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Der Expressionist Emil Nolde hat zeitlebens ein umfangreiches Werk geschaffen. Vor 150 Jahren wurde er geboren.
Der Expressionist Emil Nolde hat zeitlebens ein umfangreiches Werk geschaffen. Vor 150 Jahren wurde er geboren.
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Dem Künstler Emil Nolde zum 150. Geburtstag
Der Expressionist Emil Nolde (1867-1956) ist einer der großen deutschen Künstler, bekannt für seine dramatischen Landschaften und leuchtenden Blumenstillleben, aber auch für seine umstrittene Rolle als Künstler während der NS-Zeit. Vor 150 Jahren wurde er geboren. Mehrere Ausstellungen würdigen Emil Nolde aus diesem Anlass.
Als Emil Hansen wird der spätere Künstler am 7. August 1867 im deutsch-dänischen Grenzgebiet geboren, erst später wird er sich nach seinem Heimatdorf Nolde nennen. Er ist noch ein Kind, als er seine Leidenschaft fürs Malen entdeckt, und er macht die Kunst zum Beruf, indem er als 17-Jähriger das Handwerk des Holzbildhauers und Zeichners erlernt. Sein Geld verdient er zunächst als Schnitzer in Möbelfabriken, dann auch als Fachlehrer für gewerbliches Zeichnen im schweizerischen St. Gallen. Dort entdeckt der im flachen Schleswig-Holstein aufgewachsene Emil Hansen die Berge für sich; er klettert und zeichnet die Gipfel, denen er grimassenhafte Züge andichtet und die er als Postkarten drucken lässt. Damit verdient er so viel Geld, dass er sich eine Künstlerausbildung leisten kann. Ab da malt er nur noch.

Lodernde Farben, dramatische Lichtstimmungen
© dpa Das Kunstmusem Ahrenshoop zeigt eine Nolde-Schau.
Das Kunstmusem Ahrenshoop zeigt eine Nolde-Schau.
Es sei ein Werk, das weniger mit dem Intellekt als vielmehr mit dem Gefühl begreifbar sei, sagt der Direktor der Nolde-Stiftung Seebüll, Christian Ring. Dazu brauche es keinen intellektuellen Überbau. Emil Nolde, das heißt lodernde Farben, dramatische Lichtstimmungen, aber auch ins Fantastische und Groteske gehende Motive, denn Nolde, der anfangs noch von den Symbolisten und Impressionisten geprägt ist, zählt zu den Expressionisten. 1906 lädt ihn die berühmte Künstlergruppe "Die Brücke" um Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff ein, Mitglied zu werden. Doch nur ein Jahr später verlässt Nolde "Die Brücke" bereits, macht zuerst mit bei der "Berliner Secession" um Max Liebermann, überwirft sich aber mit diesem und beteiligt sich gemeinsam mit Max Pechstein an der Gründung der "Neuen Secession".

Nach der Machtergreifung von Adolf Hitler - Nolde ist bereits der NSDAP beigetreten - will Emil Nolde Vertreter einer "urdeutschen" Kunst werden, buhlt um die Anerkennung des NS-Regimes, die zeitweise erfolgt. Doch die NS-Führung debattiert auch darüber, ob diese Art eines "nordischen" Expressionismus die führende Kunstausrichtung Deutschlands werden kann - und entscheidet dagegen. 1937 werden zu Noldes Entsetzen mehr als 1000 seiner Werke beschlagnahmt, rund 50 davon sind in der Ausstellung "Entartete Kunst" zu sehen. Aus dem Künstler, der sich selbst als stolzer Deutscher fühlt, ist im Handumdrehen ein Verfemter geworden.

Noldes Neubewertung durch die Kunstgeschichte
© dpa In diesem Haus in Seebüll lebte und arbeitete Emil Nolde.
In diesem Haus in Seebüll lebte und arbeitete Emil Nolde.
Noldes Rolle als Künstler während der NS-Zeit ist seit den 1990er Jahren erforscht und neu bewertet worden; nachdem er lange Zeit als Verfolgter des NS-Regimes gesehen wurde, rückt die Forschung nun seine antisemitische Seite und sein Anbiedern bei den NS-Größen ins Licht. Wie Emil Nolde mit dem Regime sympathisieren konnte, trotz der Anfeindungen, "das ist ein spannender Punkt, den auch ich noch nicht richtig verstanden habe", sagt Christian Ring, Direktor der Nolde-Stiftung Seebüll. Leider habe Nolde sich nach dem Krieg nie dazu geäußert. Man wünsche sich von dem alten Nolde eine Einsicht, dass er sich geirrt habe. "Aber das fehlt."

Sendung zum Thema
© dpa"Emil Nolde - Maler und Mythos"
Ein Film von Wilfried Hauke
Sonntag, 06.08.2017
um 10.15 Uhr in 3sat
Ausstellungen
"Ikemura und Nolde"
Kunstmuseum Ahrenshoop
08.10.2017

"150 Jahre Emil Nolde - Meisterwerke" und "Emil Nol­de trifft Hen­ry Moo­re"
Nolde-Stiftung, Seebüll
bis 30.11.2017

"Emil Nolde und Japan"
Städtische Galerie Wolfsburg
bis 13.08.2017

"Nolde in der Südsee"
Landesmuseum Schloss Gottorf
03.09.2017

"Emil Nolde zum 150. Geburtstag"
Kunstmuseum Mühlheim an der Ruhr
bis 07.01.2018

"Emil Nolde und die Brücke"
Kunsthalle zu Kiel
18.11.2017 bis 02.04.2018
Kunst
Noldes dunkle Seite
Schau im Städel zeigt Retrospektive (07.03.2014)
Kunst
In die Irre geführt
Die Nähe Emil Noldes zu den Nazis (17.12.2013)