Grippe hat Deutschland im Süden und Westen erreicht
Der Verursacher der Krankheit ist zumeist das Influenza-A-Virus vom Subtyp H3
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Die jährliche Grippewelle hat Deutschland erreicht. Ebenso wie in vielen Nachbarländern sei die Zahl der Erkrankungen in den vergangenen Tagen stark gestiegen, teilte die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) am Robert-Koch-Institut mit. Vor allem in der Mitte Bayerns und im Südwesten Baden-Württembergs sei die Grippewelle angerollt. Auch im Westen Niedersachsens und nördlich Berlins breiteten sich die Viren aus. Vom 5. bis 11. Februar 2007 wurden bundesweit 617 Influenza-Fälle erfasst.
In Griechenland, Spanien, der Schweiz, den Niederlanden und Nordirland war bereits Ende Januar ein Anstieg der Influenzaviren festgestellt worden. Damit begann die Saison früher als Vorjahr. Verursacher der Grippe ist zumeist das Influenza-A-Virus vom Subtyp H3, berichtete das europäische Netzwerk zur Grippeüberwachung (EISS) in Utrecht (Niederlande).
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Dieses ist den Angaben zufolge gefährlicher als das Influenza-B-Virus, das im vergangenen Jahr maßgeblich die Grippewelle bestimmte. Influenza A habe eine deutlich höhere Rate von Sterbefällen als Influenza B. In Süd- und Osteuropa steige die Influenza-Aktivität derzeit weiter an, berichtete die AGI. In östlichen Ländern sei sie dagegen bislang gering. 2006 waren in Deutschland vergleichsweise wenige Influenza-Fälle aufgetreten. Die Grippewelle 2005 hatte dagegen allein in Deutschland 15.000 bis 20.000 Menschenleben gefordert. Die Influenzawelle gehörte damit laut RKI zu den heftigsten der vergangenen Jahre. Im Durchschnitt sterben in Deutschland 5000 bis 8000 Menschen pro Jahr an der Grippe. Bei der Grippe handelt es sich um eine schwere Atemwegsinfektion, deren Erreger die hoch ansteckenden Influenza-Viren sind. Jedes Jahr im Winter lösen sie lokale Grippe-Ausbrüche aus. Lebensgefährlich kann die Grippe dann sein, wenn Komplikationen wie etwa eine Lungenentzündung oder Bronchitis hinzukommen. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke, kleine Kinder und Personen, die in Gesundheits- und sozialen Einrichtungen arbeiten.
Die Grippe-Erkrankung beginnt mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Schweißausbruch und starken Schmerzen: Wer jemals an einer echten Grippe erkrankte, kann sich in der Regel bis an sein Lebensende daran erinnern. Denn typisch ist, dass sich der Patient niemals zuvor so schlecht fühlte. Noch Wochen, manchmal Monate später ist man matt und erschöpft.
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Dabei hat die Influenza nichts mit einem grippalen Infekt zu tun, den viele Deutsche fälschlicherweise als Grippe bezeichnen. Denn der ist viel harmloser und äußert sich anders: Mit einer langsamen Verschlechterung des Befindens und nur selten leichtem Fieber. Ihnen raten Ärzte dazu, sich rechtzeitig impfen zu lassen. Interessierte können sich auch jetzt noch von ihren Hausärzten impfen lassen. Nach der Impfung dauere es etwa ein bis zwei Wochen, bis der Immunschutz gegen die Influenza aufgebaut sei, sagt der Lungenfacharzt Michael Barczok vom Bundesverband der Pneumologen.
In dieser Grippesaison stehen den Deutschen 23 Millionen Dosen Impfstoff zur Verfügung. Wer glaubt, bereits an Grippe erkrankt zu sein, sollte so schnell wie möglich seinen Hausarzt aufsuchen. Denn besonders zu Anfang der Infektion wirken die gängigen Grippemedikamente wie Tamiflu oder Relenza gut.
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In Deutschland bestätigte das europäische Netzwerk zur Überwachung der Influenza-Aktivität (EISS) bereits Fälle von Influenza-Infektionen, um Gesundheitsbehörden vor drohenden Grippe-Wellen rechtzeitig warnen zu können. Das Thema Grippe nehmen Gesundheitsexperten sehr ernst. Denn sollte sich eine Influenza-Welle zu einer Epidemie und schließlich sogar zu einer Pandemie ausweiten, von der zahlreiche Länder und sogar ganze Kontinente betroffen sind, kann dies katastrophale Folgen haben. Die größte Grippe-Pandemie des vergangenen Jahrhunderts kostete in den Jahren 1918 bis 1920 weltweit nach heutigen Schätzungen zwischen 20 und 50 Millionen Menschen das Leben.
Im Deutschen Reich waren damals zwei Drittel der Bevölkerung mit der "Spanischen Grippe" infiziert. Wissenschaftler gehen seit kurzem davon aus, dass es sich bei dem Erreger von 1918 um ein ehemaliges Vogelvirus handelt, das sich durch Mutationen allmählich an den Menschen anpasste. Und genau davor fürchten sich viele Grippe-Forscher: Dass ein in der heutigen Zeit auftretendes Vogelgrippevirus wie etwa H5N1 mutiert und dadurch auch für den Menschen ähnlich ansteckend wird wie der Erreger der Spanischen Grippe.
Ob dies jemals geschehen wird, weiß niemand. Doch wenn es einmal so weit kommt, könnten die Folgen katastrophal sein. Das britische Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichte einen Bericht US-amerikanischer Forscher, nach dem bei einem erneuten weltweiten Grippe-Ausbruch bis zu 62 Millionen Menschen sterben könnten.
"Die größte Bürde der nächsten Grippe-Pandemie wird dann die Dritte Welt tragen, so wie es auch schon bei der Pandemie von 1918 bis 1920 der Fall war", sagt Forschungsleiter Christopher Murray von der Harvard-Universität im amerikanischen Cambridge. Denn dort haben Betroffene nur unzureichenden oder gar keinen Zugang zu medizinischer Versorgung.


Unterschätzte Seuche: die Grippe und ihr Infekt



Verbreitung der Grippe in Deutschland, Stand 21. Februar 2007, 18.30 Uhr


Zum Thema sprachen wir mit Dr. Walter Haas, Leiter des Fachgebiets Respiratorische Erkrankungen und Impfprävention am Robert-Koch-Institut

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21.02.2007 / dpa / epd / mp
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