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Opium: das Kostbarste, das Afghanistan besitzt
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Aber nicht alle profitieren - nur eine einflussreiche Drogenelite, die ihren Reichtum offen zur Schau stellt. In Sherpur, einem Stadtteil von Kabul, entstehen immer mehr protzige Zuckerguss-Villen, so genannte Poppy Palaces, also "Schlafmohn- Paläste". Die Verlierer landen, wenn sie Glück haben, in einer der wenigen Suchtkliniken. Schätzungsweise eine Million Afghanen sind drogenabhängig - in einem Land mit 30 Millionen Einwohnern. "In Afghanistan gibt es etwas, das noch schlimmer ist als Krieg: das Opium", sagt Regisseur Siddiq Barmak. "Wir haben im Land keine Rohstoffe, wie zum Beispiel Erdöl. Wir haben andere Ressourcen, aber das Wichtigste und Kostbarste, was Afghanistan besitzt, ist Schlafmohn, also Opium." Der Anbau von Opium sichert rund 500.000 Familien in Afghanistan das Überleben. Es ist das Dilemma einer ganzen Nation, und das spiegelt nun ein Spielfilm auf tragisch-komische Weise: "Opium War" von Siddiq Barmak, der bedeutendste Filmemacher des Landes.
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Aufwendigste afghanische Produktion seit mehr als 30 Jahren
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Regisseur Siddiq Barmak kennt den Krieg in Afghanistan auch aus der Perspektive eines Soldaten. In den 1980er Jahren kämpfte er mit den Mudschaheddin gegen die russische Besatzung. Heute arbeiten am Set von "Opium War" Russen, US-Amerikaner und Afghanen zusammen. Es ist die aufwendigste afghanische Produktion seit mehr als 30 Jahren. Und fast ein Wunder, denn die Kinoindustrie liegt immer noch brach, wie ein Großsteil des Landes. Unter den Taliban war Kino nicht nur verboten - alle Filme sollten verbrannt, das kulturelle Gedächtnis des Landes ausgelöscht werden. Anfang der 1990er Jahre leitete Barmak Afghan Film, das nationale Filmstudio und Filmarchiv. Als 1996 die Taliban an die Macht kamen, floh er aus politischen Gründen ins Ausland.
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Alle seine Filme wurden vernichtet, bis auf einen. Den konnten seine engsten Mitarbeiter retten - und einige Werke anderer Regisseure. Nachts bauten sie ein geheimes Archiv und suchten Verstecke für die Rollen. "Sie haben diese Filmrollen auf dem Dach, hinter Wänden in den Rohren versteckt", berichtet Siddiq Barmak. "Sie riskierten ihr Leben. Es war sehr gefährlich, denn die Taliban hätten sie alle umgebracht. Sie haben ihnen sogar gedroht, wenn sie einen Film in diesem Gebäude finden, würden sie öffentlich hingerichtet." 2001, nach dem Sturz der Taliban, kehrte Barmak nach Kabul zurück. Er dreht nun einen Film über die Geschichte eines Mädchens, das sich während der Talibanzeit als Junge verkleidet: "Osama". Unter dem Taliban-Regime war Frauen verboten, allein das Haus zu verlassen. Als Junge namens "Osama" getarnt, kann das Mädchen für ihre Mutter und Großmutter sorgen - bis sie entdeckt wird. Mit "Osama" räumt Siddiq Barmak internationale Preise ab - sogar den Golden Globe. Aber er führt ihn auch mental und emotional an seine eigenen Grenzen: Die Furcht und Trauer des Mädchens hat ihn zu sehr an seine eigene Gefühle während der dunklen Jahren unter den Taliban erinnert.
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Demokratisierungsversuche als groteske Farce
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Und so erzählt "Opium War" die Tragödie seines Landes als Komödie - wenn auch mit sehr viel schwarzem Humor. Der Film stellt die verlorene Hoffnung der Afghanen dar. Die Freude über die neue Regierung ist längst in Ernüchterung umgeschlagen, und die ersehnte Hilfe aus dem Ausland hat nicht die versprochene Besserung erbracht. Überhaupt werden im Film die internationale Gemeinschaft und ihre Demokratisierungsversuche als groteske Farce dargestellt. Die ersten demokratischen Wahlen werden von einer Art Zirkustruppe auf Drogen abgehalten - als süffisante Anspielung auf die Hauptabnehmer des Opiums, das Ausland. "Im Ausland übt man oft Kritik an Afghanistan, unserer Bevölkerung und unserer Regierung", so der Regisseur. "Sie sollten auch einmal darüber nachdenken, wer diese Drogen eigentlich braucht und warum wir sie produzieren."
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 "Opium War"
Afghanistan, Südkorea 2008
Regie: Siddiq Barmak
Darsteller: Joe Suba, Peter Bussian, u.a.
noch kein Verleih in Deutschland |  |
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