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Josef Winkler ist Regisseur und Mitwirkender in seinem neuen Film
Tod, Katholizismus, Kindheitshölle
"Der Kinoleinwandgeher" von und mit Josef Winkler
Die Texte von Josef Winkler, dem Büchnerpreisträgers des Jahres 2008, liefern ein nicht ganz einfaches Thema, das jetzt in einem Film visualisiert wurde. "Der Kinoleinwandgeher" heißt das "Episodenfilmporträt" von Josef Winkler und Michael Pfeifenberger. Die Uraufführung findet am 15. August 2009 im Freiluftkino "Burghof" in Klagenfurt statt. In Deutschland kommt der Film im Herbst 2009 in die Kinos.
"Meine Bilderwelt, das ist das Kino, weil ich für meine Sinne und für mein Schreiben auch die viel ungeheuerlicheren Bilder finden und sehen kann", sagt Josef Winkler. Wenn er schreibt, holt er diese ungeheuerlichen Bilder aus sich heraus und bannt sie in Sprache. Tausende Seiten voll eruptiver Wortwut hat er seinen Lesern entgegen geschleudert. Tod, Katholizismus, Kindheitshölle, die Leichen am Ganges - aus Winklers literarischer Obsession ist nun ein Film entstanden. Ein "Episodenfilmporträt", das den Autor wie zufällig begleitet: nach Indien und Mexiko, und das ihn dort abholt, wo alles begonnen hat: in der Sprachlosigkeit seiner Kindheit auf dem Dorf.

"In meinem Mund habe ich mehrere, übereinander liegende Zungen", sagt Winkler. "Eine ist böse, die andere ist gut, die dritte kindisch und die vierte greisenhaft. Eine fünfte ist mir schon abgefault und die restlichen Zungenfetzen habe ich am Ufer der Drau ausgespuckt. Vielleicht war sie gespalten und hat sich, da sie die Unwahrheit sprach, zerrissen und ist abgefault."

Dem Tod begegnen
Josef Winkler hat in der Literatur sein Exil gefunden. Zuerst im Lesen, ohne anfangs den Inhalt zu verstehen, war er von den Sprachbildern fasziniert, dann im Schreiben, wo er selbst zum verbalen Bildhauer wird. "Wenn man auf der Leinwand ein bestimmtes Bild aus Varanassi oder Mexiko sieht, und das dauert nur fünf Sekunden", erklärt Winkler, "auf diesem Leinwandbild ist so ungeheuerlich viel drauf, dass man aufmerksam hinschauen muss, damit man alles erkennt. Die Literatur kann damit etwas luxuriöser umgehen. Denn allein dieses Bild, auf dem so viel drauf ist, dauert auf der Leinwand fünf Sekunden und auf meinem Papier oder in meinem Buch können es letztendlich sogar 20 Seiten sein."

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Verbrennungen in Indien
Das war eine Herausforderung für Regisseur Michael Pfeifenberger und Produzent Gerhard Lapan. Auch weil Josef Winklers Prosa niemanden ausspart, weder sich selbst, noch andere. Produzent Gerhard Lapan erklärt: "Das sind gerade die Fotos von den Verbrennungen [in Indien], das war für uns schon ein Kulturschock. Da kommst du hin und am allerersten Tag fährst du zu den Verbrennungsplätzen und musst nach fünf Minuten feststellen, es ist einfach das Normalste dieser Welt."

Dem Tod begegnet das Team auch in Mexiko, wie er jedem begegnet, der Winkler liest. Wer sich auf seine Texte einlässt, der reist tief in eine Welt des Verdrängten, des Unbenannten, eine Welt, die die Grenze des Darstellbaren überschritten hat. "Wenn man das visualisieren möchte, muss man es völlig frei, aufmerksam und subjektiv betrachten", sagt Regisseur Michael Pfeifenberger. "Josef Winkler ist so fokussiert im Detail und manche Sachen werden beschrieben, die unzeigbar sind, die in der Fantasie des Lesers schon ein Bild verursachen, dass man es gar nicht mehr zeigen kann."

Im September 1976 erhängen sich der 17-jährige Jakob und dessen Freund Robert in Winklers Heimatdorf. Danach beginnt er zu schreiben, beobachtet wie ein Kameraauge, so Winkler, und entlarvt Bilder, die schön sind und zugleich weh tun. Kameramann Gerhard Lapan sagt: "Dieses Bild, das er beschreibt, ist absolut war und ganz exakt beschrieben. Trotzdem existiert es in seinem Kamerakopf und ich bekomme es in meine Kamera so nicht hinein. Das geht nicht."

Sendedaten
Kulturzeit, montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Film
"Der Kinoleinwandgeher"
Österreich/Indien/Mexiko 2008
Regie: Michael Pfeiffenberger
Drehkonzept/Buch: Michael Pfeiffenberger, Josef Winkler
Darsteller: Familie Winkler, Martin Weinek, Oliver Vollmann, Martha Toledo, u.a.
Uraufführung: 15.08.2009,
Klagenfurt, Open-Air Kino im Burghof
Kinostart D: Herbst 2009
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