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Gregor Schneiders Schau wird nicht während der documenta 13 in Kassel gezeigt.
Abgesagt
Evangelische Kirche will keine Schneider-Schau
Die evangelische Kirche verzichtet nach Protest der documenta-Macher auf eine geplante Schau des Künstlers Gregor Schneider in Kassel. Der Künstler wollte während der documenta eine Installation an der Karlskirche aus Resten eines Festes in Kalkutta ausstellen - unter anderem auch auf dem Kirchenvorplatz. Die documenta habe jedoch signalisiert, dass sie ein Kunstwerk auf einem öffentlichen Platz nicht wünsche.
"Das Verhalten der documenta ist einfach nur beschämend und macht mich sprachlos", sagte Schneider. Gegenüber Kulturzeit erklärte er: "Dass die documenta Kunst zensiert, beziehungsweise zensieren will, was in Kirchen beziehungsweise in eigenständigen Institution geplant wird, ist ein Skandal." Die documenta-Macher wollten das Thema nicht kommentieren. Die Schau in Kassel beginnt am 9. Juni 2012.

Erst vor Kurzem hatte documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld die katholische Kirche kritisiert, weil auf dem Turm der Sankt-Elisabeth-Kirche in Kassel eine menschliche Figur des Bildhauers Stephan Balkenhol installiert wurde. "Es stört erheblich. Die künstlerische Leiterin fühlt sich von dieser Figur bedroht, die mit der documenta (13) nichts zu tun hat", sagte er. Er fordere Respekt für die Weltkunstausstellung, könne aber nicht vorschreiben, dass die Figur entfernt werde. Bereits im Vorfeld habe er beide Kirchen aufgefordert, auf zeitgenössische Kunst zu verzichten. "Das muss Anlass sein", so Gregor Schneider, "grundsätzlich die Struktur und Autorität eines documenta-Kurators zu hinterfragen und an dessen eigenen Ansprüchen zu messen."

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© ZDFVideoDas Kulturzeit-Gespräch mit dem Galeristen Christian Löhrl (24.05.2012)
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