Warmes Licht kommt von dimmbaren Energiesparlampen
Die Entwickler wollen bisherige Nachteile der günstigen Beleuchtung ausschalten
"Wir wollen ein glühlampenähnliches Licht erzeugen: wärmere Farbtöne bei gleichzeitig sehr guter Farbwiedergabe", sagt Osram-Chefentwickler Dr. Jürgen Reichardt. Der kalte Farbton schreckt viele Kunden ab. Zudem arbeiten die Forscher daran, ein anderes Problem der Neonröhren-artigen zu lösen: Bisher haben sie sich nicht dimmen lassen. Dafür sind rund 200 winzige Bauteile mehr nötig. Jetzt funktioniert die Kommunikation zwischen der Elektronik im Sockel der Lampe und dem Dimmer.
Damit die Lampen schneller angehen, haben die Wissenschaftler in den neuesten Modellen die Elektrode durch ein Magnetfeld ersetzt. Im Magnetfeld treffen die Elektronen schneller auf die Quecksilberatome. Von Beginn an wird so eine große Menge UV-Licht erzeugt. Die Lampe erreicht ihre volle Helligkeit damit schon nach zehn Sekunden statt wie bisher zwei Minuten.
Früher sollte man Energiesparlampen vor allem dort einsetzen, wo sie länger brennen, weil Ein- und Ausschalten ihnen geschadet haben. Die neue Generation garantiert nun bis zu 500.000 Schaltvorgänge. In Langzeittests halten die Lampen im Dauerbetrieb mehr als 15.000 Stunden - zwei Jahre, wenn man sie Tag und Nacht brennen lässt. Energiesparlampen oder Kompaktlampen sind eine Weiterentwicklung der Leuchtstoffröhre. Zwar sind sie bei der Anschaffung teurer als herkömmliche Glühlampen, auf lange Sicht aber deutlich günstiger. Denn für die gleiche Helligkeit benötigt sie nur rund ein Fünftel der Leistung.
Sie bestehen aus einer dünnen beschichteten Glasröhre, die mit einer geringen Menge Quecksilber gefüllt ist. Durch den Stromfluss kollidieren Elektronen mit den Quecksilberatomen, wobei ultraviolettes Licht abgegeben wird. Dieses UV-Licht trifft auf den Leuchtstoff, mit dem die Innenseite der Röhre beschichtet ist. Der Stoff beginnt nun selbst zu leuchten. Für diesen Vorgang benötigt eine Energiesparlampe ein elektronisches Vorschaltgerät.
Während eine normale Glühlampe nur zwischen fünf und zehn Prozent der eingesetzten Energie in Licht umwandelt und den Rest als Wärme in die Umgebung abgibt, werden bei Energiesparlampen 25 Prozent der Energie in Licht umgewandelt. Als weiteren Pluspunkt nennt das Bayerische Verbraucherschutzministerium die deutliche höhere Lebensdauer von Energiesparlampen. Sie liegt den Angaben zufolge zwischen 8000 und 12.000 Stunden, während herkömmliche Glühbirnen bereits nach rund 1000 Stunden ihren Dienst verweigern können. Das Freiburger Öko-Institut schätzt, dass Energiesparlampen 80 Prozent weniger Strom verbrauchen als die herkömmlichen Glühbirnen.
Das Verbraucherschutzministerium rechnet vor: Für 8.000 Betriebsstunden sind angesichts der geringeren Lebensdauer mehrere herkömmliche Glühbirnen notwendig. Die Gesamtkosten inklusive Strom beliefen sich bei 100-Watt-Lampen in dieser Zeit auf rund 130 Euro. Eine Energiesparlampe mit gleicher Leuchtkraft verursacht in derselben Zeit nur rund 24 Euro Stromkosten.
Trotz teurerer Anschaffung fallen mit knapp 40 Euro aber deutlich weniger Gesamtkosten an. Dennoch nutzen aber nicht längst alle Haushalte in Deutschland die Sparvariante. Das Öko-Institut geht davon aus, dass etwa ein Viertel der hier zu Lande verkauften Leuchtmittel Energiesparlampen sind. "Es gibt noch ein sehr großes Potenzial", betont Dietlinde Quack. Vergleicht man die Energiebilanz beider Ausführungen, steht nach Angaben des Ministeriums zwar ein zehn Mal höherer Energieaufwand bei den Sparlampen wegen des komplexen Aufbaus zu Buche. Allein die wesentlich kürzere Lebensdauer von Glühbirnen gleicht aber den Mehrverbrauch nahezu aus.
Berücksichtige man noch den Spareffekt, falle die Bilanz insgesamt eindeutig zu Gunsten der Sparlampe aus. Bei der Entsorgung alter Energiesparlampen ist darauf zu achten, dass sie in den Sondermüll gegeben werden, weil sie geringe Mengen Quecksilber enthalten. Auch viele Händler nehmen ausgediente Modelle wieder zurück. Geht eine Lampe zu Bruch, besteht laut Ministerium keine direkte Gefahr für die Gesundheit. Man sollte die Substanzen aber möglichst nicht berühren und gut lüften.
Umweltfreundlich trotz des giftigen Metalls Quecksilber
Menschen assoziieren ganz automatisch Licht mit Wärme
Leuchtdioden statt Glühbirnen
Klimaschutz fängt in den eigenen vier Wänden an
Sonne aus der Pipeline
Glühbirnen: Spannungsspitze und Lichtbogen
Leuchtdioden bringen Licht - und zeigen Gefahren auf
Blaue Leuchtdioden basieren auf Halbleitertechnik
Lebensstil und Umweltschutz bei nur 2000 Watt
Elektronen auf Wanderschaft
Ein Drittel des deutschen Stroms kommt aus Atomkraft
St. Gallen spart Energie bei der Straßenbeleuchtung
Chaos herrscht auf der Autobahn leuchtender Moleküle

12.04.2007, zuletzt aktualisiert am 19.06.2008 / mp mit Material von ap, afp, reuters und dpa
zurück Seitenanfang Druckversion Artikel versenden 3sat / nano [E-Mail]