Experten sagen Nanotechnik eine große Zukunft voraus
Drei Forschergruppen wollen winzige Partikel in der Medizin der Zukunft einsetzen
Bradley Nelson
Nanotechnologie in der Medizin steckt noch in den Kinderschuhen, wird aber immer wichtiger, um Wirkstoffe besser verträglich zu machen oder Krankheiten früher zu erkennen. Das sind die Ergebnisse einer Branchenstudie der Stuttgarter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Die US-amerikanische Wissenschaftsstiftung schätzt, dass Anwendungen aus der Nanotechnik bis 2010 einen Umsatz eines dreistelligen Millionenbetrags erreichen werden. Bisher liegen acht Prozent aller Anwendungen in der Medizin.
Der US-Amerikaner Bradley Nelson versucht an der Eidgenössisch-Technischen Hochschule (ETH) Zürich, mit einem Roboter Plaques auf Blutgefäßen zu entfernen oder Medikamente zu transportieren. "Die Anwendung in der Augenchirurgie ist nur die Spitze des Eisbergs", sagt Nelson.
Rahel Bänziger vom Team Patrick Hunzikers
"In Zukunft könnten diese kleinen Roboter an schwierig erreichbare Orte im Körper gelangen." Patrick Hunziker versucht an der Basler Uniklinik, Medikamente so in Nanocontainer zu verpacken, dass sie gezielt die Wirkstoffe nur in kranke Zellen injizieren: "Alle anderen Zellen und Organe, die nicht am Krankheitsprozess beteiligt sind, können wir von Nebenwirkungen verschonen." Bisher erkennen die Nanocontainer bereits die Makrophagen des Immunsystems. Derzeit erproben die Forscher den Einsatz der Nanocontainer im Tierversuch.
Seit vier Jahren erprobt der Biologe Dr. Andreas Jordan an der Berliner Charité den Einsatz von Nanoteilchen gegen aggressive Gehirntumoren in einer klinischen Studie. Demnach soll die Methode bei 100 Patienten bereits ohne Schmerzen oder Nebenwirkungen funktionieren. Ärzte bringen winzige Eisenoxid-Teilchen in die Tumoren ein und bringen sie über schnell wechselnde Magnetfelder zum Schwingen, so dass sie sich erhitzen.
Andreas Jordan
Das Eisen wird in einer Hülle aus Zuckermolekülen gespritzt. Da der schnell wachsende Tumor im Gegensatz zum umgebenden Gewebe stetig neue Nahrung braucht, nimmt nur er sie auf. Die Partikel sind 1000 Mal kleiner als ein rotes Blutkörperchen und 10.000 Mal kleiner als eine Krebszelle. Weil durch ein Wechselfeld 100.000 Mal in der Sekunde Plus- und Minuspol vertauscht werden, verändern die eisenhaltigen Nanoteilchen im Tumor ständig ihre Ausrichtung. Dabei werden die Partikel immer heißer und lassen die Temperatur im Tumor stetig ansteigen. Bei mehr als 70 Grad sterben die Krebszellen an den Folgen der Überhitzung - das gesunde Gewebe bleibt von dem Angriff unberührt.
Der bösartige Gehirntumor Glioblastom wird in Deutschland jährlich bei 2000 Menschen festgestellt. Die Versuche, den Tumor durch Operation oder Bestrahlung aufzuhalten, helfen oft nicht, weil der Tumor häufig zurückkehrt. Ein Glioblastom gilt bislang als unheilbar. Neben Gehirntumoren behandeln die Berliner Wissenschaftler so auch Prostatakarzinome und Speiseröhrenkrebs.

Neue Wege gegen Krebs: physikalische Methoden


Zum Thema sprechen wir mit Sergio Bellucci vom Schweizer Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung

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15.10.2007 / mp mit Material von dpa
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