Elektroschocker
Das Dauerthema Medien und Gewalt
Sendungen wie Fear Factory, Freak-Show oder Jackass sind Kult. Waghalsige Stunts, sinnlose Mutproben und die Lust am eigenen Schmerz - immer geht es um den berühmten Kick. In Deutschland forderten solche Sendungen bereits Opfer: Ein 14-jähriger Nachahmer ließ sich todesmutig anzünden und landete schwerverletzt in einer Klinik.
Mainzer Medieninstitute
Ob gewollt oder nicht: Immer häufiger liefern Fernsehshows und Computerspiele heikle Anleitungen für die Wirklichkeit. Dass Medien Vorbilder für Verbrechen sein können, hat nicht zuletzt das Drama in Littleton bei Denver gezeigt. Ähnlich wie in der Traumszene im Film "Jim Carroll - In den Straßen von New York" mit Leonardo DiCaprio erschießen im April 1999 Jugendliche der Columbine Highschool mit halbautomatischen Waffen zwölf Mitschüler, zwei Lehrer und danach sich selbst. Auch beim Mörder von Erfurt, Robert Steinhäuser, der als Ninja verkleidet 16 Menschen kaltblütig ermordete, fand die Polizei später Computer- und Videospiele wie "Counter-Strike", die nur ein Ziel kennen: Töten, um nicht getötet zu werden.
In Berlin lädt heute der Bundeskanzler zu einem runden Tisch ein. Das Thema: Medien gegen Gewalt. Fachleute aus Politik, Industrie und Medien diskutieren ethische und rechtliche Grenzen. Das Thema ist nicht neu, doch deshalb nicht weniger aktuell. Auch beim 4. Mainzer Mediengespräch mit Kardinal Lehmann geht es um Sex, Horror und Gewalt. Kulturzeit spricht mit Medienphilosophen Mike Sandbothe über Risiken und Nebenwirkungen des gewalttätigen "Elektro-Smogs".

16.06.2003
Kulturzeit