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Kinder spielen in einem Zentrum der Kindernothilfe in Port-au-Prince in Haiti.
Adoption in Haiti
Zwischen Kinderliebe und Menschenhandel
Im Januar 2010 sind in Port au Prince 80 Waisenkinder auf dem Weg zum Flughafen, in eine neue Heimat: Die USA. Sie lassen Elend und Not zurück, aber auch ihre Heimat, ihre Kultur, viele ihrer Freunde und manche ihre leiblichen Eltern.
Sue ist 38 und ledig. Bei ihr, in Winter Garden, Florida, sollen zwei der Waisen eine neue Heimat finden. Die Betten sind gemacht. Seit über zwei Jahren träumt Sue von diesem Tag. "Wir haben gerade erfahren, dass sie startklar sind und das Flugzeug besteigen", sagt sie. Die Kinder werden mit einer Militärmaschine ausgeflogen. Dass nach zweijähriger Wartezeit jetzt alles so schnell geht, liegt an einem Sondererlass der amerikanischen Regierung. Wegen der Katastrophe in Haiti dürfen die Kinder bei ihren zukünftigen Adoptiveltern auf die letzten, fehlenden Formulare warten.

Ein lukrativer Markt
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Obdachlose Kinder können Opfer von Menschenhändlern zu werden.
Doch zunächst werden die Kinder in den USA von den Einwanderungsbehörden zurückgehalten und verpflegt. Neue Berichte über Kinderschmuggel haben die US-Behörden alarmiert. Und auch das Waisenhaus, aus dem diese Kinder kommen, steht unter Verdacht. Das Heim in Port au Prince heißt "Die Kinder Gottes", es ist teilweise zerstört. Viele der Kinder schlafen jetzt in Zelten. Der Manager heißt Pierre Alexis. Von Kinderschmuggel will er nichts wissen: "Wir haben noch 58 Kinder und wir haben auch einige neue bekommen", sagt er. "Wenn wir ihnen eine bessere Zukunft besorgen können, warum nicht? Lass sie gehen. Wir haben hier doch nichts mehr." Pierre macht keinen Hehl daraus, dass die meisten Adoptiveltern sich kleine, süße Babys wünschen. Ältere Waisen mit Gesundheitsproblemen werden meist ignoriert. Genau darum aber, warnen Experten, entsteht ein lukrativer Markt. Baby-Waisen werden "produziert".

Auch ein französische Notarzt hat eine klare Meinung, warum viele Haitianer ein Waisenhaus betreiben. "Um Geld zu verdienen", sagt er. "Weil man den Preis eines Kindes mit den Interessenten in Europa verhandeln kann. Sie sind bereit, viel Geld zu bezahlen, um die langen, bürokratischen Wege hier in Haiti abzukürzen." Doch gibt es diese korrupte Bürokratie noch? Die Adoptionsbehörde gehörte zum Sozialministerium. Ein Stempel und eine Unterschrift waren dort Hunderte Dollar wert, heißt es - ein Vermögen im bettelarmen Haiti.

Biografien werden neu geschrieben
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Kinder im Zentrum der Kindernothilfe
Offiziell darf inzwischen nur noch der haititianische Premierminister Adoptionen genehmigen. Doch der Hausmeister hat andere Anweisungen vom Sozialminister bekommen. Nur der dürfe Adoptionen unterschreiben. Nach dem Erdbeben sind die Akten Hunderter Adoptions-Waisen vom Winde verweht. Biografien können neu geschrieben werden. Die Adoptionsbehörde selbst ist jetzt ein Klapptisch am Straßenrand. Dort will man vom offiziellen Stopp für neue Adoptionsanträge nichts wissen. "Wenn sie adoptieren wollen, müssen sie diesen Fragebogen ausfüllen, und dann kommen sie zu uns mit dem Dossier", heißt es. Über Preise will man nicht reden.

Das Kinderhilfswerk Unicef hat nachdrücklich davor gewarnt, in Krisen wie dieser Adoptionen zu erlauben. Die Situation sei perfekt für Menschen, die mit Kindern Geld verdienen wollen - durch sexuellen Missbrauch, durch Menschenhandel. Diese Menschschmuggler seien keine Amateure, sondern professionelle Banden, die die Situation ausnutzen. Im riesigen Zeltdorf unterhalb der zerstörten Elendsgebiete werden Kinder für 100 Dollar verkauft. Der achtjährige Wensley wurde von seinem Vater verkauft. Die Fremden nahmen ihn mit ins Auto, gaben ihm Wasser und Plätzchen und ein Spielzeug. Doch als eine Freundin seiner Mutter, die auf den jungen aufpassen sollte, um Hilfe schrie, ließen sie ihn frei.

Ein nationales Anliegen
Lange Schlangen bilden sich vor der US-Botschaft in Port-au-Prince. Washington hat Angst vor einer Massenflucht, die Kontrollen sind scharf. Aber die US-Medien haben die Rettung der Haiti-Waisen zum nationalen Anliegen erklärt. Auf einmal können Amerikaner mit Babys alle Sperren passieren. Inzwischen haben die haitianischen Behörden die Abreise von 27 weiteren Kindern aus einem Waisenhaus gestoppt. Sie und Univef verdächtigen den Waisenhausleiter, mit Kindern zu handeln. Geld und gut gemeinte Hilfsbereitschaft der benachbarten Großmacht: Schaffen sie in Haiti einen Markt für Kinderhändler?

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
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Blog
© AliceSmeetsFotos für Haiti
Die Fotografin Alice Smeets berichtet
19.02.2010 / Udo Lielischkies ("Weltspiegel"/WDR) / yg