Elite-Uni darf die Forschung fördern, aber nicht die Lehre
"Die Förderung durch Exzellens-Initiative ist eine große Hilfe für den Wettbewerb"
"Die Förderung ist eine große Hilfe, um sich für den zukünftigen Wettbewerb um die besten Köpfe aufzustellen", sagt Prof. Horst Hippler, dessen Karlsruher Universität 2006 zur Elite-Universität auserkoren wurde. "Man kann sich mit diesem Geld aufstellen, dass man ein wirklich gutes Profil schaffen kann." Mit dem Geld wird jedoch nur die Forschung gefördert, nicht die Lehre. "Es mangelt an der Betreuungsrelation", so Prof. Hippler. "Das Verhältnis von Studierenden zu Lehrenden ist im internationalen Vergleich einfach zu schlecht."
Gleichzeitig habe man das Problem, "dass wir eine Kapazitätsverordnung haben, die diese Relation quasi gesetzlich verknüpft: Die Erhöhung von Lehrpersonal wird automatisch dazu führen, dass man mehr Studierende aufnehmen muss und dann wird man die Qualität in der Lehre nicht verbessern können."
Von den 6,5 Millionen Euro jährlich, die mit der Exzellensinitiative verbunden sind, zahlt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) nur 1,5 Millionen aus, da Karlsruhe ohnehin schon fünf Millionen von der DFG erhält. Mit dem staatlichen Förderprogramm Exzellenzinitiative soll die Spitzenforschung an deutschen Universitäten ausgebaut werden. Der Wissenschaftsstandort Deutschland soll damit auf Dauer gestärkt und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden. In dem Bund-Länder-Programm stehen von 2006 bis 2011 für fünf Jahre insgesamt 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung.
Die Mittel für die siegreichen Universitäten werden zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent von den Ländern getragen. Ob das Programm über 2011 hinaus weitergeführt wird, muss noch entschieden werden. Das Geld soll in drei Förderkategorien eingesetzt werden: für Zukunftskonzepte bereits erfolgreicher Hochschulen als Elite-Universitäten, für Graduiertenschulen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und für Spitzenforschungszentren (Exzellenzcluster).
Mit drei Zukunftsprojekten in der Exzellenzinitiative des Bundes hat die Universität Karlsruhe sich um die Eliteklasse beworben. Bei der ersten Förderlinie Graduiertenschulen ging es um die Gründung einer "School of Optics & Photonics" für die Wasserstoffforschung. In der zweiten Förderlinie Exzellenzcluster ging das im Juli 2001 gegründete Karlsruher DFG-Centrum für Funktionelle Nanostrukturen (CFN) ins Rennen. Die dritte Förderlinie Zukunftskonzepte betrifft die wachsende Integration mit dem Forschungszentrum Karlsruhe unter dem Dach des "Karlsruhe Institute of Technology" (KIT).
Ein relativ großer Teil der Mittel soll an wenige Elite-Universitäten (je Hochschule etwa 100 Millionen Euro) fließen. Die Anzahl dieser Elite-Unis ist nicht vorgegeben. Bei zwei Ausschreibungsrunden konnten sich alle deutschen Universitäten bewerben. Nach der Bewertung der Anträge durch internationale besetzte Gutachtergruppen entscheidet ein Bewilligungsausschuss, dem neben Vertretern der Wissenschaft auch die Politik angehört. In der ersten Runde waren 2006 neben Karlsruhe die Technische Hochschule und die Universität München gekürt worden.
Die Universität Karlsruhe - älteste Technische Hochschule
Die 1825 gegründete Universität Karlsruhe, auch Fridericiana genannt, ist die älteste Technische Hochschule Deutschlands. Die Universität in der badischen Metropole besitzt ein vor allem durch Technik-, Natur- und Ingenieurwissenschaften geprägtes Profil. Die Geistes-, Kultur- und Wirtschaftswissenschaften sind eng mit der Ingenieurausbildung verbunden. Seit der erfolgreichen Bewerbung bei der Exzellenz-Initiative des Bundes darf sie sich Elite-Universität nennen. Insgesamt werden in Karlsruhe mehr als 40 Studiengänge sowie die Abschlüsse Diplom, Master, Staatsexamen und Bachelor angeboten.
Von den rund 18.500 Studierenden stammen 3764 aus dem Ausland. An der Universität sind rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt, von denen rund 1450 Mitarbeiter durch Drittmittel finanziert werden. Zu den 2300 Personalstellen gehören rund 280 Professoren. Die Universität verfügt über einen jährlichen Haushalt von 240,66 Millionen Euro; hinzu kommen 82,24 Millionen Euro Drittmittel. Seit dem Sommersemester 2007 müssen die Studenten der Fridericiana eine Studiengebühr von 500 Euro zahlen.


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19.10.2007 / mp mit Material von dpa / mp
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