"Wirtschaft hat kein Interesse an spritsparenden Autos"
Deutsche Automobilhersteller könnten ihren Technologie-Vorsprung zu verlieren
"Bis jetzt hat keine der Autofirmen spritsparende Autos hergestellt und sie sind auch gar nicht daran interessiert, das zu tun", sagt der Schweizer Unternehmer Nicolas Hayek. "Die deutsche Industrie war führend in der Welt und stagnieren jetzt: Nur die Japaner haben Hybridautos - und große Erfolge damit." Den spritsparenden Lupo habe Volkswagen nicht verkaufen wollen, meint Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe. "Es gab praktisch keine Verkaufsanzeigen und keine PR-Aktionen."
Über Monate hinweg habe Volkswagen diesen Wagen gar nicht mehr bestellen lassen. "Das Fahrzeug war konstruiert, um zu zeigen, dass es geht. Man wollte dieses Auto aber nicht zum Erfolg bringen." Seit Sommer 2005 wird der 3-Liter-Lupo nicht mehr gebaut. Der erste VW-Hybrid wird 2008 rollen - in China, weil dort der Spritverbrauch gesetzlich reglementiert wird.
Volkswagen hat nach eigenen Angaben nie ein Ein-Liter-Auto entwickeln wollen. Ein VW-Sprecher wies zurück, VW habe die Entwicklung eines solchen Autos aufgegeben. Es habe sich um eine "reine Konzeptstudie" gehandelt. Diese sei bereits 2002 vorgestellt worden. Die Studie zeige "nur das technisch Machbare". VW habe aus wirtschaftlichen Gründen nie vorgehabt, ein serienmäßiges Ein-Liter-Auto zu bauen. Es werde aber geprüft, ob einzelne Komponenten der Studie, etwa Leichtbaumaterialien, bei anderen Modellen zur Serienmäßigkeit gelangen könnten.
Trotz des Misserfolgs beim Drei-Liter-Auto Lupo halte der Autobauer an dem Ziel fest, "das Drei-Liter-Auto zu popularisieren", hieß es. Auch auf Motorenseite nehme der Konzern die Rohstoffkrise sehr ernst. Bis Ende 2010 sollen alle Motoren in der Lage sein, sowohl mit traditionellen Kraftstoffen als auch mit erneuerbaren Antriebsmöglichkeiten (Biomasse, Ethanol) zu fahren.
EU-Kommissar will Autoindustrie zu Klimaschutz zwingen
© reuters
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas (Bild) will die Autoindustrie zwingen, mehr für den Klimaschutz zu tun. Noch 2007 will er neue Vorschriften durchsetzen, damit der Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid bis 2012 um ein Viertel auf 120 Gramm gesenkt wird. Dies geht aus einem Entwurf für eine neue EU-Strategie zum Klimaschutz im Straßenverkehr hervor. Die Deutsche Umwelthilfe begrüßte den Vorstoß und schlug ihrerseits ein "Sofortprogramm" vor. Die Vorschläge des Umweltkommissars sind in der EU-Kommission allerdings umstritten. Die europäischen Automobilhersteller hatten sich verpflichtet, Neuwagen 2008 im Schnitt nur noch 140 Gramm Kohlendioxid je Kilometer in die Luft blasen zu lassen. Bis 2012 sollen es aus Sicht der EU nur noch 120 Gramm sein. Tatsächlich lag der Wert 2004 nach dem Dimas-Papier bei 163 Gramm.
Es gebe "zunehmend Anlass zur Sorge, ob die Verbände ihre Zusagen einhalten werden". Nach Darstellung der Umwelthilfe hat der italienische Fiat-Konzern den Zielwert mit 139 Gramm bereits unterschritten, die französischen Hersteller erreichten heute 146 bis 147 Gramm im Flottendurchschnitt. Aus dem Rahmen fielen hingegen mit 170 bis 300 Gramm vor allem die deutschen Hersteller, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch. Sie wären folglich von EU-Vorschriften besonders betroffen.
Dimas schreibt in seinem Papier man plane für 2007 eine Legislativinitiative zur Kraftstoffeffizienz. "Eine Rechtsvorschrift wird mit größerer Sicherheit dazu führen, dass bei der Kraftstoffeffizienz über die freiwilligen Verpflichtungen der Industrie hinaus echte Verbesserungen erzielt werden können." Neben sparsameren Motoren sollen Neuwagen künftig zum Beispiel Systeme zur Reifendruckkontrolle haben, denn wenn Reifen Druck fehlt, wird unnötig Sprit verbraucht. Außerdem sollen auch Effizienzstandards für Klimaanlagen vorgeschrieben werden. Denn diese bleiben bei den bisherigen Verbrauchsangaben der Hersteller außen vor. Diese Angaben entsprächen nicht realen Fahrbedingungen, schreibt Dimas.
Die Umwelthilfe begrüßte die Vorschläge und verlangte zusätzliche Maßnahmen der Bundesregierung. So sollten Abschreibungsmöglichkeiten für Geschäftswagen mit mehr als 140 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß gestrichen und die Kfz-Steuer nach dem Schadstoffausstoß gestaffelt werden, forderte Resch. Heute könnten sich Firmen die Anschaffungskosten ihrer Autos knapp zur Hälfte über den Erlass der Mehrwertsteuer und Abschreibungen vom Staat wiederholen.
Dies gelte auch für Spritfresser, die teils über 20 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen und mehr als 300 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Der Steuervorteil solle auf die sparsamen Modelle begrenzt werden, forderte der Verbandsvertreter. Das sei zum Beispiel in Großbritannien bereits geschehen - mit dem Erfolg sinkender Gesamtverbrauchs. Zudem soll aus Sicht der Umwelthilfe die Geschwindigkeit aller Fahrzeuge auf maximal 190 Stundenkilometer gedrosselt und ein Tempolimit auf Autobahnen eingeführt werden. Außerdem soll der Verbrauch von Neuwagen für Kunden besser ersichtlich sein.
Das Treibhausgas CO2 entsteht in Automotoren bei der Verbrennung von Diesel oder Benzin. Ein Kilogramm davon erzeugt etwa 3,15 Kilogramm CO2 (Kohlendioxid). Die Höhe des CO2-Ausstoßes ist direkt davon abhängig, wie viel Sprit ein Auto verbraucht. Sparsame Motoren und sparsames Fahren senken den CO2-Ausstoß.
Hersteller  Gramm CO2 
BMW   192  
Mercedes   185 
Audi   177 
VW   159 
Opel   156  
Ford   151 
Renault   149 
Citroen   144 
Fiat   139 
 
Grund sind die Modelle der deutschen Autobauer: Sie sind stark in der Oberklasse (Mercedes S- und E-Klasse, BMW 7er und 5er, Audi A8 und A6), wie auch in der Mittelklasse (VW Passat, Audi A4). So bläst das Top-Modell der S-Klasse von Mercedes fast 300 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Der kleinste 5er-BMW noch rund 200 Gramm. Dagegen verkaufen Fiat, Renault, Citroen und Peugeot vor allem die sparsameren Kleinwagen. Der Fiat Grande Punto etwa kommt beim Einsteigermodell nur auf 139 Gramm CO2 je Kilometer. Allerdings hatte die Politik in der Vergangenheit auch neue Regeln erlassen, die den Spritverbrauch erhöhten. Beispielsweise mussten die Motorhauben zum Schutz von Fußgängern bei Unfällen höher werden, was die Aerodynamik der Autos mindert.
Den Sparbemühungen entgegen laufen auch Wünsche der Kunden: Der Trend geht zu immer stärkeren Motoren, zu schweren Ausstattungsdetails: elektrische Fensterheber, Klimaanlagen, Airbags. Die Hersteller versuchen, ihre Kunden zum Kauf stärkerer und besser ausgestatteter Modelle zu bewegen, weil sie daran mehr verdienen. Die sparsameren Modelle mit Basismotorisierung werfen weniger Gewinn ab.
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30.01.2007 / mp mit Material von dpa und ap
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