© dpa Lupe
Studenten besetzten die Frankfurter Uni. Die Polizei räumte das Casino.
Das große Ganze im Blick
Die Studentenproteste gehen weiter
Die Räumung und Vertreibung von 173 Studierenden vom Campus der Goethe-Universität Frankfurt am 2. Dezember 2009 ist noch immer Thema unter den Studenten. Die Zerstörungen und Schäden im Casino-Gebäude und seine Schließung werden heftig diskutiert. Schon einmal haben Frankfurter Studenten mit ihren Protesten das ganze Land bewegt. 1968 und die Folgen haben das "Gesicht" der Republik verändert, unsere Gesellschaft total umgekrempelt. Und heute? Erleben wir gerade etwas Vergleichbares? Ist 2009 ein neues 1968?
Den Studierenden heute wird vorgeworfen, dass sie 'nur' für ihre eigenen pragmatisch-kurzfristigen Ziele streiken, für die Verbesserung ihrer konkreten Studiensituation. Damals sei es immerhin um eine gesellschaftliche Utopie gegangen. Doch auch die Studenten heute haben - wie die von damals - das große Ganze im Blick. Momentan steht die Auseinandersetzung mit der Uni-Leitung im Vordergrund. Studentische Inhalte haben es da schwer. Olaf Kaltenborn von der Pressestelle der Universität beziffert die Sachbeschädigung auf 214.000 Euro, ein Glück, dass die Heck-Gemälde hinter Glas geschützt waren. Bis Januar oder Februar 2010 wird das Gebäude wohl geschlossen bleiben. Auf 60.000 Euro Umsatzausfall kommt die jetzt geschlossene Mensa.

Offensichtlich ist, dass die Verwüstungen und Schmierereien, letztlich also Sachbeschädigung, der Debatte um Studienbedingungen und -inhalte in keiner Weise weiterhelfen. Im Gegenteil: Die Streikenden der Frankfurter Uni müssen sich rechtfertigen, warum und zu welchem Ende sie demonstrieren. Dabei geht es in Frankfurt um Fragen, die uns alle angehen. Wie also wollen wir in Zukunft leben? Die Studenten möchten nicht, dass ihre Universität zum Produktionsort wird für das, was momentan profitabel erscheint. Wie also wollen wir auf die Herausforderungen reagieren?

Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags,
um 19.20 Uhr
Schwerpunkt
© apZwischen Elite-Unis und Hochschulchaos
Kulturzeit-Schwerpunkt über die Zustände an Universitäten
Gespräch
VideoDas Gespräch mit dem Soziologen Klaus Hurrelmann (07.12.2009)
nano
"Dagegen!" - Schüler und Studenten im Streik Studenten brauchen oft Hilfe von Psychologen