Lupe
"Ich habe gesehen, wie unterschiedlich Tiere in den Tod gehen", so Ausili.
Der versteckte Tod
Ein Fotograf zeigt den Alltag im Schlachthof
Tommaso Ausili zeigt, was wir nicht sehen wollen: sterbende Tiere in Schlachthäusern. Seine eindrücklichen Fotos halten uns vor Augen, was wir beim Genuss von Fleisch nur allzu gerne ausblenden.
Tommaso Ausili isst gerne Fleisch - wie die meisten von uns. Es bedeutet Genuss, es ist Teil unserer Kultur. Ob als schneller Happen zwischendurch oder als Festmahl - Fleisch gehört dazu - das Sterben nicht. "Hidden Death", nennt er seine Fotoserie: "Der verborgene Tod" ist versteckt in Räumen, die wir nicht betreten dürfen und nicht betreten wollen." In einem kleinen Schlachthof in Umbrien hat Tommaso Ausili seine Fotos gemacht. "Von außen wirkte dieser Ort unglaublich ruhig", berichtet er. "Als ich das erste Mal hier war, konnte ich mir nicht vorstellen, was hinter diesen Mauern geschieht. Dann trat ich über diese Schwelle und war geschockt."

Fleisch gehört dazu - Sterben nicht
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In einem Schlachthof in Umbrien hat Tommaso Ausili seine Fotos gemacht.
Ausili zeigt das Kalb, betäubt mit einem Bolzenschuss, bevor die Kehle aufgeschnitten wird, das Schwein, durch einen Korridor getrieben bis zu dem Käfig, neben dem ein Mann mit einer elektrischen Zange steht. Der Tierarzt des Schlachthofes riet dem Fotografen, die Tiere nicht mit Menschen zu verwechseln. Natürlich nähmen sie wahr, dass etwas geschieht, so der Veterinär. Bei einem Menschen entstünden daraus Gefühle - bei einem Tier nicht. "Je länger ich Fotos machte, desto mehr zweifelte ich an seinen Worten", erzählt Ausili. "Ich habe gesehen, wie unterschiedlich die Tiere in den Tod gehen. Manche schienen zu weinen, andere kämpften, wollten fliehen, wieder andere wirkten geradezu stoisch. All das kommt mir sehr menschlich vor.“

Tiere erleben Leid. Was aber genau in einem Tier vorgeht, das getötet wird, kann niemand sagen. Wo ziehen wir die Grenze zwischen uns und diesen Tieren? Unwillkürlich versetzen wir uns in die Lämmer, Schweine oder Kälber hinein. Wir wissen nicht, ob der Anblick ihrer toten Artgenossen irgendeine Bedeutung für sie hat. Dürfen wir Tiere töten? Vegetarier wollten Ausilis Fotos für Kampagnen verwenden. Er hat nach einigem Überlegen abgelehnt. Seine Fotos sollen die Leute nicht vom Fleischessen abhalten: "Aber dieser Fleischgenuss muss verantwortungsbewusst sein", sagt Ausili. "Wir sollten nur das essen, was wir wirklich brauchen. Die Fleischindustrie produziert viel zu viel. Und sie redet uns ein, dass wir immer mehr konsumieren müssen. Aus diesem Mechanismus müssen wir ausbrechen.“ Die Wahrheit ist einfach: Jedes Stück Fleisch, das wir essen, war einmal ein Lebewesen, das für uns getötet wurde.

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Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr