Pflaster mit Nanosilber Video
In vielen Alltagsprodukten stecken Nanopartikel, unter anderem aus Silber
Wirkung noch nicht klar
Winzige Teilchen stecken auch in den Lebensmitteln
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät davon ab, Nanosilber in Lebensmitteln, Textilien und Kosmetika einzusetzen.
Die antimikrobiellen Eigenschaften von Silberionen machten sich Hersteller verbrauchernaher Produkte seit langem zunutze, teilte das Insitut im Juni 2010 mit. Auch Silberpartikel in Nanogröße verwende die Industrie seit neuestem. Silber und Silberverbindungen setzen Ionen frei, die das Wachstum von Keimen hemmen können. So sollen zum Beispiel die mit Nanosilber beschichteten Oberflächen in Kühlschränken das Wachstum von Bakterien und Pilzen verhindern, in Sportsocken soll es die Geruchsbildung vermeiden. Außerdem ist Silber als Farbstoff für Lebensmittel (E174) zugelassen.

Ob von Nanosilber ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher ausgeht, ließe sich jedoch nicht abschließend beurteilen. "Solange wir mögliche gesundheitliche Risiken nicht sicher ausschließen können, empfehlen wir Herstellern, auf Nanosilber zu verzichten", sagt BfR-Präsident Prof. Andreas Hensel.

Nanopartikel können auf Hirnentwicklung wirken © dpa Nanopartikel können auf Hirnentwicklung wirken
Nanopartikel wirken im Tierversuch bei Colitis ulcerosa Nanopartikel wirken im Tierversuch bei Colitis ulcerosa
"Wir wissen nicht, wie Nanopartikel sich verhalten" "Wir wissen nicht, wie Nanopartikel sich verhalten"

Auch Umweltbundesamt warnt vor Nanopartikeln
Lupe
Nanopartikel - Forscher streiten um den Nutzen und mögliche Gefahren
Das Umweltbundesamt (UBA) warnte im Oktober 2009 vor Gesundheitsgefahren, die aus dem industriellen Einsatz der Nanotechnolik in Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken, Kosmetika und anderem resultieren können. Das Amt empfahl ebenso wie das BfR, Produkte mit den kleinen Partikeln so lange zu vermeiden, wie ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind. Zudem forderte das UBA eine Kennzeichnungspflicht und ein Melderegister für Produkte, die Nanopartikel enthalten. Davon wären mehr als 800 Unternehmen in Deutschland betroffen, die in der Nanotechnologie tätig sind.

Die Verwendung millionstel Millimeter kleiner Partikel ist für viele Industriebranchen interessant, weil sie nützliche chemische und physikalische Eigenschaften besitzen. Ihre Winzigkeit birgt allerdings auch die Gefahr, dass sie viel eher die natürlichen Barrieren im Körper überwinden - die Blut-Hirn-Schranke etwa.

So nehmen etwa Lungenzellkulturen Nanopartikel auf. "Das bedeutet Stress für die Zelle", sagt der Biologe Peter Wick von der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa). "Dieser Stress kann die Grundlage dafür sein, dass Tier oder Mensch erkranken." Chinesische Forscher hatten im August 2009 eine Studie veröffentlicht, nach der Nanopartikel in Farben schwere Lungenkrankheiten verursachen können. Japanische Forscher veröffentlichten eine Studie, der zufolge Nanopartikel die Hirnentwicklung bei Föten beeinflussen können. In Tierversuchen wurde mehrfach gezeigt, dass Nanopartikel zu Entzündungen der Lunge führen können.

Risiken der Nanopartikel in der Nahrung sind unklar
Frau bereitet Salat zu
Nanopartikeln finden sich bereits in vielen Lebensmitteln
"Sobald Nanopartikel in den Körper gelangen, können sie potenziell gefährlich werden", sagt Christoph Meili von der Innovationsgesellschaft St. Gallen. Schon jetzt stecken Nanopartikeln in den Lebensmitteln: Meist sind es Metalloxide, die Tütensuppen und Streugewürze haltbarer machen, sie besser rieseln und fließen lassen. "Durch die veränderten chemisch-physikalischen Eigenschaften können sich Stoffe im Körper sich anders verhalten", befürchtet Meili. "Sie können in die Zellen eindringen oder in den Zellkern." Es wäre auch möglich, dass sie die Blut-Hirn-Schranke oder die Placenta überwinden. Arie Bruinink und Peter Wick von der Empa analysieren tausende Gene, um zu prüfen, inwieweit deren genetisches Programm durch Nanopartikel beeinflusst wird. "Die Natur hat seit jeher nanoskalige Stoffe in Lebensmittel eingebracht", so Meili. Dies seien etwa schlecht lösliche oder schlecht verfügbare Vitamine sowie Spurenelemente.

nano spezial
Geheimnisvolle Welt
Viele Einblicke in verborgene Welten können wir nur mit moderner Technik erlangen. Mikroskope machen den Mikrokosmos sichtbar, Teleskope zeigen uns Teile des riesigen Kosmos.
3sat-Thementag
Unsichtbar
Ob Nanopartikel, Mikroorganismen oder Verborgenes unter der Erde wie die Kanalisation, Höhlen oder Minen: Es gibt vieles in unserer Umwelt, was da ist, wir aber mit bloßem Auge nicht erkennen können. Ein Thementag zu Unsichtbarem am 1. November 2011 in 3sat.
Mediathek
Zum Thema sprachen wir am 17. Juni 2010 mit Dr. Mario Götz vom Bundesinstitut für Risiokobewertung.
Interaktiv
Zwei Hälften, ein Denken
Unser menschliches Gehirn hat drei Hauptstrukturen: den Hirnstamm, das Kleinhirn sowie das Großhirn, das aus zwei Hälften mit unterschiedlichen Funktionen besteht.
Links
Informationen zur Studie "Nanotechnik für Mensch und Umwelt" des Umweltbundesamtes sowie Download-Möglichkeit
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