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Lernen für's Leben
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Dass Schule gelingen kann, hat Enja Riegel bereits gezeigt. Mit einer staatlichen Einrichtung, die sie 20 Jahre lang geleitet hat: der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, integrierte Gesamtschule und Modellschule des Landes Hessen. Bei den Pisa-Tests hat sie als beste Schule Deutschlands abgeschnitten. Hier lernen Kinder selbständiges Lernen, unterstützt von einem Lehrerteam, das einen Jahrgang von der fünften Klasse bis zum Schulabgang begleitet. Das ermöglicht individuelle Förderung und verlässliche menschliche Beziehungen. Die Schule fungiert als Lebensraum und Ort für unterschiedlichste Erfahrungen. Ältere Schüler leisten Sozialarbeit - etwa in Altersheimen. Der alte Spruch, dass man "für's Leben lernt, und nicht für die Schule", macht hier plötzlich Sinn. Und das Modell hat längst Schule gemacht. Selbst aus Korea reisen Delegationen an, um das Erfolgsgeheimnis zu lüften. Warum etwa Schüler erfolgreich sind, obwohl oder gerade weil sie anstelle von Unterricht Theater spielen. Etwas, was die Schule nur dadurch finanzieren kann, dass die Schüler nach Schulschluss selbst putzen. Enja Riegel hat dieses Schulmodell entwickelt. Jetzt reicht ihr das nicht mehr.
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Bildungschancen abhängig von sozialer Herkunft
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Pisa hat gezeigt: In Deutschland hängen Bildungs- und Lebenschancen wie in kaum einem anderen Land von der sozialen Herkunft ab. Dem gegenwärtigen Bildungssystem gelingt es nicht, diese Benachteiligung auszugleichen. Rund neun Millionen Schüler staatlicher Schulen standen im letzten Schuljahr zwar nur rund 600.000 Privatschüler gegenüber. Während aber in Staatsschulen, auch wegen der geringen Geburtenrate, die Zahl der Schüler weiter abnimmt, steigt die Zahl der Schüler an privaten Schulen jedes Jahr an. Ist das demokratische Ideal von der Schule für alle längst Vergangenheit? In der deutschen Bildungstradition ist Schule seit jeher eine staatliche Aufgabe gewesen. Doch die Ökonomisierung scheint nun auch hier Einzug zu halten. "Wenn man sich überlegt, dass Bildung ein besonderes Gut ist, das sich von den anderen Gütern, um die wir in Verteilungskämpfe eintreten - also auch Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, andere Konsumgüter - dann ist Bildung insoweit ein besonderes Gut, als es die Voraussetzungen überhaupt schafft, dass Menschen an den Verteilungskämpfen in der Gesellschaft teilnehmen können", so der Bildungsforscher Radtke. "Und deswegen sagen Bildungstheoretiker, Bildung sei so etwas wie ein vorgelagerter Bereich, der aus der Konkurrenz und aus der Verteilung eines knappen Gutes ausgenommen sein sollte."
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Auch Enja Riegel sieht die Verantwortung für Bildung beim Staat. Ihre geplante Schule vergleicht sie gern mit einem Forschungslabor großer Industrieunternehmen. Im Kleinen wird hier erprobt, was später im Großen funktionieren soll. Im Modell klappt das schon gut - mit Schülern, die auch Tiere halten und Gemüse anbauen. Außerdem ist ein Gästehaus geplant, das von den Schülern bewirtschaftet werden soll. "Man lernt eher, dass man Verantwortung übernehmen muss", ist Enja Riegel überzeugt, "nicht nur für die nächste Klassenarbeit, sondern damit Pflanzen, Tiere und Menschen gedeihen können. Ich glaube, diese Realitätsnähe zeichnet die Privatschule gegenüber dem aus, was an staatlichen Schulen möglich ist".
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