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Hunger und Armut prägen das Leben einer Milliarde Menschen in der Welt
Millenniumsziel verfehlt
Zahl der Hungernden auf 923 Millionen gestiegen
Hunger und extreme Armut werden bis 2015 nicht halbiert sein, hat die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) eingeräumt.

Die größte Not herrsche in den afrikanischen Staaten Demokratische Republik Kongo, Burundi, Eritrea, Sierra Leone, Tschad und Äthiopien, teilte die Welthungerhilfe mit. In Asien sind 642 Millionen Menschen betroffen, im südlichen Afrika 265 Millionen und in Lateinamerika 53 Millionen Menschen. Die FAO zählt noch 15 Millionen Betroffene in den Industrieländern dazu.


  • Armut und Hunger: Das Ziel, den Anteil der Hungernden und der extrem Armen an der Weltbevölkerung zu halbieren, lautete das Ziel bis 2015. Die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) gab in ihrem Jahresbericht vom 7. September 2009 bekannt, dass es aufgrund der Wirtschaftskrise unmöglich sei, dieses Millenniumsziel zu erreichen. Der Weltbank zufolge leben 1,4 Milliarden in extremer Armut, mehr als bisher angenommen. Ihr Anteil an der Bevölkerung sank jedoch von 42 Prozent 1990 auf 26 Prozent 2005. Fortschritte gab es vor allem in Asien. Afrika bleibt Schlusslicht. Die Zahl der Hungernden stieg auf 923 Millionen Menschen an.
  • Bildung: Alle Kinder sollen eine Grundbildung besuchen können. Weltweit erhalten laut UN 570 Millionen Jungen und Mädchen im Grundschulalter Unterricht. Die Zahl der Kinder, die keine Schule besuchen, sank von 103 Millionen 1999 auf 73 Millionen 2006, was 88 Prozent entspricht. 58 Länder werden das Ziel, allen Kindern eine Grundschulbildung zukommen zu lassen, womöglich verfehlen.
  • Frauen: Die Gleichstellung von Mann und Frau zu fördern, kommt nur langsam voran. Frauen und Mädchen werden in Bildung, Beruf und Politik weiter benachteiligt. So sind 55 Prozent der Kinder, die nicht zur Schule gehen, Mädchen. 100 Länder werden laut UN das Ziel der Geschlechtergerechtigkeit beim Schulbesuch bis 2015 nicht erreichen. Der Anteil der Frauen in Parlamenten stieg von 2000 bis 2005 nur von 13,5 auf 17,9 Prozent.
  • Kinder: Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren soll um zwei Drittel sinken. Trotz einiger Fortschritte geht der Rückgang in 62 Ländern nicht rasch genug voran. 1990 starben weltweit 93 von 1000 Kindern, im Jahr 2006 waren es noch 72. In 27 Ländern, vor allem in Afrika, gab es keine Fortschritte. Im gesamten Jahr 2006 starben weltweit 9,7 Millionen Mädchen und Jungen vor ihrem fünften Geburtstag.
  • Mütter: Das Ziel, die Sterblichkeitsrate von Müttern bei Schwangerschaft und Geburt um drei Viertel zu reduzieren, macht von allen acht Millenniumszielen am wenigsten Fortschritte. Pro Jahr sterben weiter mehr als 500.000 Frauen an Komplikationen bei einer Schwangerschaft oder Geburt.
  • Krankheiten: Krankheiten wie Aids, Malaria und Tuberkulose sollen eingedämmt werden. Viele Länder in Afrika schaffen es nicht, die Verbreitung von Aids zu stoppen und den Zugang zu Medikamenten sicherzustellen. 2007 waren weltweit 33 Millionen Menschen mit Aids infiziert. Auch der Kampf gegen Malaria kommt nur schleppend voran. Pro Jahr stirbt etwa eine Million Menschen an dem Tropenfieber.
  • Wasser: Das Ziel, den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sauberem Wasser zu halbieren, kann nach Einschätzung von UN-Experten bis 2015 noch erreicht werden. Seit 1990 haben 1,7 Milliarden Menschen Zugang bekommen, einer Milliarde bleibt es noch verwehrt. Das Ziel, den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sanitären Einrichtungen (derzeit: 2,5 Milliarden) zu halbieren, wird wohl nicht erreicht. Der Klimawandel verstärkt die Umweltbelastung.
  • Entwicklungshilfe: Um die geplante Entwicklungspartnerschaft zwischen Arm und Reich zu verwirklichen, müssen die Industrieländer ihre Entwicklungshilfe erhöhen. Jährlich wären 18 Milliarden US-Dollar mehr notwendig, damit die wichtigsten Industrienationen (G-8) ihr Ziel von 2005 erreichen, die Hilfe bis 2010 zu verdoppeln. Die Zahlungen gingen zuletzt aber wieder insgesamt zurück.

Mediathek
VideoSehen Sie den Beitrag "Millenniumsziele sind bis 2015 nicht zu erreichen" vom 8. September 2009 in unserer Mediathek
Ernährungsgipfel
Keine konkreten Beschlüsse im Kampf gegen Hunger
Der Welternährungsgipfel hat sich nicht auf konkrete Beschlüsse zum weltweiten Kampf gegen den Hunger verständigt. Die Teilnehmer des Gipfel stimmten am Montag, 16. November 2009 zwar im Ziel überein, die Nahrungsmittelhilfen für die armen Länder zu erhöhen. Ihre Abschlusserklärung enthielt jedoch keinen Hinweis auf den Vorschlag der Welternährungsorganisation (FAO), diese Hilfen auf jährlich 44 Milliarden Dollar zu steigern. Auch ein Zeitplan für Schritte gegen den Hunger wurde nicht vereinbart.
nano spezial
Die Welt ist von ihren Millenniumszielen weit entfernt
Gast
LupeZum Thema sprechen wir am 21. September 2010 mit Wilfried Bommert vom Institut für Welternährung.
Info
Der Welthunger-Index 2009 der Hilfsorganisation vergleicht Daten zu Unterernährung und Kindersterblichkeit aus 121 Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Daten stammen aus dem Jahr 2007; die jüngste Preiskrise bei Lebensmitteln ist damit noch gar nicht voll erfasst.
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