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"Aufbauschende Berichterstattung"
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Jérôme Bouvier, Journalist und Leiter des Projekts "Clichy sans Cliché":
"Durch die aufbauschende Berichterstattung wurde oft der Eindruck vermittelt, als gäbe es nichts anderes in Clichy sous Bois als Gewalt, brennende Autos und verzweifelte Jugendliche. Es gibt diese Gewalt, und es geht hier nicht darum, sie zu verneinen. Unsere Idee war es, zwölf Fotografen vorzuschlagen, für einige Zeit hierher zu kommen. Sie sind den Frühling und den Sommer über geblieben, um sich anzuschauen, wie die Menschen in Clichy leben, so wie ja auch die Menschen in den vielen anderen Pariser Vororten."
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"Kraft, sich herauszukämpfen"
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Sarah Moon, Fotografin und Filmemacherin:
"Natürlich bringt man mich meist mit der Modefotografie in Verbindung, dank der habe ich ja auch mein Leben bestritten. Dazu stehe ich auch: Ich bin Modefotografin. Meine Fotos sind meist fiktiv, niemals so richtig real. Aber als man mir das Projekt über Clichy sous Bois vorschlug, sagte ich zu, weil es mich sehr interessierte, meiner Arbeit auch mal einen anderen Sinn zu geben. Ich fragte, ob es dort einen Boxer gäbe. Das ist etwas, was mich schon immer fasziniert hat, etwas mit einer starken Symbolik. Es zeigt den Willen, Schläge auszuteilen, und gleichzeitig auch Schläge einzustecken, um sich aus der Misere herauszukämpfen. Man sagte mir, dass es in Clichy sous Bois einen Box-Champion gibt, und so habe ich Aurelien De Vooght kennen gelernt. Es war wunderbar, mit ihm zu arbeiten. Was mich wirklich bei all dem, was Aurelien mir erzählte, am meisten berührte, war die Tatsache, dass diese jungen Menschen, die zwei-, oder sogar dreifache Kraft aufbringen müssen, um aus ihrer schwierigen Situation herauszukommen."
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Aurelien De Vooght:
"Sarah Moon kontaktierte mich und fragte, ob mich das Projekt "Clichy sans
Cliché" interessieren würde, und ob ich da nicht mitmachen wolle. Ich sagte zu, denn ich wollte ein anderes Bild von Clichy vermitteln. Nicht das Clichy, das heutzutage von den Medien gezeigt wird, wo man meist nur von Clichy Sous Bois als einen Ort mit vielen jungen Kriminellen spricht."
Assed Oulad el Maallem:
"Man muss wissen, dass die jungen Menschen damals so reagiert haben, weil man ihnen auch kaum eine andere Wahl gelassen hat. Man hat ihnen immer viel
versprochen, und alles waren meist leere
Versprechungen. Ich selber lebe hier seit 27 Jahren. Es musste leider soweit kommen, zu den Unruhen vom letzten Oktober, die in den Medien in der ganzen Welt zu sehen waren, damit man sich dessen bewusst wird, dass mit der sozialen Ordnung in Frankreich etwas nicht in Ordnung ist."
Aurelien De Vooght:
"Es gibt keinen Tag, an dem ich aus der Haustür komme und nicht von der Polizei kontrolliert werde, obwohl die meisten von denen mich kennen."
Assed Oulad el Maallem:
"Und das ist die eigentliche Gewalt, diese fast täglichen Kontrollen, ob sie
uns nun kennen oder nicht, aber am Ende kennen sich hier im Viertel sowieso
alle. Das ist auch das, was hier die Stimmung ausmacht."
Aurelien De Vooght:
"Das Boxen ist für mich ein Weg, um dem Alltagsstress zu entfliehen.
Heute bin ich Europameister in Kickboxen, und ich hoffe, bald auch Weltmeister zu werden. Danach würde ich gerne mein Diplom als Boxlehrer machen, um den Kindern von Clichy meine Lust am Boxen weiterzugeben."
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"Paris ist eine gespaltene Stadt"
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William Klein, Fotograf und Filmemacher:
"Ich habe zugesagt, weil alle darüber gesprochen haben, was sich dort draußen
außerhalb von Paris abspielt und im Grunde keiner wusste, was da wirklich abgeht. Paris ist eine gespaltene Stadt. Wo ich wohne, ist wohl einer der
schönsten Plätze der Stadt, da gibt es keine Probleme, in keiner Art. Das Problem der Vororte ist das große Problem von Paris selbst. Die Stadt ist in zwei Welten gespalten, die nichts miteinander zu tun haben. Und plötzlich ist da diese Gewalt. Vor allem deshalb, weil die Kids dort draußen meist keine Arbeit haben und völlig isoliert von der französischen Gesellschaft leben. Aber diese Kids sind ganz normale Kids. Aber gerade wenn sie allein sind, ist es wirklich unheimlich hier, es ist dunkel, man ist umgeben von Graffitis und man weiß nie, wer hinter der Ecke auf einen warten könnte. Es ist wirklich hart, sich in so einer Atmosphäre wohl zu fühlen."
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