Kunst für Terror
Das Geschäft mit Kunst aus illegalen Grabungen im Irak
Die deutsche Geisel Susanne Osthoff ist frei  © dpa
Dank der Hilfe vieler Menschen und Organisationen ist die Archäologin Susanne Osthoff nach gut dreiwöchiger Entführung im Irak freigelassen worden. Ihre Mission vor ihrer Entführung: Nachdrücklich protestierte die deutsche Archäologin gegen "Raubgrabungen" - gegen die Plünderung des antiken irakischen Erbes durch illegale Schatzgräber, die mit Hacke und Spaten die Wüste durchlöchern. Denn auf der Suche nach den Überresten der einstigen Hochkultur im Zweistromland bleiben oft nur Scherben zurück.
Eine gefährliche Aufgabe, denn der verbotene Handel mit dem nationalen Erbe floriert. Die antiken Fundstücke bringen Geld. Viel Geld! Experten schätzen, dass weltweit Milliarden von Dollar mit illegalen Kunstschätzen gemacht werden. Milliarden, die auch in die Taschen von Terroristen fließen. Denn längst haben Aufständische im Irak den Handel mit den Schätzen des Altertums als neue Einnahmequelle entdeckt. Bei ihren Razzien finden die internationalen Polizeibehörden neuerdings nicht nur Waffen und Drogen, sondern immer öfter antike Kunst. Der Verkauf der Raubkunst bringt Geld, mit dem sich auch Anschläge finanzieren lassen. Vasen für Waffen? Kunst für Terror?
Eine Spur führt auch nach Deutschland
Rückblick: Bagdad im April 2003. Im Chaos des Krieges fielen Plünderer über die Kunstschätze im Nationalmuseum her. Die Museumsdirektorin war verzweifelt. Hilflos musste sie zusehen, wie Stück für Stück jahrzehntelang zusammengetragener Schätze gestohlen werden. Später tauchten Exponate im Internet auf, einige wurden gar in Online-Auktionen angeboten. Waren die Plünderungen spontan, so scheint das Geschäft mit der Kunstbeute doch allzu gut organisiert. Einige der Stücke konnten nach dem Krieg aufgespürt werden, vieles aber verschwand über dunkle Kanäle.
Wer aber sind die Abnehmer? Wer kauft die Beute der Plünderer? Wer die Schätze der Raubgräber? Archäologen sind sich sicher: Aus dem Sand der irakischen Wüste führt auch eine Spur nach Deutschland.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


Miachel Müller-Karpe, Archäologe (19.12.2005)

Chronik eines angekündigten Krieges: Kulturzeit berichtet über die Irak-Krise und ihre Folgen

19.12.2005 / Jochen Werner (Kulturzeit) / hs
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