Illegales Tropenholz für deutsche Gartenmöbel benutzt
Deutschland und Europäische Union streiten sich über Gesetze gegen den Handel
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In Deutschland verkaufte Gartenmöbel sind nach Recherchen des ARD-Magazins "Report Mainz" oft aus illegal geschlagenem Tropenholz hergestellt. Die Bäume würden in Urwäldern in Laos und Kambodscha gefällt, hieß es in dem Bericht. Umweltminister Sigmar Gabriel forderte von der EU, die Importbestimmungen zu verschärfen. "Report" zufolge räumte ein Mitarbeiter eines vietnamesischen Unternehmens ein, dass seine Firma pro Monat zehn Container mit Gartenmöbeln aus solchen Hölzern liefert.
Das illegal geschlagene Tropenholz wird demnach über Vietnam legal als Hollywoodschaukeln und Gartengarnituren nach Deutschland verkauft. "Das ist ein extrem drängendes Problem", meint der ehemalige Bundesumweltminister Prof. Klaus Töpfer (CDU). "Wir sehen es in der Klimaverhandlung. Wir sehen es bei der Verhandlung über die Erhaltung der Artenvielfalt: Der kurzfristige Profit sieht sich den mittelfristigen und langfristigen katastrophalen Folgen nicht gegen, die ja auch wirtschaftliche Konsequenzen sind."
"Es ist schlicht und einfach ein Skandal, dass es das immer noch gibt", sagt Jochen Flasbarth, Abteilungsleiter für Naturschutz im Bundesumweltministerium. "Es muss in der EU verboten sein, mit solchen illegalen Hölzern Handel zu treiben." Deutschland erließe gerne ein Gesetzt dagegen, aber: "Deutschland hat auch einen Anlauf gemacht und der EU den Entwurf eines Urwaldschutzgesetzes vorzulegen. Die EU hat uns das nicht gestattet, ein solches Gesetz zu machen."
Europa und Bundesrepublik streiten um ein Gesetz
Waldschutz als Ziel der Politik?
Umweltminister Gabriel forderte die EU-Kommission auf, entschiedener gegen Importe von illegalem Holz in die EU vorzugehen. Die von der Kommission angekündigten Vorschläge müssten schnellstens auf den Tisch gelegt werden. "Die EU kann nur dann als verlässlicher und glaubwürdiger Verhandlungspartner auftreten, wenn wir die selbst gesetzten Ziele und Maßnahmen im Bereich des Waldschutzes in einem vertretbaren Zeitraum umsetzen", erklärte der SPD-Politiker in einer Mitteilung. Infrage komme vor allem eine verschärfte Importregelung.
Die EU-Kommission wies die Kritik aus Deutschland dem Bericht zufolge zurück. Das sei nur inoffiziell nach Brüssel gelangt, meint Michael Mann von der EU-Kommission. Ein "Nein" habe es also nie gegeben. Deutschland könne prinzipiell ein Gesetz erlassen, das den Handel mit illegalem Holz und Produkten daraus verbiete.
500.000 Kubikmeter gehen Jahr für Jahr aus Laos heraus
Ohne die Verbraucher gäbe es keinen Markt für das Holz
Jährlich würden mit Hilfe von falschen Dokumenten und Schmiergeldern 500.000 Kubikmeter Holz über die Grenze nach Vietnam geschmuggelt, erklärte Julian Newman von der in Großbritannien ansässigen "Environmental Investigation Agency" (EIA) in Bangkok. Laos selbst hat die Ausfuhr von Baumstämmen und Brettern verboten. In dem Land befinden sich einige der letzten großen Wälder Südostasiens. Leidtragende des Schmuggels sind laut EIA arme ländliche Gemeinden in Laos, die für ihre traditionelle Lebensweise auf die Wälder angewiesen sind. Letztlich seien die Verbrauchermärkte für die Situation verantwortlich, die Produkte aus "gestohlenem Holz" importierten, sagte Newman.
Vietnam habe seit den 1990er Jahren Schritte unternommen, seine eigenen Wälder zu schützen, seine Möbelproduktion jedoch ausgebaut. 2007 erreichten die Möbelexporte aus Vietnam ein Volumen von 2,4 Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro) - eine zehnfache Steigerung seit 2000. Nach Regierungsangaben gingen 39 Prozent der Exporte 2006 in die USA, 7 Prozent nach Großbritannien und je 4 Prozent nach Deutschland und Frankreich.


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06.11.2008 / mp mit Material von ap und dpa
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