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Am Kreuzstadl in Rechnitz erinnert ein Gedenkstein an das Massaker von 1945.
Der Vergangenheit stellen
Rechnitz damals und heute
In der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 wurden im burgenländischen Rechnitz in Österreich mindestens 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter ermordet und verscharrt. Das Massaker fand im Rahmen eines nationalsozialistischen Festes auf dem Rechnitzer Schloss statt und ist, wie kein anderes in Österreich, öffentlich präsent. Denn bis heute ist unklar, wer die Täter und wer die Opfer waren.
"Es hat sich niemand etwas zu sagen getraut", sagt der Rechnitzer Chronist Josef Hotwagner. "Aber im Geheimen haben sie darüber herumgedeutelt." Rechnitz liegt im Südburgenland direkt an der ungarischen Grenze. Mit dem bis heute nicht restlos aufgeklärten Massaker beim Kreuzstadl wurde der heute 3200 Bewohner zählende Ort zum Synonym für die am Ende des Zweiten Weltkrieges stattgefundenen Endphasenverbrechen und für die zum Teil bis heute unaufgearbeitete Vergangenheit eines ganzen Landes", so Tobias Tangl, Zivildienstleistender in Rechnitz. "Man fragt immer wieder nach, aber man hört immer die selben Geschichten, nur auf eine andere Art und Weise."

Massaker beim Gefolgsschaftsfest
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Rechnitz heute
Im März 1945 soll im Südburgenland der sogenannte Südostwallbau das Vorrücken der Russen verhindern. Unter menschenunwürdigen Bedingungen müssen Zwangsarbeiter den Bau unterstützen. Wer keine Kraft mehr hat, wird ausgesondert und ermordet, wie die etwa 200 arbeitsunfähigen ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter, die am 24. März 1945 am Bahnhof von Rechnitz ankommen. Zur selben Zeit findet im Schloss der Familie Batthyány ein Gefolgschaftsfest statt, bei dem vielleicht auch die Gräfin Margit Batthyány, geborene Thyssen-Bornemisza, anwesend ist. Nach einem Telefonanruf verlassen rund 15 Festgäste bewaffnet das Schloss, um 180 ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter beim Kreuzstadl zu liquidieren.

"Ich habe immer das Jammern gehört und dann, das war so um halb zwei, zwei in der Nacht, dass man es bis da her zu uns gehört hat", erinnert sich eine Zeitzeugin im Dokumentarfilm "Totschweigen". In dem in den 1990er Jahren entstandenen FIlm versuchen Eduard Erne und Margareta Heinrich mit Hilfe von Zeitzeugen neue Fakten über das Massaker und die Lage des nicht mehr auffindbaren Massengrabes zu sammeln - doch ohne Erfolg. "In der Recherche war es so, dass es ganz schwierig war", sagt Eduard Erne. "Es gab viele Leute, die ganz viel erzählt haben. Und da trifft sich der Film auf eine eigenartige Weise mit dem Stück von Elfriede Jelinek. Es gibt eine geschwätzige Art zu schweigen."

"Geschwätziges Verschweigen"
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Jossi Wieler: "Es geht um ein geschwätziges Verschweigen."
"Es geht gerade ums Reden, um ein geschwätziges Verschweigen", sagt der Theater-Regisseur Jossi Wieler. Sprechen und dennoch nichts sagen, diese und andere Mechanismen des Verdrängens legen Elfriede Jelinek und Jossi Wieler, ausgehend von wissenschaftlichen Fakten und Gerüchten, mit den Mitteln der Kunst frei. In Rechnitz selbst wünschen sich heute viele Nachgeborene, das Massengrab möge sich endlich finden und die negativen Assoziationen zum Ort, wie etwa das viel zitierte "geschwätzige Verschweigen", verschwinden.

Der Vereinsvorstand der Flüchtlings- und Gedenkinitiative RE.F.U.G.I.U.S, Paul Gulda, ist der Ansicht, "dass man die Schuld des Schweigens nicht allein den Leuten im Ort anlasten darf, die wissen oder wissen sollten, wo das Grab liegt. Ich glaube, sie haben das ausgeführt, was die gesellschaftlich führenden Kräfte vorgegeben und gewünscht haben." Politikwissenschafter Walter Manoschek sagt: "Natürlich ist die Bevölkerung von Rechnitz heute nicht mehr dafür verantwortlich, in dem Sinn, dass sie individuelle Verantwortung für das Geschehen oder das Schweigen trägt. Aber es gibt so etwas wie eine kollektive Verantwortung."

Schritte in die richtige Richtung
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Gedenktafel am Kreuzstadl
Heute ist man in Rechnitz bemüht, der Ortsgeschichte ausgewogener Rechnung zu tragen. Gedenktafeln und umgestaltete Mahnmale sollen an die Verbrechen und das geschehene Leid erinnern. Es sind erste Schritte in die richtige Richtung, die nicht zuletzt durch die Bemühungen des Vereins RE.F.U.G.I.U.S in Gang gesetzt wurden. Bei der jährlich stattfindenden Gedenkfeier für die Opfer des Massakers beim Kreuzstadl soll Bewusstsein für vergangenes Unrecht und für heutige Miss-Stände geschaffen werden. "Man sollte auf keinen Fall vergessen, was da passiert ist", so der Zivildienstleistende Tobias Stangl, "wie die Geschichte überhaupt begonnen hat. Die Gefahr besteht, dass sich Geschichte wiederholt." Um dies zu verhindern, bleibt nur die stete Auseinandersetzung und Aufarbeitung der Vergangenheit, die trotz Angst, Schmerz und Widerstand stattfinden muss, um das Unfassbare für die Zukunft unmöglich zu machen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr