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Schriftsteller Henning Mankell hat eine Pressekonferenz zu seinem Einsatz für Gaza gegeben. Er war auf einem der Boote von Free Gaza.
Nicht immer nur zusehen
Henning Mankell und Free Gaza
Neun Menschen kamen ums Leben, als das israelische Militär Ende Mai 2010 eine Gaza-Hilfsflotte stürmte. An Bord war auch der schwedische Schriftsteller Henning Mankell.
Henning Mankell kommt in letzter Minute. Er wollte unbedingt in Berlin sprechen. Dennoch wirkt er angespannt. Er will berichten, was er gesehen und gehört hat, was ihm passiert ist. Die Solidaritätsflotte für Gaza hat er unterstützt, weil er helfen wollte, nicht immer nur zusehen und reden. Es war eine Hilfsaktion, die tödlich endete.

Auf Filmen, die die israelische Armee zeigt, ist zu sehen, wie Friedensaktivisten mit Metallstangen auf Soldaten einschlagen. Mankell dagegen ist voller Zorn auf die israelische Armee: "Die Frage ist", so Mankell, "waren es die Passagiere auf dem Schiff, die versucht haben, zu dem Helikopter hochzuklettern oder waren es die Soldaten, die in einem internationalen Gewässer herunter kamen? Die Antwort ist klar, wer hier wen attackiert hat."

Israel-Bild beschädigt
Auch der israelische Schriftsteller Assaf Gavron ist schockiert. Er lebt in Berlin und hat hier davon erfahren. Die Hilfsflotte sei auch eine Provokation gewesen, aber Israel hätte das einfach ignorieren können. Ihn beunruhigt die Situation. Er ärgert sich, dass Israelis nun als gewalttätig da stehen. "Das erste was ich gefühlt habe, als ich von der Aktion hörte, war Scham", so Gavron. "Ein Israeli zu sein, heißt auch, dass man mit diesem Ereignis verbunden wird." Der israelische Filmregisseur Eylan Sivan besucht ein Filmfestival in Berlin. Es geht um Propaganda in den Medien, ein Thema, das ihm vertraut ist. Wenn er zuhause die Zeitung aufschlägt, sieht er eine ausgefeilte Maschinerie am Werk, die Israel immer als das Opfer darstelle.

"Was war das Furchteinflößende an den sechs Schiffen, die da nach Gaza gefahren sind, um Essen und Stifte zu bringen?", fragt Sivan sich. "Was war die Bedrohung? Es gab eine Bedrohung, und zwar die des Bildes von Israel. Das ist es, worauf Israel immer wieder wert legt: sein Image." Das Bild, das Israel derzeit von sich abgibt, zeigt Soldaten, die Friedensaktivisten abführen. Wie kann man sich das alles erklären? "Vergiss das Image von Israel", meint Assaf Gavron. Er fragt vielmehr, wie es dazu kommen konnte, dass eine Armee gegen einen Hilfskonvoi eingesetzt wird. Für ihn hat es viel mit Angst zu tun, eine Angst, die sich durch die Vergangenheit, durch den Holocaust erklären lässt - und bis heute anhält. Und gegen diese Angst helfe nur, Stärke zu zeigen, unbesiegbar zu sein.

Hetze im Netz
"Dieses Furcht, ist sehr stark", sagt Assaf Gavron. "Für viele Israelis ist das ein Grundgefühl. Wir haben nur uns selbst. Wir können uns nur auf uns selbst verlassen. Niemand sorgt sich um uns und mehr noch: Jeder hasst uns, und nur wir können uns schützen." Demonstrationen gegen Israel gab es auch in der Türkei. Dass unter den sogenannten Friedensaktivisten, die den Konvoi begleitet haben, auch Israel-Hasser gewesen sind, sagt niemand mehr laut. Im Internet liest man eine unglaubliche Hetze. Eine Demonstration von ultrarechten Siedlern wird als offzielles Israel-Bild verkauft, darunter unglaubliche, antisemitische Kommentare. Es wird heftig polemisiert, dabei sind die Reaktionen in Israel selbst vielschichtiger.

Linke demonstrieren in Tel Aviv. Sie kritisieren den Militäreinsatz und auch die eigene Regierung. "Mit der Zeit zeigt sich, dass diese Regierung sehr extrem ist", so Gavron. "Sie führt uns auf unsicheres Terrain. Allein der Außenminister ist sehr extrem. Wir entfernen uns immer weiter von der Welt, von den Friedensgesprächen, von den Vereinigten Staaten, die immer ein großer Freund waren." Assaf Gavron hat auch die Pressekonferenz in Berlin besucht. Er will hören, was Mankell zu sagen hat, gerade jetzt, wo Israel so heftig kritisiert wird.

"Ich bin kein unkritischer Freund der Hamas", sagt Mankell. "Aber wir müssen reden, wir müssen einen Dialog führen, um diese unerträgliche Situation zu überwinden. Der Hass gegen Israel tut mir leid, aber Israel muss jetzt erst einmal vor seiner eigenen Tür kehren." Henning Mankell hofft, dass sich nach diesem Ereignis endlich etwas ändert. Das Ende der Blockade, vielleicht, ein neuer Dialog, das wäre immerhin ein Anfang.

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VideoHenning Mankell zu den Geschehnissen rund um Free Gaza
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