Das Modell für den Leuchtturm steht noch in Florenz
Leuchtturm der Hoffnung
Künstler setzt sich für Flüchtlinge ein
Die Flüchtlingsdramen vor der süditalienischen Küste reißen nicht ab: Am 28. April 2009 erreichten 120 afrikanische Flüchtlinge die Insel Lampedusa, nachdem Malta die Aufnahme der Flüchtlinge verweigert hatte. Das Boot sei näher an der italienischen Küste aufgegriffen worden. Das Leid der Flüchtlinge wird bei diesen Streitigkeiten außer Acht gelassen. Der Künstler Thomas Kilpper will nun für die "Boat People" einen Leuchtturm auf Lampedusa bauen - als Zeichen der Hoffnung.


Wie viel Hoffnung fuhr auf den Booten mit?
Antonino Maggiore vor einem gestrandeten Flüchtlingsboot
Antonino Maggiore, der Radiomoderator der Insel, unterstützt den Künstler, zeigt ihm auf der Müllkippe die Boote der Flüchtlinge. "Auf solch einem Boot sitzen 200 bis 300 Menschen, eng aneinander gepfercht", sagt der Menschenrechtsaktivist. "Darunter auch Frauen und sogar Kinder. Die Schiffe sind völlig überfüllt. Auch heute ist wieder eines gekommen. Wieder einmal war auch ein Toter mit an Bord." Wie viel Hoffnung fuhr auf den Booten mit, wie viel Angst? Kilpper überlegt, seinen Leuchtturm aus dem Holz der Schiffe zu bauen. "Es ist auch ein Versuch, mich dem anzunähern, auch der ganzen Dramatik, die da drin steckt", so der Künstler. "Wenn ich mir vorstelle, hier haben die Wellen dagegen geschlagen, das Boot sechs Meter in die Höhe getrieben und dann wieder herunter.“ Als seien die Menschen gerade erst von Bord gegangen.


Ein Leuchtturm als Signal für die Flüchtlinge
Unten im Garten symbolisiert ein Drahtgeflecht das spätere Kulturzentrum, das zum Leuchtturm mit dazu gehören soll. Die Farben stammen von den afrikanischen Booten. Durch die Ausstellung in Florenz hofft der Künstler, Unterstützer und Geldgeber für sein Projekt zu finden. Am liebsten würde er zusammen mit den Flüchtlingen den Leuchtturm bauen.


Lampedusa wehrt sich gegen die Pläne der Regierung
Thomas Kilpper (l.) mit Bürgermeister de Rubeis
Wir haben einen Termin beim Bürgermeister. Der hat zuletzt Italiens Innenminister Faschismus vorgeworfen und dass er vorhabe, die Insel zu einer Art Guantanamo zu machen. Nun fährt er Thomas Kilpper zum ehemaligen Leuchtturm der Insel. Vielleicht ein Ort, wo der neue entstehen könnte. "Früher waren die Menschen, die es bis nach Italien schafften, frei", erklärt Bernardino de Rubeis, Bürgermeister von Lampedusa. "Sie konnten weiter nach Europa, in die Welt hinaus. Es gab noch die Idee von Freiheit. Doch die ist längst nicht mehr sicher. Wer jetzt kommt, der wird sofort eingesperrt."


Das Meer ist für viele die einzige Rettung
Dagnew aus Eritrea
Der Bürgermeister will den Leuchtturm. Doch gebaut wird derzeit anderes - auf einer verlassenen Militärbasis der US-Amerikaner. Thomas Kilpper hat einen Tipp bekommen. Hier plane der Innenminister aller Proteste zum Trotz das neue Abschiebelager mit Platz für bis zu 12.000 Menschen. Offizielle Aussagen gibt es dazu bisher nicht. Nur, dass künftig von Lampedusa direkt abgeschoben werden soll. Doch das Meer ist für viele die einzige Rettung. So auch für Dagnew aus Eritrea. "Als ich mit der Schule fertig war, hat mich der Staat sofort eingezogen", berichtet er. "Acht Jahre musste ich Soldat sein in einem Krieg, den ich nie verstanden habe. So viele Menschen sind gestorben in meinem kleinen Land. Ich aber wollte Frieden, wollte leben und bin deshalb geflüchtet."


Sendedaten
Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr
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