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Alice Smeets fotografiert nach der Erdbeben-Katastrophe in Haiti.
Bilder der Menschlichkeit
Die Fotografin Alice Smeets und Haiti
2007, mit 20 Jahren macht die Fotografin Alice Smeets das Bild, das ihr Leben verändert. Auf Haiti nimmt sie ein Mädchen auf, das mit reinweißem Kleidchen im Matsch eines Slums watet. Das Bild wird "Unicef-Foto des Jahres 2008". Jetzt, nach der Erdbebenkatastrophe, ist Smeets nach Haiti zurückgekehrt, um den Menschen zu helfen und Fotos zu machen, die der Welt zeigen, wie groß das Leid, aber auch die Stärke der Menschen dort ist.
Am liebsten geht sie mitten rein und bleibt dann ganz dicht dran. Alice Smeets sucht sich Schauplätze, die die Meute der Sensationsreporter links liegen lässt, so wie einen Slum. Ihr Ziel ist es, mit einfachen eindringlichen Bildern die ganz alltägliche Not zu dokumentieren, “weil ich nicht die gleichen Fotos machen möchte, wie jeder andere", sagt die Fotografin. "Ich finde, das hat keinen Sinn, wenn es das gleiche Fotos 20 Mal gibt."

Ein Foto kann viel verändern
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Haitis Kinder im Sucher
Mit den Menschen reden, die sie fotografiert, ihr Vertrauen gewinnen - das ist Alice Smeets' Philosophie. Die 22-Jährige aus dem deutschsprachigen Teil Belgiens lässt sich von der Not berühren. So hat sie für eine haitianische Familie in der Heimat Spenden gesammelt. "Der Job eines Fotojournalisten ist nicht damit getan, dass er Fotos macht", sagt sie. "Ich glaube, dass ein Foto etwas ändern kann. Aber es ist nicht nur das Foto alleine, da ist auch noch das Engagement dahinter. Wenn ich die Leute fotografiere und dann einfach gehe, fühle ich mich, als würde ich sie ausnutzen. Deswegen konzentriere ich mich auf wenige Menschen, weil ich weiß, dass ich das sonst nicht einhalten kann. Damit ich auch weiß, dass meine Fotos was bewirken."

Zum fünften Mal ist Alice Smeets schon in Haiti, doch diesmal ist alles anders. Das Erdbeben hat das Land verändert. Das zwingt sie, ihre Arbeitsweise umzustellen. Die Katastrophe bestimmt den Alltag der Menschen, die ihr so wichtig sind. Nun muss auch sie die Bilder der Zerstörung schießen. "Für mich ist das sehr emotional, weil ich diese ganzen Gebäude gesehen habe, als sie standen. Es nimmt mich einfach mit, weil Haiti auch ein Teil von mir ist - nicht nur ein tolles Fotomotiv."

Smeets liebt das Land Haiti
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Alice Smeets hat Landa gefunden.
"Ich habe mich in das Land und seine Bevölkerung verliebt", sagt Alice Smeets. 2007 kam sie zum ersten Mal. Die Stärke der Menschen, ihr Stolz und ihr Überlebenswille faszinieren sie. So vieles liegt nun in Trümmern. "Das Land ist sowieso schon so arm", erklärt sie. "Und jetzt ist es fast hoffnungslos. Das Niveau war schon schlecht. Ganz wenige Kinder konnten die Schule besuchen. Jetzt sind die Schulen zerstört, viele Lehrer gestorben. Ich frage mich, wie es weitergehen soll." Die Frage beschäftigt sie, wenn sie am Tagesende zurückkommt in den Pressecontainer, in dem sie auch schläft. Hier schreibt sie ihre Blogs fürs Internet und sichtet die Fotos des Tages - Bilder von großer Nähe und Menschlichkeit.

“Ich möchte immer ganz nah rangehen an die Sachen", sagt Alice Smeets. "Und wenn die Menschen in dem Moment leiden, dann möchte ich das auch zeigen. Ich möchte aber auch schöne Momente zeigen. Ich suche immer wieder nach kleinen Glücksmomenten, die immer noch passieren in dem ganzen Chaos und Leid." Ihr berühmtestes Foto gewann den Unicef-Preis 2008. Es zeigt Landa, das Mädchen aus Cité Soleil, Haitis schlimmstem Slum, und hat die Preisträgerin Alice Smeets auf der ganzen Welt bekannt gemacht. Das Erdbeben hat Landa unverletzt überstanden. Alice will sie besuchen. Sie findet sie im Freien. Aus Angst vor Nachbeben hat sie mit Vater und Bruder nicht im Haus geschlafen. Der Rest der Familie ist gerade zu Verwandten aufs Land geflüchtet.

Für ein besseres Leben gesorgt
© dpa Lupe
Die Fotografin mit dem "Unicef-Foto-des-Jahres 2008"
Landa freut sich sehr, Alice zu sehen. An die Situation mit dem Foto kann sie sich gut erinnern. "Ich kam gerade von der Schule zurück und habe bemerkt, wie Alice mich beobachtet hat. Da bin ich hinter ihr her gegangen, sagt das Mädchen. Das Foto hat Landas Leben verändert. Dank vieler Spenden, die Alice gesammelt hat, ist sie umgezogen - aus ihrer rostigen Wellblechhütte in ein richtiges Haus.

Aber auch Alices Leben ist nicht mehr dasselbe, seit sie den Unicef-Preis gewann. "Vorher haben sich sehr wenige Leute für meine Fotos interessiert", sagt sie. "Es hat mich motiviert weiterzumachen mit dem Thema Haiti, das vorher auch nicht auf großes Interesse gestoßen ist. Ich habe auf einmal Anfragen bekommen, habe in Museen ausgestellt, für Hilfsorganisationen und für Zeitschriften wie 'Geo' gearbeitet. Es hat mich einen Schritt weitergebracht in meiner Fotografie. Und es weil mein Leben verändert hat, bin ich zurückgekommen, um Landa zu finden und auch ihr Leben zu verändern." Als sie sich verabschieden, wird Landa ganz traurig. Alice verspricht, schon im Februar wiederzukommen. Bis dahin will sie wieder Spenden sammeln und neue Hilfe bringen.

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
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Alice Smeets aus Haiti
Mediathek
Das Gespräch mit Alice Smeets (29.01.2010)