Warum zur Hölle eigentlich nicht?
Countrysänger Kinky Friedman will Gouverneur von Texas werden
Kinky Friedman während seiner Wahlkampagne - seine Körpersprache spricht Bände  © reuters
Der Name ist Programm: "Kinky" heißt auf deutsch "abartig", "abnorm", oder gar "schrullig". Der Mann, der diesen Namen trägt, ist Kinky Friedman: Countrysänger, Buchautor und Komödiant - politisch unkorrekt als bekennender Raucher, Befürworter der Homoehe und der Legalisierung von Glücksspielen. Laut Umfragen liegt er auf Platz Zwei in der Rangliste um den texanischen Gouverneursposten. Der republikanische Amtsinhaber Rick Perry dagegen kommt auf etwa ein Drittel der Umfragewerte. Für die Wahl zum Gouverneur genügt die einfache Mehrheit.
Das politische Establishment im konservativen Bundesstaat Texas ist schockiert. Kinky Friedman entspricht in keiner Weise dem gängigen Bild eines texanischen Politikers. Fernab jeglicher Southfork Ranch Ölbarone-Romantik erreicht der Medienstratege dennoch sein Publikum: Die Texaner scheinen der alten Politiker-Garde überdrüssig zu sein, etwas gänzlich anderes zu wollen. Der Fernsehsender Country Music Television strahlte eine Reality Show aus, die Kinky während seines Wahlkampfes zeigt: zotige Sprüche, ein raubeiniges Wahlkampfmotto ("Warum zur Hölle nicht?") und gewandet in ein Cowboy-Outfit - viele Wähler scheinen dies als willkommene Abwechslung zu empfinden.
Ein bekennender Kiffer soll Energieminister werden
Kinky Friedman und Willie Nelson  © ap
Die Countrymusiklegende Willie Nelson hat er sich als Verstärkung ins Boot geholt. Ihn will er im Falle seiner Wahl zum Energieminister machen, weil Nelson bekennender Kiffer sei und sich für erneuerbare Energien einsetze. Auf die Frage, was er als erste Amtshandlung im Falle seiner Wahl tun würde, antwortete der 62-Jährige gegenüber dem Magazin "The New Yorker": Das sei die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf den Straßen von bisher 70 auf exakt 54,95 Meilen pro Stunde (88,43 km/h). Darüber hinaus möchte Friedman sich für bessere Bildung und umfassendere soziale Sicherheitssysteme einsetzen. "Ich finde, Friedman ist eine erfrischende Stimme der Wahrheit", sagt der Ingenieur Jim Hart, der beim letzten Mal noch den republikanischen Kandidaten gewählt hatte. "In dieser verbissenen Gesellschaft hat man so etwas lange vermisst."
Wahlplakat für Kinky Friedman  © pr
Die Politikmüdigkeit der Wähler soll also möglicherweise einem politisch völlig unerfahrenen Countrysänger zum Gouverneursposten im zweitgrößten US-Bundesstaates verhelfen? In den USA kennt man sich aus mit solcherlei Überraschungen. Auch der Wrestling-Star Jesse Ventura wurde 1998 praktisch aus dem Nichts heraus auf den Gouverneursposten des Staates Minnesota befördert. Ventura unterstützt nun auch Kinky Friedmans Wahlkampagne, begleitete den unabhängigen Kandidaten zu mehreren Auftritten. Last but not least ist Schauspieler Arnold Schwarzenegger ein Beispiel des "Politainment" - Politikertyps, also dafür, wie man mit geschickter Selbstinszenierung zum hochrangigen Politiker werden kann - im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



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Arnies Traumrolle - Arnold Schwarzenegger wird Gouverneur in Kalifornien

07.11.2006 / Kulturzeit mit Material von dpa/afp / lj
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