Tod auf Verlangen
Die Debatte um die Legalisierung der Sterbehilfe
Nach der Äußerung des Hamburger Justizsenators Roger Kusch, aktive Sterbehilfe zu legalisieren, diskutieren Politik und Gesellschaft über Sinn und Unsinn des selbstbestimmten Todes. Nach einer Umfrage fordern 75 Prozent aller Deutschen die entsprechenden Gesetze von der Politik, doch gerade aus Kreisen konservativer Politiker und der Kirche wird Protest gegen eine solche Forderung geäußert.
Die Kritiker, alle voran Bundesjustizministerin Zypries, fürchten die zukünftige Vorstellung einer anonymen und gefühlskalten Sterbeindustrie, die gerade auf vor Hintergrund der deutschen Euthanasie-Vergangenheit nicht akzeptabel sei. Die bereits vorhandenen Sterbehospize, in denen Sterbende ihre letzten Tage und Stunden ohne medizinische Gerätschaften verbringen, fordern dagegen eine wesentlich humanere Sterbekultur. Ihre alltägliche Praxis, Sterbende nur schmerzlindernd zu behandeln, und nicht die Ursachen der todbringenden Krankheiten zu bekämpfen, wird jedoch in Deutschland nicht von den Krankenkassen finanziert. Diese erhält wie auch der aktuell umstrittene "Tod auf Verlangen" keinen Rückhalt in der Politik.
Nicola Bardola
Der schweizerische Autor Nicola Bardola hat mit dem selbstbestimmten Tod seines Vaters persönliche Erfahrungen in seinen Roman "Schlemm" eingebunden. Sein Vater habe nach der Offenbarung, Krebs zu haben, lange hin und her überlegt. Doch das Schicksal zahlreicher Freunde, die vor ihm gestorben waren, bewegte ihn zur Wahl eines anderen, selbstbestimmten Todes. Bardola weist darauf hin, dass sein Vater keineswegs den Tod verdrängt habe. Er ist sich sicher, dass die Wahl des selbstbestimmten Lebensendes für seinen Vater ein quälender Prozess gewesen sei, der oft mehr Mut verlangt habe, als die Entscheidung "auf die lange Bank zu schieben."

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr


Das Gespräch mit Eugen Brysch von der Deutschen Hospiz Stiftung (20.10.2005)


Bardola, Nicola
"Schlemm"
A1 Verlagsgesellschaft 2005
ISBN: 3927743798
18,40 €

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19.10.2005 / Kulturzeit / gk
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