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Armenier verbrennen türkische Flagge.
Osmanische Schuld
Die Türkei, Armenien und Europa
Im Streit um das Massaker der Türken an den Armeniern 1915 , hat die Türkei zwar eingeräumt, dass 1915 im Osmanischen Reich viele Armenier umgebracht wurden. Die USA und Schweden haben den Tod der Armenier nun als Völkermord eingestuft. Die Türkei bestreitet dies bis heute.
1915, während des Ersten Weltkriegs im Vorfeld der Gründung der türkischen Republik, wurden etwa 1,5 Millionen Armenier aus ihrer Heimat vertrieben und umgebracht. Der erwachende türkische Nationalismus gegen Ende des osmanischen Reiches wollte die Armenier loswerden - egal wie. Seitdem lastet der Vorwurf des Genozids auf der Türkei.

Nationalismus auf beiden Seiten
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Premier Recep Tayyip Erdogan
Die Türkei streitet bis heute ab, dass es sich um Völkermord handelt. Viele Historiker sehen das anders - auch das US-Repräsentantenhaus. Es bewertet die Verfolgung der Armenier als Genozid. "Solange die Türkei ihre Verantwortung für den Völkermord nicht übernimmt, wird es keine guten Beziehungen zwischen uns und der Türkei geben", sagt der Abgeordnete Brad Sherman. Die Türkei fühlt sich zu Unrecht angegriffen, hätten doch damals die christlichen Armenier an der Seite des Kriegsgegners Russland gestanden. Auch seitens der Armenier gab es damals einen ausgeprägten Nationalismus: Man wollte die Loslösung großer türkischer Gebiete.

Jetzt hat Premier Erdogan gedroht, 100.000 Armenier auszuweisen, die nicht türkische Staatsbürger seien. Damit erntet Erdogan heftige Kritik und Widerspruch - auch im eigenen Land. Vor allem junge Türken wollen den nationalistischen Reflexen ihrer politischen Klasse nicht mehr folgen. Das war vor 2007 noch anders. Da wurden Kritiker der Armenierfrage schnell zu Regimegegnern erkärt, wie der armenische Journalist Hrant Dink, der auf offener Straße erschossen wurde. Der Mord an ihm ist bis heute nicht aufgeklärt.

Diplomatische Beziehungen belastet
Die Armenierfrage belastet die Beziehungen der Türkei zur europäischen Union. Seit 1959 bemüht sich das Land um eine Mitgliedschaft. Nachdem aber auch das schwedische Parlament im März 2010 die Tötung der Armenier als Völkermord eingestuft hat, ruft der türkische Regierungschef Erdogan seinen Botschafter zurück und sagt einen geplanten Schweden-Besuch ab. Ausgerechnet in dem Land, das eines der Befürworter der Türkei in der EU ist. Fakt ist: Die Türkei muss sich ihrer Verantwortung stellen, anstatt sich immer wieder im Abwehrkampf um längst anerkannte Tatsachen zu verausgaben.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Gespräch
VideoDas Kulturzeit-Gespräch mit dem Historiker Götz Aly (24.03.2010)