"Der Stil bleibt - und zwar immer!"
Kulturzeit-Reihe: Ennio Morricone und sein legendäres Mundharmonika-Spiel
Ennio Morricone  © ap
Er ist ein Weltstar, dessen Gesicht kaum einer kennt. Er ist ein Komponist, doch viel mehr als das, ein Filmkomponist, so legendär wie die Zahl seiner Werke: Il Maestro, Ennio Morricone. Mehr als 500 Filmmusiken hat er geschaffen, unter anderem die legendäre Titelmusik zu Sergio Leones Kult-Italo-Western "Spiel mir das Lied vom Tod". Am 10. November 2008 feiert Ennio Moriccone seinen 80. Geburtstag.
"Man muss sich natürlich bewusst sein, dass Musik etwas ist, das künstlich hinzugefügt wird, also etwas Komplementäres zum Hauptwerk ist. Und das ist der Film", erklärt Morricone. Man müsse demütig sein, sich den Gesetzen des Films unterordnen. "Das meine ich mit Demut. Aber nicht, dass der Komponist aufgeben soll, er selbst zu sein. Das wird er nie tun können."
Klänge sinnvoll einsetzen
Ein Instrument fürs Lagerfeuer? Morricone gab der Mundharmonika einen neuen Sinn. Seiner Musik trieb er alle Wildwest-Romantik aus. Und seinem Gitarristen befahl er: Schlag die Saiten härter an. Das "Lied vom Tod" ist eine große Oper. Und in denen wird am Schluss gestorben. "Für mich ist eine bestimmte Ausdrucksweise entscheidend", so der Maestro, "der Charakter von Klängen. Die setze ich aber nicht sinnlos ein, etwa um Effekte zu erzielen. Alles muss in einem musikalischen Zusammenhang stehen. Die Suche nach Klängen, die Verschmelzung von Musiksprachen, auch von denen aus unterschiedlichen Quellen, ist nicht willkürlich".
Sein Werk ist groß. Sind es 500 oder schon 600 Filmmusiken? Jedes Jahr kommen mehr dazu. Das Erfolgsrezept heißt: Arbeit. Der Sohn eines Trompeters schrieb mehr als 100 Schlager vor seinem ersten Film. Dann traf er auf einen alten Schulfreund: Sergio Leone. Der wurde ein großer Regisseur - und Morricone sein Komponist. Doch Morricone wollte immer mehr als Western, er schrieb für Hunderte von Regisseuren. Wie das geht? Mit harter Arbeit. Ennio Morricone ist ein Arbeiter im Weinberg des Kinos, unermüdlich in über 50 Jahren als Komponist.
Fünf Mal für den Oscar nominiert
Morricones Musik kann zart sein wie ein Grashalm. Sie stützt einen Film, indem sie sich den Bildern anschmiegt. Fünf Mal wurde er für einen Oscar nominiert. Bekommen hat er ihn bisher aber nicht. Die Größten gehen oft leer aus. "Wenn jemand nicht Komposition studiert hat, kann er meiner Meinung nach nicht Filmkomponist werden", meint er. "Denn das Kino fordert alles - auch die seltsamsten Kompromisse. Außerdem muss man die Technik gut beherrschen. Um gut zu sein, muss man flexibel sein. Was mache ich zum Beispiel, wenn für einen Film Rockmusik gebraucht wird oder Pop? Oder eine Symphonie? Ein Quartett oder etwas ganz anderes?" Immer etwas anderes machen. Morricone ist so sprunghaft wie die Wahl seiner Filme.
Seine Musik machte ihn zum Star. Ennio Morricone ist 77 Jahre alt, aber im Herbst 2006 geht er auf seine erste Welttournee - mit dem Orchester der Mailänder Scala. Der große Komponist braucht kein Kino mehr, er ist längst sein eigener Film. "Das ist genauso wie Sie sie selbst bleiben müssen, wenn Sie einen Artikel schreiben. Eigentlich ist doch ganz normal, dass das Herz genau so wie immer schlägt. Und so steht dann auf dem Papier, was Ihr Herz ihnen sagt. Ich kann gar nicht anders, als ich selbst zu sein", gesteht er. "Auch wenn ich ganz unterschiedliche Musik zu ganz unterschiedlichen Filmen komponiere. Der Stil bleibt - und zwar immer."

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



Augen zu, Film ab: Wie Musik die Leinwand erobert



Kino-Zeit - Die "Kulturzeit"-Filmkritiken


Ennio Morricone war mit seiner Filmmusik für fünf Oscars nominiert:

2000: "Malena"
1992: "Bugsy"
1988: "Die Unbestechlichen"
1986: "The Mission"
1979: "In der Glut des Südens"

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18.10.2006 (aktualisiert am 10.11.2008) / Lotar Schüler (Kulturzeit) / se
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