Sturz eines Weltbilds und die Möglichkeit von Geistern
Kurt Gödel war ein Genie, das bewies, dass eben nicht alles bewiesen werden kann
Schon mit 25 Jahren hat Kurt Gödel die Mathematik in ihren Grundfesten erschüttert: Sein Unvollständigkeitssatz von 1931 zeigt, dass die Mathematik nicht vollständig beweisbar ist, wie viele Zeitgenossen geglaubt hatten. "Der Gödelsche Unvollständigkeitssatz ist ein Satz, der ein für alle mal erklärt, was man mit Mathematik nicht kann", sagt der Mathematiker Rudolf Taschner von der Technischen Universität Wien. "Somit ist der Gödelsche Satz ein tiefer und wichtiger Satz, aber eine Art negativer Satz."
"Das sind aber die tiefsten mathematischen Sätze: Man kann mit Zirkel und Lineal niemals einen beliebigen Winkel in drei gleiche Teile teilen, man kann niemals mit Zirkel und Lineal die Kanten eines Würfels so verlängern, dass der Würfel doppeltes Volumen hat", so Taschner.
"Gödels Welt war riesengroß. Sie hat sogar Geister und Gespenster umfasst, denn wenn sie denkmöglich sind, dann existieren sie ja auch. Einmal hat ein Freund von ihm, Oskar Morgenstern, - er hat nur wenige Freunde gehabt - Gödel zu Hause besuchen wollen. Er konnte ihn nirgends finden, erst im Keller entdeckte er Gödel zusammengekauert hinter einem Ofen, weil er Angst hatte vor Gespenstern: Sie können existieren, weil sie widerspruchsfrei sind, und wenn sie widerspruchsfrei sind, dann sind sie da."
Gödel entwickete auch die theoretischen Grundlagen für die frühe Computertechnik. Um seine Logischen Aussagen mit mathematischen Methoden bearbeiten zu können, musste er sie in Zahlen und Rechenoperationen übersetzen - wie heute auch Computer ihre Daten verarbeiten.
Der gebürtige Österreicher pendelte seit den 1930 Jahren immer wieder zwischen seinem Heimatland und seiner späteren Heimat Princeton, USA, hin und her. Die Emigration organisierten Freunde und seine Frau - anders als er hatten sie den Aufmarsch der Nazis nicht übersehen. Später hat er versucht, die Existenz Gottes mathematisch zu beweisen, und kapselte sich immer mehr ab. Gödel war depressiv und konnte nur essen, was ihm seine Frau zubereitete, aus Angst, vergiftet zu werden. Als seine Frau ihn nicht mehr versorgen konnte, weil sie selbst ins Spital musste, stirbt Gödel 1978 an Unterernährung.

Kurt Gödel wurde 28. April 1906 in Brünn geboren. Mit seiner Frau Adele emigrierte er 1938 in die USA. Er lebte in Princeton und arbeitete am "Institute of Advanced Studies" zusammen mit Albert Einstein. Er starb am 14. Januar 1978 in Princeton.

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14.01.2008 / mp
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