Wohin geht unser Geld?
Ein Film dokumentiert den Weg unserer Finanzen
© Let's Make Money.de
Was macht die Bank mit unserem Geld? Dieser Frage geht der österreichische Filmemacher Erwin Wagenhofer in seinem Film "Let's Make Money" nach. Günstigenfalls wird es in Gold angelegt oder findet sich in einem wachstumsorientierten Fonds wieder, der in ausgelagerte Industrien in Indien investiert. Erwin Wagenhofen nimmt die Spur unseres Geldes auf und trifft jene, die es gewinnbringend arbeiten lassen.
"Kaum ist Guthaben auf den Konten, kontaktiert uns die Bank und redet uns irgendein Finanzdienstleistungsprodukt ein", sagt Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer. "Die Bank macht das nur aus einem einzigen Grund: Weil sie daran verdient - bei uns und bei der Institution, bei der es weitergegeben wird." Um den halben Erdball folgt der Film der Vermehrung des Geldes und seiner Folgen. Eine garantiert clevere Altersvorsorge versprachen auch jene lukrativen Immobilienfonds, die an der Costa del Sol in Spanien investierten. Obwohl Millionen Häuser leer stehen, wird dort seit 18 Jahren gebaut wie im Rausch.
Leere Betonburgen als Geldanlage
"Der Großteil der Wohnungen dient als Wertanlage", sagt der Kartograf Miguel Torres im Film. "Immobiliengesellschaften und europäische Banken können mit einem Profit von etwa 20 Prozent rechnen. Das liegt weit über dem Durchschnitt einer herkömmlichen Geldanlage. Deshalb wurde in den letzten Jahren auch noch der letzte freie Platz zubetoniert." Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer sagt dazu: "Ich habe in Shanghai eine nette Frau getroffen, die noch nie in Europa war. Sie hat mir erzählt, dass sie in Spanien eine Wohnung gekauft hat. Die Bank hat ihr gesagt, dass sie eine größere Rendite bekommt, wenn sie Immobilien besitzt." Absurd werde es dann, wenn ein Haus oder ein Appartement als reines Investment gekauft wird, so Wagenhofer.
"Sanktionierter Goldraub"
Auch kein schlechtes Geschäft: Eine Aktiengesellschaft aus den USA schürft nach Gold in Ghana. Nur drei Prozent des Wertes kommen dem afrikanischen Land zugute, das damit noch den Kredit von der Weltbank für die Erschließung der Vorkommen abbezahlen muss. Für Wagenhofer ist das ein sanktionierter Goldraub: "Aus ghanesischer Erde wird jetzt Gold von Menschen vor Ort gewonnen, das dann direkt in die Schweiz geht", sagt er. "Dort findet eine Wertschöpfung durch Veredelung statt. 97 Prozent des Gewinns bleiben in der Schweiz, beziehungesweise im Westen. Dort, wo das Produkt herkommt, bleiben drei Prozent."
97 Prozent zu drei Prozent: Das ist die Ungleichung für ein aus den Fugen geratenes Wirtschaften. Können wir uns die Reichen noch leisten, fragt der Film suggestiv und erkundigt sich bei dem gefeierten Fondsmanager Mark Mobius im Steuerparadies Singapur nach den Spielregeln des Geschäfts: "Es gibt einen berühmten Satz: Die beste Zeit zu kaufen ist, wenn das Blut auf den Straßen klebt", so Mobius. "Denn wenn es Krieg, Revolution, politische Probleme und Wirtschaftsprobleme gibt, dann fallen die Preise von Aktien. Jene Leute, die an diesem Tiefpunkt kauften, haben jede Menge Geld gemacht." "Let's Make Money" ist wahrlich keine freundliche Kundenberatung am Bankschalter in Zeiten der Finanzkrise. Der Film ist eine eindringliche Gewinnwarnung an die Gesellschaft. Denn 20 Prozent Rendite sind auf Dauer ein todsicheres Geschäft für die Menschheit.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


"Let's Make Money"
(Dokumentation)
Österreich 2008
Regie: Erwin Wagenhofer
Kinostart D: 31.10.2008



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06.10.2008 / Jens-Uwe Korsowsky ("ttt", MDR) / tm
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