Ölfirma hat gigantische Nordsee-Gasblase angebohrt
Ein Viertel der Methanemissionen stammen von einer einzigen Stelle in der Nordsee
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Ein Viertel der Methanemissionen der Nordsee stammen von einer einzigen Stelle, haben Geoforscher um Peter Linke vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel herausgefunden. 1991 ist die Firma Mobil beim Ölbohren auf eine riesige Methangasblase gestoßen; der Blow-Out des Klimagases hätte beinah die Bohrinsel explodieren lassen. Heute fühlt sie sicht nicht mehr zuständig, sagt Linke. "Sie haben augenblicklich keine Konzession mehr für das Gebiet", schildert er.
"Das ist an die Regierung zurückgeben worden - um aktiv werden zu können, muss eine Konzession vorliegen." Der biologische Filter versagt hier, schildet Linke: "Normalerweise konsumieren Mikroorganismen das Methan und verhindern, dass es den Weg zur Atmosphäre findet. Hier haben wir das Beispiel, dass große Mengen Methan in die Atmosphäre gelangen."
25 Prozent des Gases tritt in die Atmosphäre über. "Das ist in Hinblick auf die Ozeanerwärmung und auf die Mobilisierung großer Methanvorkommen wie in der Arktis von Interesse." Methan ist eines der stärksten Treibhausgase, sagt Linke: "Im Verhältnis zu Kohlendioxid spricht man davon, dass es eine mehr als 20-fache Wirkung hat, was den Treibhauseffekt dieses Gases betrifft." Der Anteil von Methan in der Luft kletterte von 1750 bis 2005 um 154,7 Prozent. In der Tiefe der Ozeane lagern riesige Mengen vereisten Methans, das Methanhydrat. Tauten die Methanhydrat-Vorkommen durch die Klimaerwärmung auf, verstärken sie nicht nur den Treibhauseffekt: Das Hydrat wirkt wie Kitt zwischen den unterseeischen Sedimentschichten. Fehlte dieser Kitt, dann könnten sich riesige Schichten auf dem Meeresboden verschieben. Tsunamis wären die Folge.
In diesem Fall würden alle Vorhersagen über die Erderwärmung über den Haufen geworfen, sagt Hervé Le Treut, der den Treibhauseffekt für die UNO erforscht, denn Methanhydrate sind in den heutigen Klimamodellen noch gar nicht enthalten.
Wie viel Methanhydrat es auf der Erde gibt, ist umstritten. Eine viel zitierte Schätzung beziffert die Vorkommen mit 10.000 Milliarden Tonnen Kohlenstoff - doppelt so viel wie alle weltweiten Kohle-, Gas und Erdöl-Vorkommen. Die Methanhydrate entstehen aus Pflanzen- und Tierkadavern durch die Verbindung von Kohlen- und Wasserstoff. Notwendig sind dabei hoher Druck und niedrige Temperaturen. Methan, schon jetzt als Heizgas eingesetzt, wird dabei von Wasserstoffmolekülen wie in einem Kristallkäfig eingeschlossen. Mehr als 90 Prozent der Methanhydrate sind im Meer zu finden.
Im Golf von Mexiko bilden die Methankristalle sogar eine Art unterseeische Eisfläche. Und große Mengen des Stoffes am Bermuda-Dreieck haben die These hervorgebracht, dass Methan-Ausstöße für das dort berüchtigte Verschwinden von Schiffen und Flugzeugen verantwortlich sein könnten.
Die in den Kristallen gespeicherten Methan-Mengen sind enorm, weshalb viele Forscher von einer Nutzung als Energiequelle träumen. "Ein Würfel von einem Kubikzentimeter lässt beim Schmelzen 164 Kubikzentimeter Gas entweichen", sagt Jean-Luc Charlou, Geochemiker beim Meeresforschungsinstitut Ifremer. Zu finden sind die Methan-Vorkommen aufgrund ihrer chemischen Signatur leicht; problematisch ist allerdings die Antwort auf die Frage, ob sich eine Ausbeutung wirklich lohnt. "Gashydrate sind in Form von Plättchen von einigen Millimetern oder Knoten von einigen Zentimetern zu finden", sagt Charlou. "Sie sind normalerweise verstreut im Sediment vergraben."
Damit lohnt sich die Förderung nur an Orten, wo sie in konzentrierter Form vorkommen. Erste Erfahrungen gibt es bereits. In Mallik im hohen Norden Kanadas wird das Gas vom Eis durch das Einblasen von Wasserdampf getrennt. "Das zeigt, dass es möglich ist", sagt Jacqueline Lecourtier vom französischen Erdöl-Institut.
Allerdings seien solche Verfahren heute noch viel zu teuer. Deshalb gehe es nun darum, die Mineralölkonzerne von einer Förderung im großen Stil zu überzeugen. Japan ist auf dem Feld inzwischen am weitesten. 2008 sollen erste Tests im Becken von Nankai stattfinden. Ziel ist eine industrielle Förderung bis 2016.


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Chandragup

11.01.2008 / mp
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