Was bleibt im Kopftuchstreit?
Bremens Bürgermeister Henning Scherf über das Verbot religiöser Symbole
Frauen in Frankreich demonstrieren gegen das Kopftuchverbot  © ap
Ist es ein Modeaccessoire, ein religiöses Symbol oder gar ein Sinnbild für Fundamentalismus? In Frankreich werden Jugendliche mit Kopftuch seit Donnerstag am Zutritt zu ihrer Schule gehindert. Im Irak steht unterdessen das Leben zweier Journalisten auf dem Spiel - ihre Entführer erpressen den französischen Staat, das Kopftuchverbot zurückzunehmen.
Es ist ein Kreuz mit dem Kopftuch. Für die einen ist das Kopftuch ein Gradmesser für religiöse Freiheit und Toleranz, Integrationswillen und Multikulturalismus. Für die anderen ist es eine Bedrohung der freiheitlichen Grundwerte, eine Quasi-Anerkennung islamischen Rechts, der Sharia. Schleicht sich womöglich so der religiöse Fundamentalismus in unsere demokratische Grundordnung ein? Kritiker sagen, das religiöse Symbol sei auch politischer Ausdruck der Unterwerfung der Frau und widerspreche dem Gleichheitsgebot der deutschen Verfassung. Darüber hinaus ist der Kopftuchstreit auch immer Ausdruck eines exportierten innerislamischen Problems.

Das Gespräch mit Henning Scherf, Bürgermeister von Bremen (03.09.2004)

Verbot mit Ausnahmen?
Vor dem Bundesverfassungsgericht   © dpa
In Deutschland geht es vor allem um die Frage, ob man als Autoritätsperson oder auch als öffentlich Bediensteter bei der Arbeit Kopftuch tragen darf. Das Bundesverfassungsgericht wollte das im letzten Jahr im Kopftuchprozess einer Lehrerin nicht entscheiden - und gab die Zuständigkeit an die Länder ab. Drei Bundesländer, das Saarland, Baden-Württemberg und Niedersachsen, haben das Kopftuchverbot bereits beschlossen. Andere Bundesländer wie Bayern, Berlin, Hessen oder Bremen planen ein Verbot. In Bremen ist das Verbot derweil umstritten. Bürgermeister Henning Scherf, zwar ein erklärter Muslimfreund, bevorzugt ein generelles Untersagen aller religiösen Symbole - jedoch mit Ausnahmen im Einzelfall.

Was bleibt also im Kopftuchstreit? Eine von Toleranz und freiheitlichen Rechten bestimmte Demokratie tut sich schwer beim Pro und Contra. Wie aber lässt sich die Integration muslimischer Bürger in einem säkularen Staat, in eine demokratische Gesellschaft regeln, ohne unsere Verfassung, die Freiheit des Einzelnen und die religiösen Traditionen zu beschneiden?
Kopftuchstreit in Frankreich
Der Fall Ludin in Deutschland

03.09.2004 / Kulturzeit/jh
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