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"Alternde Menschen sind wie Museen: Nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern", sagte Jeanne Moreau einmal.
"Alternde Menschen sind wie Museen: Nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern", sagte Jeanne Moreau einmal.
La Grande Moreau
Die Schauspielerin Jeanne Moreau ist gestorben
Ob als "Mademoiselle" oder "Lady M." - mehr als 50 Jahre lang prägte sie die Filmlandschaft, galt als Ikone der ewigen Jugend und wurde als beste Theaterschauspielerin ihrer Generation gehandelt: Jeanne Moreau. Nun ist die vielfach für ihr Lebenswerk geehrte Muse der Nouvelle Vague im Alter von 89 Jahren gestorben, wie die französische Nachrichtenagentur AFP am 31. Juli 2017 unter Berufung auf ihren Agenten meldete.
"Ich habe mit dem Tod früh Bekanntschaft gemacht - und mich dann leidenschaftlich ins Leben gestürzt", erklärte einst die Französin, die als Kind mit ihrer Mutter während der Zeit der Okkupation auf der Flucht unter Beschuss geriet und sogar den Krebs bekämpfte, den man ihr im Alter von 32 Jahren diagnostizierte. "Ich soll Angst vor dem Tod haben? Der Tod, er macht mir keine Angst mehr", sagte sie 2010 gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

Und so scheint es auch, als sei Jeanne Moreau ohne jene Furcht durchs Leben geschritten. Mit 18 Jahren Ausbildung zur Schauspielerin am Pariser Konservatorium, mit 19 zum ersten Mal auf der Bühne und mit 20 das jüngste Mitglied in der Geschichte der Pariser Comédie Française. Die Karriere der modernen Femme fatale liest sich wie ein Abenteuer. Nach ihrem ersten Film ("Dernier Armour", 1948) schlug sie einen Sieben-Jahres-Vertrag bei "Paramount" aus und spielte am Broadway.

Durchbruch in "Fahrstuhl zum Schafott"
Moreau fand jedoch bald zurück zum Film, wo ihr 1957 in Louis Malles "Ascenseur pour l'échafaud" ("Fahrstuhl zum Schafott") der internationale Durchbruch gelang. Malles setzte die Schauspielerin, deren Distanziertheit, Anmaßung und Erotik den Mythos der "La Moreau" begründeten, 1958 zudem in seiner Gesellschaftssatire "Les amants" ("Die Liebenden") ein, die Stürme der Entrüstung auslöste. François Truffaut, der sie für seinen Klassiker "Jules et Jim" (1962) engagierte, sagte über Moreau, sie habe alle Attribute einer Frau und auch alle Vorzüge eines Mannes, ohne seine Fehler zu haben.

Zusammenarbeiten mit weiteren großen Regisseuren folgten, etwa Rollen in Michelangelo Antonionis Meisterwerk "La notte", Orson Welles' Filmversion von Kafkas "Der Prozess" und Joseph Loseys Studie sexueller Hörigkeit "Eva". Zum Skandal geriet 1965 ihr Striptease mit Brigitte Bardot in der Revolutionskomödie "Viva Maria!". Selbst 25 Jahre später glänzte die Grande Dame des französischen Kinos noch in Wim Wenders' "Bis ans Ende der Welt". "Ich hatte immer Hunger darauf, mich mit leidenschaftlichen und kreativen Menschen zu umgeben", sagte Jeanne Moreau im SZ.de-Interview. "Menschen, die mich weiterbringen. Ohne diese geliebten Menschen wäre ich nicht, was ich bin, sie haben mich gemacht, diese Menschen, ich habe sie gesucht, damit sie mich zu dem machen, was ich nun geworden bin."

Vielfach preisgekrönt
Eine Ikone ist sie geworden. Und eine der größten Schauspielerinnen, die Frankreich je hatte. Unzählige Preise unterstreichen dies: Filmpreise in Cannes (1960 und 1964), der Prix Orange (1972), der Molière-Theaterpreis (19988) oder der César (1992). Besondere Auszeichnungen für ihr Gesamtwerk folgten später: Goldener Löwe-Ehrenpreis (1992), Europäischer Filmpreis (1997), Goldener Bär der Berlinale (2000), Goldene Palme (2004). Im Februar 2008 gab es zu guter Letzt den Ehren-César für Moreau, die als erste Frau in die Pariser Akademie der Schönen Künste gewählt wurde und sich auf Festivals in vielen Ländern noch selbst für junge Regisseure und Schauspieler engagiert hatte.

"Es geht im Leben nicht um den Tod oder das Leiden. Sondern alleine um die Moral. Nur um die eigene natürlich! Am Ende geht es nicht um Trauer oder Glück. Sondern um richtig oder falsch. Am Ende stehen wir alleine da vor unserem Gewissen. Auf der Leiter, die Jakob in der Bibel im Traum sieht, bin ich deshalb immer nur nach oben gegangen: Es gab Niederlagen, einige sogar. Aber ich habe - in guten wie in schlechten Zeiten - immer meiner eigenen Moral standgehalten. Das Leid vergeht. Das Gewissen? Bleibt." (SZ.de)