des Radiohörers, wir sehen nicht und deshalb wissen wir, wie Informationen ankommen. Wir erleben das jeden Tag." Am Anfang ihres Berufslebens musste sie beim Radiomachen weniger am Computer sitzen und mehr ertasten, wenn sie ein Band eingelegt oder abgespielt hat. "Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, dass eine Audiobearbeitungssoftware inzwischen sehr grafisch ist", so Scherrer.
"Das stellt mich vor große Schwierigkeiten, weil ich diese Grafiken einfach nicht sehe. Besonders schwierig wird es, wenn ich mich auf mehreren Spuren austoben und wissen will, wo ich gerade bin. Ich habe keine Maus und keinen Bildschirm zur Verfügung. Das bedeutet, dass ich das im Blindflug - wirklich wörtlich genommen - machen muss. Ich muss alles über Tastenbefehle oder Hardware lösen, die mir helfen."


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17.03.2009 / jus
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