"Im Schatten des Mondes" würdigt Nasa-Astronauten
Regisseur David Sington hat jahrelang Archive der Raumfahrtbehörde durchforstet
Zum 40. Jahrestag der ersten Mondlandung setzt Regisseur David Sington den Astronauten der Apollo-Missionen der Nasa mit spektakulären Bildern und Interviews im Film "Im Schatten des Mondes" ein Denkmal. "Wunderbar" sei die Reise zum Mond gewesen, sagt Buzz Aldrin. Auch vom Mond aus seien Sterne zu sehen, allerdings wegen der extremen Kontraste nicht immer, erläutert er, und bei der Auswahl der Mondsteine habe er angesichts der begrenzten Zeit einfach genommen, was gut ausgesehen habe.
Sington, der unter anderem für die BBC mehrere Dokumentarfilme drehte, hat tausende Filmrollen in den Archiven der US-Weltraumbehörde Nasa gesichtet - Originalaufnahmen, die die Astronauten im All und auf dem Mond gemacht haben. Einiges davon kommt nun zum ersten Mal auf die Kinoleinwand.
Er zeigt fehlgeschlagene Raketentests; Zeitlupenbilder des Starts von Apollo 11 und dem "Höllenritt" auf der Trägerrakete Saturn nehmen den Zuschauer mit auf die Reise; Nahaufnahmen des Mondes und seiner Krater sind zu sehen, außerdem hüpfende Astronauten, die Steine sammeln; die Kamera wirft Blicke ins Innere der Apollo-Kapsel und immer wieder richtet sie sich auf die Erde, die durchschnittlich 384.000 Kilometer vom Mond entfernt ist.
Michael Collins, der im Mutterschiff von Apollo 11 auf einer Umlaufbahn kreiste, während Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin am 21. Juli 1969 als erste Menschen den Mond betraten, beschreibt den Blick zurück: "Die Erde sah so friedlich, ruhig und heiter aus - und gleichzeitig furchtbar zerbrechlich. Es war seltsam, aber mein erster Gedanke bei ihrem Anblick war: Mein Gott, ist das kleine Ding da draußen zerbrechlich." Den Mond beschreibt Collins als einen "unheimlichen Ort".
Edgar Mitchell (Apollo 14) ist sich sicher, dass der Rückflug zur Erde "das Schönste" war. Charles Duke (Apollo 16), der etwa 71 Stunden auf dessen Oberfläche verbrachte, spricht von einem "Gefühl der Ehrfurcht" und von einer "unberührten Wüste". Eugene Cernan, 1972 mit Apollo 17 letzter Mann auf dem Mond, schwärmt davon, wie aus dem All der gesamte Erdball zu sehen war.
Nach zwölf Amerikanern betrat kein Mensch mehr den Mond
Zwölf US-Amerikaner betraten den Mond
Die unterschiedlichen Charaktere der Astronauten werden deutlich, sie erinnern sich mit Witz und auch Ironie und geben dem Film eine persönliche Note. Zwischen 1969 und 1972 betraten zwölf US-Amerikaner den Mond, nach ihnen war kein Mensch mehr auf einem anderen Himmelskörper. Die erste erfolgreiche Mondmission Apollo 11 steht im Mittelpunkt der Dokumentation. Ein Manko ist, dass Sington den öffentlichkeitsscheuen Neil Armstrong ("Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit") nicht zu einem Interview überreden konnte. Von dem ersten Mann auf dem Mond gibt es nur Historisches zu sehen und zu hören.
Aldrin, der 19 Minuten nach Armstrong seinen Fuß auf den Erdtrabanten setzte, hatte lange nicht verwunden, nur Zweiter gewesen zu sein. In dem Film zollt er Armstrong Respekt. Duke bezeichnet ihn gar als "Mr. Obercool", den auch die heikle und gefährliche Landung mit der Mondfähre "Eagle" nicht aus der Ruhe brachte. Aldrin hatte die Mondfähre "Eagle" trotz eines schweren Computerfehlers sicher auf dem Mond aufgesetzt.
"Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit", hatte Armstrong über Funk an die Welt gegeben, als er den Mondboden berührte. Nach dem gewonnenen Wettlauf mit den Russen um den ersten Mondflug machten die beiden die ersten, vorsichtig hüpfenden Schritte auf dem staubigen Boden und hissten im grellen Sonnenlicht die amerikanische Flagge.
Er sei keineswegs einsam gewesen, als er nach dem Abkoppeln von Armstrong und Aldrin in der Mondfähre alleine im Mutterschiff weiter den Mond umkreiste, berichtet Michael Collins in dem Film. Schließlich habe das Kontrollzentrum auf der Erde ständig auf ihn eingeredet. Collins beschreibt auch, wie zerbrechlich die Erde aus dem All ausgesehen habe.
Künftig halte Aldrin eine Reise zum Mars und sogar ein dauerhaftes Leben dort für möglich. "Wie müssen anfangen, daran zu arbeiten." Er sei auch sicher, dass es im All noch andere Lebewesen gebe - und dass es mit ihnen eine Kommunikation geben könne. Die Menschheit sei erst am Anfang ihrer Entwicklung. Er sei überzeugt, "dass noch viel vor uns liegt".
Buzz Aldrin fordert Anstrengungen für einen Flug zum Mars
"Die nächste Reise soll zum Mars gehen"
Aldrin, der sich heute über seine Firmen und eine Stiftung für die Förderung der Raumfahrt und des Weltraumtourismus einsetzt, fordert nun, mit verstärkten Kräften an einem bemannten Flug zum Mars zu arbeiten. Die Nationen, die an einer solchen Mission Interesse hätten, müssten "international an einem Strang ziehen", um die Fragen auf dem Weg dahin so rasch wie möglich zu lösen. Der Mars sei ein attraktiver Ort. Möglicherweise könne man dort ein Habitat absetzten und dieses bei weiteren Missionen nutzen. Und angesichts der Milliardensummen für marode Banken: "Die Kosten für die Raumfahrt sind im Vergleich so gering."
Gekonnt verknüpft Sington die Ereignisse im All mit Bildern aus den 1960er und 1970er Jahren, die den historischen Hintergrund der Apollo-Missionen beleuchten. Es war US-Präsident John F. Kennedy, der 1961 das Ziel vorgab, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond zu bringen und ihn unbeschadet wieder zurückzuholen. Es ging darum, im vom Kalten Krieg geprägten Weltraum-Rennen die vorne liegende Sowjetunion zu besiegen.
Aufnahmen des Vietnamkriegs, von der Bürgerrechtsbewegung und von Flower Power geben die Atmosphäre der Zeit wieder. Hunderte Millionen weltweit verfolgten die Mondlandung im Fernsehen, ein Triumph, der die Menschheit zumindest kurzfristig verband, wie Collins es ausdrückt.
"Im Schatten des Mondes" bezieht seine Spannung aus den Originalaufnahmen und der "wahren Geschichte". Zum Schluss macht Sington noch einen kleinen eleganten Schlenker zu den immer wieder auftauchenden Theorien, die Landungen auf dem Mond hätten nie stattgefunden und seien gefälscht. Der Film verdeutlicht auf beeindruckende Weise, wie riskant und lebensgefährlich die Reise ins All war. So gut wie keine Rolle spielt dagegen, welche wissenschaftlichen Nutzen die Apollo-Missionen hatten. Die Botschaft vieler Astronauten fasst James Lovell (Apollo 8 und 13) zusammen: "Wir haben sehr viel über den Mond gelernt, aber viel mehr noch über die Erde."


Zwischen 406.740 und 356.410 Kilometer entfernt



An der Mondlandung von 1969 scheiden sich die Geister



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29.01.2009 / mp mit Material von dpa
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