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Käfige und Knochenbrüche
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Und diese Wirklichkeit zeigt, dass die Menschen in einem Käfig gefangen gehalten werden. Es dauert etwa zwei Monate, bis über ihren Asylantrag entschieden wird. Presse und Menschenrechtsorganisationen haben keinen Zutritt und selbst Parlamentariern wird ein Besuch nur auf schriftlichen Antrag gewährt. Senator Francesco Martone ist hartnäckig geblieben. Im April konnte er sich von den Lebensbedingungen der Migranten und Flüchtlinge in Crotone überzeugen: "Ich konnte die Anwesenheit von mindestens zehn Personen feststellen, die offenkundig Knochenbrüche erlitten hatten. Ihre Beine waren verbunden oder eingegipst. Auf meine Nachfrage erklärten mir die Menschen, von Polizisten geprügelt worden zu sein. Als ich die Polizisten fragte, sagten sie, die Männer hätten versucht zu fliehen, und sich dabei die Knochenbrüche zugezogen."
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Das Geschäft mit den Asylsuchenden
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Francesco Martone beunruhigt am meisten der enorme Geldfluss, mit dem die Zentren finanziert werden: "Nach meinen Informationen geht es hier um politische Strategien und um den Schutz von privaten Interessen. Wie es aussieht, haben bestimmte Gruppen und gemeinnützige Vereine, wie die 'Misericordia', das 'Rote Kreuz' und die 'Vereinigung der Carabinieri im Ruhestand' die Leitung dieser Zentren übernommen, um ihre leeren Kassen zu füllen." In Isola Capo Rizzuto hat die "Misericordia" ihr Büro. Die Organisation führt das umstrittene Zentrum für Asylsuchende. Bei bis zu 70 Euro je Person pro Tag wird Nächstenhilfe zum Geschäft. Eine Stellungnahme verweigert der Verein: Das Zentrum ist tabu, selbst für das Gesundheitsamt. "Misericordia"-Mitarbeiter schweigen aus Angst, den Job zu verlieren.
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Unzureichende medizinische Versorgung
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Der Asylsuchende Kwame Sarpong hat keine Angst. Immer wieder klettert er über den Zaun des Centros. Er zeigt uns sein mageres Frühstück. Milch, Marmelade und etwas Zwieback. "Ich bin kein Gefangener, habe niemanden getötet und nichts getan", erklärt Sarpong. "Ich kenne meine Rechte, deswegen klettere ich über den Zaun. Ich wurde hergebracht, werde festgehalten, aber sie können mich nicht ins Gefängnis stecken. Schauen Sie, die Schuhe, die sie mir gegeben haben, sind zu klein und mein Hemd beginnt nach einem Tag zu riechen, denn wir haben nicht genug Seife: Ein Shampoo, ein Rasierer und eine Packung Rasierschaum müssen einen Monat lang reichen. Sonst haben wir nichts. Wenn ich zum Arzt will heißt es, ins Krankenhaus dürfe ich nur im Notfall. Wenn ich Bauchschmerzen habe, bekomme ich irgendetwas in ein Glas Wasser und muss es trinken. Wenn ich Kopfschmerzen habe, dann bekomme ich das Gleiche, wenn ich Magenschmerzen habe, das Gleiche, immer wieder bekomme ich die gleiche Medizin."
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Ablehnung der Asylanträge
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Kwame Sarpong nimmt uns mit zu seinem Platz. Manchmal kommt er her, um allein zu sein, oder um zu beten. In Ghana hat er als Manager und Geschäftsmann für internationale Unternehmen gearbeitet, bis er wegen des Bürgerkriegs fliehen musste. In wenigen Tagen wird er wahrscheinlich wieder in Afrika sein. Denn 92 Prozent der Asylanträge werden abgelehnt. Die Asylsuchenden werden dann in den Sicherheitstrakt verlegt. Aber selbst von hier gelingt einigen die Flucht - sie endet in der Illegalität, denn ohne Aufenthaltsgenehmigung gibt es in Italien keinen Arbeitsvertrag, und ohne Arbeitsvertrag keine Aufenthaltsgenehmigung.
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Ablehnung der Zentren aus Regierungsreihen
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Bei der Versammlung der italienischen Regionalpräsidenten hat einer von ihnen laut über die Schließung der 14 italienischen "Guantanamos"
nachgedacht. Asyl, Migration und Armut seien soziale Probleme, nicht
bloß Sicherheitsfragen, sagt der Regierungspräsident von Apulien, Nichi Vendola. "Gibt es denn für uns Männer und Frauen nicht auch ein Grundrecht, das ihnen erlaubt, Ozeane zu überqueren auf der Suche nach dem richtigen Ort. Gibt es nicht ein Recht, ein sichereres, besseres Leben irgendwo auf der Welt zu suchen? Ein Recht auf Mobilität? Wir leben in einer Epoche, in der der freie Austausch als heilig gilt. Aber nur, wenn es um Kapital oder Waren geht. Für die Menschen gelten Vorschriften. Ich passe mich da nicht an. Diese Welt gefällt mir nicht."
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