Gemeinsam für den Frieden gegen Terror
Lässt sich der Islam in unsere Gesellschaft integrieren?
Die Demonstration "Gemeinsam für Frieden gegen Terror" am 21.11.2004 in Köln wurde von der türkisch-islamischen Union veranstaltetet  © ap
25.000 Teilnehmer zählte die Demonstration von Muslimen und Deutschen. Natürlich warnten die Zeitungen und viele Politiker am Sonntag und auch am heutigen Montag vor einer vorschnellen Verteufelung des Islam, also derer, die sich religiös dem Islam zugehörig fühlen. Und doch bleibt ein unguter Nachgeschmack. Denn weitgehend einhellig ist die Meinung, dass die Deutsch-Sprachkenntnisse deutlich besser werden müssten, weil sie ein Schlüssel für Zusammenleben und Integration sind. Und es bleibt die Frage nach der Gleichheit von Frauen und Männern.
Reicht es da, wie Bundesaußenminister Joschka Fischer zur Situation im Inneren zu bemerken, man müsse eben auf eine liberale, weltoffene Demokratie setzen? Es scheint, als wüsste die Politik nicht wirklich was sie will. Und es scheint, als seinen sich auch die islamischen Gruppen nicht einig in dem was sie wollen und wo sie stehen.

Lassen sich Deutsche Demokratie und Islam vereinen? Und wenn ja - wie ist es mit deutschem Lebensstil und Islam, etwa dem Kopftuchverbot an deutschen Schulen, das Bundeskanzler Gerhard Schröder fordert?
Gescheitertes Integrations-Modell
Seit dem Wochenende wissen wir, dass mit unserer Kultur etwas fundamental schiefgegangen ist. Angela Merkel hat die These geäußert, dass wir mit unserem Multi-Kulti-und Integrations-Modell gescheitert sind. Zur Erinnerung: Integration steht für ein Programm des Umgangs mit Ausländern seit es sie in Deutschland zumindest in grösserer Zahl gibt. Edmund Stoiber setzte noch eins drauf und eröffnete passend zur Weihnachtszeit die Wertedebatte und die Frage nach einer deutschen Leitkultur neu. Das freilich wurde nun zur ungewollten Kritik an Angela Merkel, denn Stoiber will ja gerade die Einwanderer zu mehr Integration zwingen um die "christliche Prägung des Landes zu verteidigen". Ernstfall also.

Die Politiker der Gegenpartei wie Innenminister Otto Schilly warnen vor einem Kampf der Kulturen und finden es "kläglich", den Begriff der Leitkultur wieder aus der Mottenkiste zu holen. Stoiber zufolge - und er ist mit dieser Meinung bei weitem nicht alleine - steht der Feind sozusagen im eigenen Land - und demonstriert sogar wie am Wochenende in Köln.

Das Gespräch mit Werner Schiffauer, Kulturanthropologe an der Viadrina Universität Frankfurt/Oder (22.11.2004)

22.11.2004 / Kulturzeit / kb
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