Auge Asiens
Der Ausnahme-Kameramann Christopher Doyle
Christopher Doyle
Außergewöhnliche Filme mit ebensolchen Bildern dreht der chinesische Starregisseur Wong Kar-wai. Seine rechte Hand ist Ausnahmekameramann Christopher Doyle, geboren in Sydney. Doyles Weg führte ihn über Indien, Norwegen und Israel schließlich nach Taiwan, wo er zum Film fand. Seit vielen Jahren lebt Doyle in Hong Kong. Seine Bildsprache entwickelte sich zu einem Farbfeuerwerk mit experimenteller Ästhetik. Im Rahmen der Filmreihe "Asian New Wave" sind nun zwei der von ihm fotografierten Filme in deutschen Kinos zu sehen.
Er gilt als das Auge des asiatischen Films. Seiner Wahlheimat Hong Kong widmete Doyle 1994 den Film "Chungking Express". Durch die Linse nahm Doyle darin die Rastlosigkeit der Großstadt wahr, schwelgte in Nachtblau und Neonfarben. Und er schaffte mit diesem Film seinen Durchbruch: Der große Wong Kar-wei drehte mit ihm danach "In The Mood Of Love" und "2046".
Sinnliche Umsetzung
"Wenn im Skript jemand sagt: Ich liebe dich, wie fühlt sich das an?" fragt Christopher Doyle. "Das ist das Wichtigste und das Schwierigste für einen Kameramann: Wie finde ich Bilder für Worte wie nass, dunkel, Hitze, Geruch?" Dafür bedient er sich eines selbst komponierten Repertoires an Techniken: Super-8-Abstraktionen, Unschärfen, künstliche Farben, Slow Motion und Zeitraffer, ungewöhnlichen Bildausschnitten und Einsatz der Handkamera an unerwarteten Stellen. Nicht nur Wong Kar-wei, auch die Regiestars Chen Kaige, Zhang Yimou und Gus van Sant wurden süchtig nach Doyles Bilderrausch - so sehr, dass sie mit ihm arbeiteten.
"Ich gehe rein in die Szene und tanze", so Doyle zur Entstehung seiner Bilder. "Wenn ich als Kameramann ganz dabei bin, ist auch das Publikum dabei. Egal wie gut oder schlecht die Geschichte des Films ist: Wenn Du das Gefühl hast, dass Du tanzt, mit einem Gegenüber tanzt, das ist manchmal alles, was es braucht." Der Magie seiner Bilder kann das deutsche Kinopublikum nun mit der Filmreihe "Asian New Wave" erliegen, die in diversen deutschen Städten auch zwei Filme von Christopher Doyle zeigt, darunter den Berlinale-Wettbewerbsbeitrag von 2006, "Invisible Waves".
"Invisible Waves" im Rahmen der Filmreihe "Asian New Wave"
ab 14.12.2006 Berlin, fsk-Kino
17.01.2007 München, Filmmuseum
11.01.2007-15.01.2007 Nürnberg, Kommkino
"Last Life In The Universe" im Rahmen der Filmreihe "Asian New Wave"
01.12.2006-10.12.2006 Berlin, Babylon Berlin Mitte (Berlin Babylon 14 Filmfestival)
ab 28.12.2006 Berlin, fsk-Kino
20.12.2006 Hildesheim, Hochschulkino
16.01.2007 München, Filmmuseum
21.01.2007-24.01.2007 Ulm, Obscura Kino
21.02.2007 Villingen-Schwenningen, guckloch kino
26.01.2007-28.01.2007 Würzburg, Internationales Filmwochenende

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


"Invisible Waves"
Niederlande, Thailand, Hong Kong, Südkorea 2006
Regie: Pen-Ek Ratanaruang
Buch: Prabda Yoon
Kamera: Christopher Doyle


"Last Life In The Universe"
Thailand, Japan 2003
Regie: Pen-Ek Ratanaruang
Buch: Pen-Ek Ratanaruang, Prabda Yoon
Kamera: Christopher Doyle



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12.12.2006 / Kulturzeit / lj
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