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"Ideengeschichtlich bedeutender Ort" als Schauplatz der Nürnberger Prozesse: der Schwurgerichtssaal 600 des Landgerichts Nürnberg.
Ort der Weltjustiz
Nürnberg bewirbt sich als Welterbe-Stätte
Im Schwurgerichtssaal 600 des Nürnberger Landgerichts verurteilte die Welt einst Hitlers Schergen. Jetzt bewirbt sich Nürnberg mit dem Gerichtssaal und einem geplanten Museum bei der Unesco um den Weltkulturerbetitel.
Der Architekt Daniel Ulrich ist zuversichtlich. "Was keine andere Stadt hat, ist ein ideengeschichtlich derart bedeutender Ort wie der Saal 600", sagt er. "Ein Ort, an dem Weltjustizgeschichte gemacht wurde. Wir glauben, dass dieser Ort an sich wegen dem, was hier passiert ist, eine Welterbe-Qualität haben kann."

Seit 1998 bewirbt sich Nürnberg immer wieder um den Welterbetitel - mit ihrer Altstadt, der Burg, den Kirchen. Doch es gibt auch eine andere Vergangenheit, die die Stadt nicht loslässt. Von 1933 bis 1938 inszenierten sich die Nazis auf den Reichsparteitagen als Herrscher der Welt. Hier stellten sie mit den Nürnberger Rassegesetzen die Weichen für Auschwitz - ein Widerspruch, mit dem die Stadt leben muss.

"Verdiente Rache der Geschichte"
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Die Nürnberger Pozesse fanden von 1945 bis 1949 statt.
"Die Tatsache, dass die Allierten sich entschieden haben, die Prozesse hier auszurichten, hat weder mit den Nürnberger Gesetzen noch mit den Reichsparteitagen zu tun", sagt Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly, "sondern ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass das Gefängnis gut geeignet gewesen ist. Für uns aus heutiger Sicht ist es aber trotzdem ein Bogen, der ideengeschichtlich zusammengehört. Insofern war es auch eine verdiente Rache der Geschichte, dass die Schuldsprüche und die Urteile hier gefällt worden sind."

Bis heute prägen die Altlasten der Nazis weite Teile der Stadt. Zuletzt sorgte die Bewerbung als Welterbestätte für eine bizarre Debatte: Plötzlich geisterte die These durch die Medien, Nürnberg bewerbe sich mit dem Reichsparteitagsgelände um den Titel Weltkulturerbe. Der Architekt Albert Speer, Sohn des ehemaligen NS-Baumeisters, bezeichnete die Pläne als "abstrus". War also alles bloß eine Falschmeldung? Der Bürgermeister müht sich um Klarheit: "Es gibt kein einziges Papier, in dem stünde, dass wir uns mit dem Reichsparteitagsgelände bewerben würden", so Maly. "Das wäre eher eine Stätte der Unkultur und keine der Weltkultur. Es geht immer um diesen ideengeschichtlich einzigartigen Ort der Nürnberger Prozesse."

In der Verwirrung um das Weltkulturerbe zeigt sich eine der Urängste Nürnbergs: Keiner soll sagen können, Nürnberg wolle sich ein positives Image verschaffen, um von Hitlers und Speers NS-Erbe abzulenken. Ob die Unesco Nürnberg als Ort des Weltgerichts zum Kulturerbe erklären wird, wird sich allerdings erst im Jahr 2017 zeigen. Denn nicht nur die Mühlen der Justiz mahlen langsam.

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