Zweitschnellster Computer der Welt steht in Deutschland
"Jugene" in Jülich bringt es auf rasche 167 Billionen Rechenschritte pro Sekunde
Der zweitschnellste Computer der Welt steht in Deutschland. Die Anlage "Jugene" des Forschungszentrums Jülich belegt in der im November 2007 veröffentlichten Weltrangliste der schnellsten Supercomputer den zweiten Platz. Mit 167 Billionen Rechenschritten pro Sekunde (Teraflops) ist "Jugene" nicht nur der schnellste Computer Europas, sondern auch der schnellste zivil genutzte Rechner der Welt. "Jugene" steht für Jülicher Blue Gene, weil er aus der "Blue Gene"-Reihe von IBM stammt.
Auch der schnellste Rechner der Welt, der im "Lawrence Livermore Labor" in Kalifornien steht, stammt von IBM. "BlueGene/L" des US-Kernforschungszentrums belegt mit 478 Billionen Rechenschritten pro Sekunde fast uneinholbar den Spitzenplatz auf der "Top 500"-Liste.
Erstmals in der Geschichte der Liste, die seit 1993 zweimal im Jahr veröffentlicht wird, rangiert ein Computer aus Europa auf dem zweiten Platz. "Mit dem schnellen Rechner sind Forscher in der Zukunft in der Lage, ganz schwierige Probleme im Bereich der Materialwissenschaften, der Biologie und der Plasmawissenschaften anzugehen", erläutert der Leiter des Jülicher Supercomputer-Zentrums, Prof. Thomas Lippert. "Zum Beispiel können Sie die Funktion einer Zelle simulieren." Entsprechende Berechnungen benötigten auf einem PC tausende von Jahren. "Jugene", der am 22. Februar 2008 offiziell in Betrieb gegangen ist, ist rechnerisch rund 20.000 Mal schneller als ein durchschnittlicher PC.
Der Spitzenreiter "BlueGene/L" ist noch fast dreimal schneller als "Jugene". Die IBM-Anlage, die zum siebten Mal in Folge die "Top 500"- Liste anführt, dient unter anderem der Simulation von Atomkernreaktionen. Ebenfalls erstmals in der Geschichte der Liste kommt ein Computer aus Indien unter die Top Ten: Die Supercomputer-Firma "Computational Research Laboratories" in Pune belegt mit ihrem fast 118 Billionen Rechenschritte pro Sekunde schnellen Hewlett-Packard-System Platz 4.
Der in Barcelona in einer alten Kirche installierte MareNostrum, noch im Juni 2007 Europas schnellster Supercomputer, rangiert auf der aktuellen Weltrangliste mit 63,8 Teraflops auf Platz 13. Der zweitschnellste deutsche Computer, ein SGI-System im Leibniz-Rechenzentrum München, liegt mit 56,5 Teraflops im internationalen Vergleich auf Platz 15. Der Wettbewerb zwischen Europa, den USA und Japan beim Bau von Supercomputer-Anlagen hat sich in den vergangenen Jahren weiter angeheizt. Sowohl bei Firmen wie etwa Pharma-Unternehmen, als auch bei wissenschaftlichen Forschungseinrichtung wächst der Bedarf an Höchstleistungsrechnern rasant.
Für die Entwicklung neuer Medikamente, die Erbgut-Forschung oder die Berechnungen des Klimawandels sind die leistungsfähigen Rechenanlagen inzwischen unverzichtbar. Derzeit übertreffe der Bedarf die verfügbaren Ressourcen in Europa um den Faktor drei, sagte Victor Alesandrini, Direktor des europäischen Supercomputer-Konsortiums Deisa.
Noch immer sind die USA nach Angaben der Herausgeber der "Top 500" mit 284 der gelisteten 500 Systeme in klarer Führung bei der Nutzung von Supercomputern. Europa holt allerdings weiter auf. Mit insgesamt 149 Systemen (zuvor 127) ist Europas Nutzungsanteil erneut deutlich größer als etwa der aus Asien, die mit 59 Systemen vertreten sind, 14 weniger als in der Liste vom Juni 2007. In der "Top 500"-Liste hat sich IBM die Führungsposition unter den Computerbauern wieder zurückerobert. Das US-amerikanische IT- Unternehmen steuerte mit 232 Systemen 46,4 Prozent aller gelisteten Anlagen bei, gefolgt von Hewlett-Packard mit 33,2 Prozent und 166 Systemen.
Die vorherrschende Chip-Architektur sind inzwischen Mehrkern-Prozessoren. Hier führt der Chiphersteller-Intel, dessen Prozessoren in insgesamt 289 Systemen und damit in 57,8 Prozent aller gelisteten Computer verbaut sind. An zweiter Stelle folgt AMD und dessen Opteron-Prozessor-Familie mit 78 Systemen (15,6 Prozent), noch vor IBMs Power-Prozessoren (61 Systeme, 12,2 Prozent).
Die Top 15 der weltweit schnellsten Supercomputer
Rang  Land  Institut  Computer  TFlops  Fabrikat 
USA  Lawrence Livermore National Laboratory  BlueGene/L  478,200  IBM 
Jülich/D  Forschungszentrum Jülich  Jugene BlueGene/P  167,300  IBM 
USA  SGI Computing Application Center  SGI Altix ICE 8200  126,900  SGI 
Indien  Computational Research Laboratories, TATA SONS  Cluster Plattform 3000  117,900  Hewlett-Packard 
Schweden  Regierung  Cluster Plattform 3000  102,800  Hewlett-Packard 
USA  Sandia National Laboratories  Red Storm  102,200  Cray 
USA  Oak Ridge National Laboratory  Jaguar Cray XT4/XT3  101,700   Cray 
USA  IBM Thomas J. Watson Research Center  BGW  91,290  IBM 
USA  National Energy Research Franklin Scientific Computing Center  Cray XT4  85,368   Cray 
10  USA  New York Center for Computational Sciences  New York Blue  82,161  IBM 
11  USA  Lawrence Livermore National Laboratory  ASC Purple  75,760  IBM 
12  USA  Rensselaer Polytechnic Institute  eServer Blue Gene  73,032  IBM 
13  Spanien  Barcelona Supercomputing Center  MareNostrum  63,830  IBM 
14  USA  National Center for Supercomputing Applications  Abe PowerEdge 1955  62,680  Dell 
15  München/D  Leibniz-Rechenzentrum  Altix 4700  56,520  SGI 
Stand: November 2007 


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22.02.2008, zuletzt aktualisiert am 30.03.2008 / dpa / mp
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