Spielball des Terrors
Wenn ein Entführungsopfer zur Verhandlungsmasse wird
René Bräunlich und Thomas Nitzschke hoffen im Irak auf Rettung  © dpa
Die Bilder ähneln sich: Vermummte mit Maschinengewehren, Botschaften in arabischer Schrift. Doch im Vordergrund kauern immer neue Protagonisten. Susanne Osthoff, Giuliana Sgrena - die Entführer liefern immer neue Videobotschaften von ihren Opfern im Irak. Und jetzt halten sie zwei Ingenieure aus Deutschland fest: René Bräunlich und Thomas Nitzschke aus Leipzig.
Die beiden Deutschen werden als Druckmittel instrumentalisiert. Die Entführer fordern, dass die Deutsche Botschaft in Bagdad geschlossen wird. Die Bundesregierung steckt in einem Zwiespalt: zwischen der Notwendigkeit, die Geisel, einen Menschen zu retten, und die Staatsraison zu wahren. Beim Krisenstab tickt die Uhr, ein Ultimatum von 75 Stunden läuft. Doch keiner weiß, wie lange noch.
Schachfigur zwischen zwei Kulturen
Die deutsche Archäologin Susanne Osthoff lebte als Freundin der Einheimischen im Irak. Trotzdem wurde sie zum Spielball von Terroristen. Bei der Entführung der Geisel Osthoff im November 2005 wurde der Mensch Osthoff bloßgestellt. Das warf Fragen auf: Welche Verantwortung hat die Presse gegenüber Entführungsopfern? Was darf man von Entführungsvideos zeigen? Darüber streiten Krisenstäbe und Redaktionskonferenzen. Die italienische Journalistin Giuliana Sgrena, entführt im Februar 2005, wurde zu einem Sinnbild der Angst. Dass ihr der Irak vertraut war, dass sie mit Muslimen befreundet war, interessierte die Entführer nicht. Sie verkörperte das Feindbild Europa und war eine Schachfigur zwischen zwei Kulturen.
Die Bilder sind Teil der Erpressung, der Terror läuft über Video. Die Konsequenzen von Entführungen kann kaum jemand einschätzen, politisch und menschlich.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr



Das Gespräch mit Giuliana Sgrena, Journalistin (03.02.2006)

Giuliana Sgrena auf Lesetour mit "Friendly Fire"
Chronik eines angekündigten Krieges: Kulturzeit berichtet über die Irak-Krise und ihre Folgen
Die Bilder lesen - Wie Entführungsopfer reagieren
Proteste gegen Mohammed - Wachsende Empörung in der islamischen Welt

03.02.2006 / Katrin Seibold (Kulturzeit) / se
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