Hollywood, der Teufel und der Papst
Die Renaissance des Exorzismus
Teufelsaustreibung im Film "Der Exorzismus der Emily Rose"  © sony-AP
Ein Priester steht vor Gericht, weil er mit dem Versuch, der jungen Emily Rose den Teufel auszutreiben, angeblich deren Tod verschuldet hat. Regisseur Scott Derrickson verfilmte mit "Der Exorzismus der Emily Rose" sein eigenes Drehbuch, das auf einer wahren Begebenheit basiert. Während der Film Ende November in den deutschen Kinos anlief, startete in Rom der seit dem Mittelalter erste Meisterkurs für Teufelsaustreiber.
Der Film hat alles, was ein Horror-Schocker braucht: Schreie und Blut, Geister und Tote, grässlich entstellte Gesichter und Gliedmaßen, und immer wieder die sichtbare Anwesenheit eines unsichtbaren Bösen. Doch der Horror ist nur die eine Seite des US-Thrillers. Die andere behandelt geradezu kammerspielartig das Geschehen im Gerichtssaal. Der katholische Priester Pater Moore (Tom Wilkinson) wird wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Er hat bei der Studentin Emily Rose (Jennifer Carpenter), die sich von einer bösen Macht besessen glaubte, einen Exorzismus durchgeführt. Kurz darauf starb die junge Frau an völliger Entkräftung. Zwischen der Verteidigerin (Laura Linney) und dem Staatsanwalt (Campbell Scott) entbrennt ein dramatischer Kampf vor Richter und Geschworenen-Jury. Er mündet in die Frage, ob die Existenz des Bösen und dessen Inbesitznahme eines Menschen zweifelsfrei ausgeschlossen werden könne.
Wahrer Fall als Vorbild
"Der Exorzismus von Emily Rose" ist kein alltäglicher Thriller. Er basiert auf einer wahren Begebenheit in der deutschen Stadt Klingenberg. Im Juli 1976 starb dort die 21-jährige Studentin Anneliese Michel während eines bischöflich erlaubten Großen Exorzismus an Unterernährung und Herz-Kreislaufversagen bei medizinisch nachgewiesener Epilepsie. Zwei Jahre später wurden die Eltern der jungen Frau sowie die beiden Exorzisten wegen fahrlässiger Tötung und Unterlassung der Hinwirkung auf ärztliche Hilfe vom Aschaffenburger Landgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt.
Doch damit nicht genug. Zum Beweis, dass Hölle und Teufel real sind, wurde der Leichnam Anneliese Michels nach zwei Jahren exhumiert. Als Beweis ihrer Besessenheit hätte er unverwest im Sarg liegen müssen, was nicht der Fall war. Die deutsche Bischofskonferenz nahm entsetzt Abschied vom Großen Exorzismus. Nie wieder sollte es einen solchen mittelalterlichen Spuk in Deutschland geben.
Vatikan bietet Seminar für Exorzismus an
30 Jahre später setzt der Vatikan wieder auf den Exorzismus, um dem Aufschwung des Okkultismus Herr zu werden. Eine der bedeutendsten Universitäten des Vatikans, die Regina Apostolorum, will in einem speziellen praktischen Seminar zu Satanismus und Exorzismus römisch-katholische Priester in den Bereich der Bekämpfung des Okkulten einführen.
Kritiker wie der Saarbrücker Priester und Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttel, sehen im Exorzismus tiefstes Mittelalter: "Es ist biblisch unbegründet, anthropologisch unbegründet", sagt er. Hier werde eine magische Welt aufgerichtet, die den Menschen und der Gesellschaft nur schade. Der Teufel ist wieder auf dem Vormarsch in den Köpfen der Menschen. Und bis auf den Scheiterhaufen kämpft die katholische Kirche dagegen mit den gleichen Mitteln wie im Mittelalter.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


"Der Exorzismus von Emily Rose"
USA 2005
Regie: Scott Derrickson
Darsteller: Laura Linney, Tom Wilkinson, Jennifer Carpenter
Kinostarts:
Deutschland und Schweiz: 24.11.2005
Österreich: 25.11.2005

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28.11.2005 / Kulturzeit mit Material von dpa/KNA / hs
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