Klangmagierin
Susanna Ridler mixt Elektronik mit Jazz
Susanna Ridler beim Konzert
Das legendäre Duo Kruder & Dorfmeister hat es vorgemacht: Ektronische Musik aus Österreich findet auch international große Beachtung. Die Sängerin, Arrangeurin und Komponistin Susanna Ridler fusioniert nun höchst erfolgreich elektronische Sounds mit Jazz. "[koe:r]" heißt das spannende Musikprojekt aus Wien. Ihr gleichnamiges Debüt-Album hat bei ihrer Österreich-Veröffentlichung im Februar 2008 für Aufsehen gesorgt. Jetzt erscheint "[koe:r]" auch in Deutschland.
Jazz-Improvisation und elektronische Beats, kann sich das vertragen? Susanna Ridler zeigt auf ihrer CD "[koe:r]", was möglich ist. Jazzgrößen wie Saxofonlegende Wolfgang Puschnig und Bassist Peter Herbert ergänzen die dichten elektronischen Soundlandschaften mit warmen, emotionalen Klängen.
"Nachdem die Idee war, ursprünglich nur elektronisch zu arbeiten und dann die Live-Instrumente da waren, war mir wichtig, dass es eine Einheit wird, dass diese Live-Instrumente ein Teil des Ganzen werden", sagt Susanna Ridler. "Dass ich das eine mit dem anderen verweben kann, auch die Stimme, dass sie eine Farbe in einem Gemälde ist. Die Stimme soll einfach nur ein Effekt sein, sie braucht keinen großen Platz." Neben ihren faszinierenden Eigenkompositionen gewinnt die Klangmagierin auch bekannten Standards wie "Summertime" oder "Fever" ganz neue Facetten ab. "Genau das war spannend", so Ridler, "dass ich versuche, Songs zu interpretieren, die ich selbst auch nicht mehr hören konnte, also etwas zu finden, das es anders macht, die Melodie zu verändern."
"Fertig gibt's nicht"
Mehr als zwei Jahre lang hat Susanna Ridler in ihrem Wiener Heimstudio an den Aufnahmen gefeilt. "'Fertig' gibt es eigentlich nicht", sagt die Musikerin, "ich glaube, man muss nur irgendwann sich trauen, zu sagen, für mich ist es jetzt fertig und reif, auch an andere Ohren weiter gereicht zu werden. Fertig ist es wahrscheinlich eh nie." Sampling, Verfremdung, Timestretching, Pitchbending - Susanna Ridler lotet die Möglichkeiten moderner Studiotechnik aus und schafft vielschichtige, abstrakte Sound-Welten. Doch im Zentrum des Klangkörpers schlägt deutlich vernehmbar ein Jazz-Herz. "Jazz hat für mich insofern Bedeutung, als dass ich ihn viele Jahre gehört habe. Ich habe auch Jazz-Gesang studiert, Jazz hat mich lange begleitet", sagt die Künstlerin. "Ich glaube, Jazz ist eine Inspiration für viele andere Richtungen. Ich habe ganz bewusst versucht, die Stile zu vermischen und mit dieser Elektronik, mit diesen Möglichkeiten, die der Computer bietet, die Stile zu verweben, eine Einheit zu bilden. Ob es mir gelungen ist, das soll der Zuhörer selbst entscheiden."
Ihr Album ist mehr als nur hübsche akustische Untermalung: "[koe:r]" ist Musik für Herz und Hirn. "Ich habe die Musik nicht als Wellness-Musik komponiert und angedacht", sagt Susanne Ridler, "ganz im Gegenteil, als Hinhör-Musik. Und wenn es für jemanden trotzdem eine Hörtapete ist, dann ist es okay. Ich gehe nicht auf die Barrikaden deshalb. Wenn's jemand im Dampfbad hören will, ist das okay für mich."

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


Susanna Ridler
"[koe:r]"
Geco/Elect 2008



Kulturzeit-Jazz-Duell im April 2008:
Trios, Trios, Trios

14.04.2008 / Dietmar Petschl für Kulturzeit / lj
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