Roms neue Riesenvitrine
Friedensaltar des Augustus ist zukünftig durch Museumsüberbau geschützt
Antiker Altar im Ara Pacis-Museum  © ap
Der amerikanische Star-Architekt Richard Meier hat im Auftrag der Stadt Rom für den Friedensaltar des Augustus ein Museum entworfen. Das Glanzstück antiker Architektur und Bildhauerkunst und sein schützender Überbau wurden nun am 21. April, dem traditionell begangenen Geburtstag der Stadt Rom, neu eingeweiht. Doch Meiers Bauwerk spaltet die Architektenzunft: Einige rühmen den kühnen städtebaulichen Markstein am Tiber-Ufer, andere verhöhen den Bau als "Tankstelle" und "moderne Schachtel".
Für die Ordnungshüter ist Roms berühmteste Baustelle eine Herausforderung. Tag für Tag quält sich der Verkehr hier wie durch ein Nadelöhr am Tiberufer entlang. Noch Stunden vor der Einweihung werden letzte Bodenplatten verlegt. Aber eilig hat es hier niemand. Dem ursprünglichen Zeitplan hinkt man sowieso hinterher, um vier Jahre. Doch bei der Einweihung herrscht eitle Eintracht zwischen dem Bürgermeister und dem Architekten. Es ist keine gespielte Sympathie. Die beiden mögen sich wirklich. Jahrelang haben Walter Veltroni und Richard Meier das gewagtes Bauprojekt vorangetrieben.
Mythos des Imperium Romanum
Architekt Richard Meier und Roms Bürgermeister Walter Veltroni   © ap
Das Museum ist Roms neue Riesen-Vitrine, ein Schrein aus Glas, Beton und Travertin. Innen steht die Ara Pacis, der Friedensaltar des Kaiser Augustus aus dem ersten Jahrhundert vor Christus. Das Museum der Antike ist umrahmt von einem Meisterwerk der Moderne. Die Mauern des Altares sind reich verziert mit Figuren, Ornamenten und Girlanden. Zu sehen ist eine feierliche Prozession von Priestern. Im Mittelpunkt steht Kaiser Augustus mit seiner Familie. Der Mythos des Imperium Romanum - von nun an ist er vor Regen und Kälte geschützt.
Jenseits des Bauzauns aber sorgt der Friedensaltar für Unfrieden. Eine seltsame Allianz aus Umweltschützern und Ultrarechten verspottet den Neubau als "Tankstelle am Tiber". Die Römer indes haben sich noch nicht entschieden. Gewöhnung braucht Zeit. Nur der Tiber gibt sich unbeeindruckt vom Gefühlssturm an seinen Ufern. Der Strom hat schließlich schon ganz andere Bauwerke überlebt.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr

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21.04.2006 / Andreas Klinner für Kulturzeit / se
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