Lebenslanger Leistungsdruck
Warum in China bereits Kindergarten-Kinder pauken müssen
Kinder in Chikna werden zu wahren "Lernmaschinen" erzogen  © reuters
Bildungsmisere, überaltete Lernmodelle - wo in Deutschland nach den Ergebnissen der Pisa-Studie noch immer fieberhaft an Reformen gefeilt wird, sind die Chinesen bereits Lichtjahre weiter. Dort werden die Kleinen bereits im Kindergarten zum Lernen getrimmt. Denn der Leistungsdruck ist enorm, die Konkurrenz riesengroß. Und niemand möchte im Reich der Mitte nur mittelmäßig sein.
"In China gibt es viele Kinder, die wollen alle etwas werden. Darum habe ich einen Kindergarten gesucht, wo unser Junge so viel wie möglich lernen kann", sagt die Mutter Liu Ying Hong. Für eine gute Ausbildung ihrer Kleinen geben Eltern einen beachtlichen Teil ihres Gehaltes aus. Doch deren Leben ist damit bereits ab dem Krabbelalter straff durchorganisiert. Alles, was zählt, ist: Lernen, lernen, lernen. Schon Ein- bis Zweijährige pauken die Zahlen bis 199 in Englisch und Chinesisch, Dreijährige üben die chinesischen Schriftzeichen, Englisch und Mathematik. Der Kinderarzt Cheng Yue etwa betreibt 150 solcher Lernfabriken in ganz China. Er ist überzeugt, dass "frühes Lernen die Zellen- und Nervenverbindungen festigt. Das erhöht die Effektivität des Gehirns für das ganze spätere Leben". Es gehe darum, das Potential der Kinder auszuschöpfen. Doch auch wenn der IQ solcher Kinder laut einiger Studien größer ist als bei anderen, üben heimische Bildungsexperten bereits Kritik: Zuviel lernen mache unkreativ, sagen sie. Bleibt die Frage: Wann dürfen die Kleinen eigentlich einfach einmal nur Kind sein?

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr

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07.04.2006 / Kulturzeit / se
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