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Víctor Jara
Abschied von Víctor Jara
Sänger 36 Jahre nach seinem Tod beigesetzt
Mehr als 36 Jahre nach seiner Ermordung durch das Pinochet-Regime ist der chilenische Sänger Víctor Jara unter großer Anteilnahme der Bevölkerung feierlich beerdigt worden. Der kommunistische Künstler war bei dem Putsch von Augusto Pinochet im September 1973 verschleppt, gefoltert, erschossen und dann heimlich verscharrt worden.
Im Juni 2009 war sein Leichnam exhumiert worden, um die genauen Umstände seines Todes zu untersuchen. Am 3. Dezember 2009 war der Leichnam dann im geschlossenen Sarg in der Jara-Stiftung aufgebahrt worden.

Jara ist nach Salvador Allende das wohl bekannteste Opfer der Pinochet-Diktatur. Bei der Totenwache erwiesen dem 1932 geborenen Künstler zahlreiche Weggefährten und Bewunderer, darunter auch die Präsidentin Michelle Bachelet, die letzte Ehre. Bei einem stundenlangen Trauerzug am 5. Dezember 2009 durch die Hauptstadt Santiago bis zum Friedhof wurde der blumengeschmückte Sarg von tausenden Menschen begleitet. Bei den Klängen seiner bekanntesten Lieder brachen viele Menschen in Tränen aus.

Unsterbliche Lieder
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Tausende Menschen schlossen sich dem Trauerzug für Jara an.
Jaras Lieder wie "Te recuerdo Amanda", "Plegaria del Labrador" oder "El cigarrito" wurden unsterblich, auch durch die Interpretationen des kubanischen Sängers Silvio Rodríguez, der Argentinierin Mercedes Sosa oder ihrer spanischen Kollegen Joan Manuel Serrat und Ana Belén. Jaras Witwe, die Britin Joan Jara, sagte bei einer Gedenkfeier: "Chile hat mir das Schönste im Leben gegeben und genommen."

"Er lebt immer noch unter uns, und ich fühle, dass diese Ehrung notwendig war, auch 36 Jahre später", sagte die Vorsitzende der Vereinigung der Angehörigen von verschleppten Verschwundenen des Pinochet-Regimes, Viviana Díaz, stellvertretend für viele. Auch Bachelet, die selbst unter Pinochet im Gefängnis gesessen hat, äußerte sich sehr bewegt. "Unser Land hat 36 Jahre gebraucht, um diesen Víctor Jara, der zu uns gehört, Chile und seiner Familie zurückzugeben. Dies ist die beste Ehre, die wir ihm erweisen können."

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
11.12.2009 / Kulturzeit mit Material von dpa / yg/se