Tauchroboter soll die Tiefen in 6000 Metern erforschen
Der "ROV Kiel 6000" kann Aufnahmen mit der Kamera machen und Proben nehmen
"ROV Kiel 6000" stößt in Welten vor, die nie ein Mensch zuvor ...
Kieler Meereswissenschaftler erkunden bisher unerreichbare Zonen der Tiefsee mit einem neuen Tauchroboter: In bis zu 6000 Metern Tiefe kann "ROV Kiel 6000" Aufnahmen mit der Kamera machen und Proben entnehmen. Damit wird den Experten des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-Geomar) 95 Prozent des Meeresbodens der Weltozeane zugänglich, wie Direktor Prof. Peter Herzig bei der offiziellen Übernahme am Montag, 16. Juni 2008 in Kiel verkündete.
Nur Extrembereiche wie der 11.000 Meter tiefe Marianengraben bleiben unerreichbar. 3,2 Millionen Euro kostete das 30 Tonnen schwere Hightech-Gerät. 1,5 Millionen Euro investierte das Institut darüber hinaus in technische Systeme, die überwiegend von Firmen aus dem Land geliefert wurden.
Mangels Tiefsee in der Nähe ließen die Meeresforscher den orange-grauen Tauchroboter im kleinen Schwentine-Fluss unmittelbar am Institutsgelände zu Wasser. Es ist nach Institutsangaben das weltweit modernste Gerät seiner Art. Seine "Feuertaufe" hat es bereits im August 2007 bestanden - vor der Ostküste Neuseelands. Der Tauchroboter - "ROV" steht für "Remotely Operated Vehicle" - wird vom Forschungsschiff aus über ein mit Stahl ummanteltes 6500 Meter langes Glasfaserkabel ferngesteuert.
Mit zwei elektrohydraulischen Greifarmen kann er in der Tiefsee Messungen und Experimente vornehmen sowie Wasser-, Sediment- und Gesteinsproben sammeln. Mit einer hochauflösenden HD-Kamera filmen die Wissenschaftler die besonderen Lebenswelten in der Tiefsee. Daten und Bilder werden in Echtzeit über das Glasfaserkabel zu den Piloten und Forschern im Kontrollraum an Bord des Schiffes geschickt.
"Für uns eröffnen sich damit ganz neue Dimensionen", sagt Projektleiter Prof. Colin Devey. "Wir können unseren neuen Tauchroboter einsetzen, um Fragen über globale Stoffkreisläufe, die Entstehung von mineralischen und biologischen Rohstoffen oder auch der möglichen Deponierung von CO2 am Meeresboden nachzugehen." Dies ist eines der spannendsten Projekte. "CO2 rein, Methan raus", formuliert Direktor Herzig als Kurzmotto.
Im Meer lagern in gefrorener Form aus Methan und Wasser bestehende Gashydrate. Würde dort Kohlendioxid eingebracht, würde dieses das Methan verdrängen und könnte als fester Stoff permanent unten im Meer deponiert werden. Das frei gewordene Methan wiederum könnte zur Energieerzeugung genutzt werden - Zukunftsmusik für die Praxis, aber schon seit längerem Forschungsalltag für die Meereswissenschaftler.

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16.06.2008 / dpa / mp
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