Der Westen muss das aushalten
Mahmoud Ahmadinedschad genießt den Eklat in Genf
Irans Präsident Mahmut Ahmadinedschad in Genf  © dpa
Nach seiner Rede auf der Antirassismus-Konferenz der Uno genießt der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad den Triumph unter seinen Anhängern auf dem Abschlussbankett der iranischen Delegation in Genf, am Abend des 20. April 2009. In Anwesenheit vieler iranischer Diplomaten und im Ausland lebender Iraner heizt der Präsident weiter die Atomdebatte an und hetzt gegen Israel.
Mahmoud Ahmadinedschad sagt: "Ein Reporter sagte mir einmal: 'Wenn Ihr die Finger nicht von der Atomforschung lasst, dann wird der Staat, den wir nicht akzeptieren, den Iran bombardieren.' Ich entgegnete: 'Echt? Das ist ja gar nichts. Der Staat, all sein Gefolge und seine Verbündeten sollen einpacken. Sie können gar nichts gegen uns ausrichten.'"
Tumultartige Szenen bei der UN-Konferenz
Ein ganz anderes Bild bietet sich am Nachmittag des 20. April. "Rassist", "Nieder mit Ahmadinedschad" steht auf den Plakaten aufgebrachter Konferenzmitglieder. Als der Präsident die Bühne der Vereinten Nationen betritt, kommt es gar zum Eklat. "Diese Konferenz ist ein Zirkus. Das ist eine Maskerade", ruft jemand. Tumultartige Szenen spielen sich ab. Sicherheitsleute verhindern die Stürmung der Bühne.
Das hält den Präsidenten jedoch nicht davon ab, den Uno-Gipfel für seine Hetzparolen zu nutzen: "Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Staat Israel unter dem Vorwand jüdischen Leidens und unter Missbrauch des Holocaust gegründet", so Ahmadinedschad "Die Regierung dieses Staates beherrscht nun die besetzten palästinensischen Gebiete."
Der Präsident wird vielfach unterbrochen, Störenfriede werden von den Sicherheitskräften abgeführt. Schließlich verlassen viele westliche Delegierte empört den Saal. Lior Herrman vom World Jewish Congress sagt: "Wir sind sehr sauer und wütend über diese Rede. Das ist eine Provokation für uns. Es ist sehr traurig. Am Beginn einer Konferenz müsste man etwas Gutes tun, um die Menschenrechte zu fördern. Und nicht jemanden hören, der wiederholt Menschenrechte missbraucht, gegen die Rechte der Frauen und Kinder gewettert hat und das religiöse Leben anderer und den Holocaust leugnet."
Arabische Teilnehmer sehen keinen Skandal
Gar nicht skandalös ist dies für die arabischen Teilnehmer, die den iranischen Präsidenten als Heilsbringer feiern. Die USA und Israel waren aus Furcht vor genau diesen Vorfällen der Rassismus-Konferenz ferngeblieben. Auch die Bundesregierung boykottierte gar erstmals in der Geschichte eine Tagung der Vereinten Nationen. Ist das der richtige Weg für einen Dialog?
Die Schweiz wiederum als Gastgeber und Vermittler zwischen Iran und den USA steht in der Kritik. Schon im Vorfeld der Konferenz gab es Krach. Der ursprüngliche Entwurf enthielt für Israel und den Westen unannehmbare einseitige Schuldzuweisungen. Zwar sollen im Vorfeld alle strittigen Punkte wie etwa der Nahostkonflikt und Passagen über die Diffamierung von Religionen gestrichen worden sein. Doch die Gegensätze bleiben. Als wir den Vertreter der Organisation Islamischer Staaten fragen, drückt er die Kamera weg.
Ekmeleddin Ihsanoglu, Generalsekretär der Organisation Islamischer Konferenz, sagt: "Wir verurteilen Rassismus, wir verurteilen Antisemitismus und wir verurteilen Islamfeindlichkeit. Wir wollen eine Welt frei von Ausländerfeindlichkeit und Apartheid, frei von Antisemitismus." Wir fragen: "Sie verurteilen Antisemitismus aber der iranische Präsident leugnet den Holocaust. Wie geht das zusammen? Das ist doch ein Problem?" Ekmeleddin Ihsanoglu fragt zurück: "Ein Problem für wen?"
Hinter den Kulissen wird heftig gerungen
Hinter den Kulissen wird inzwischen weiterhin heftig um die Abschlusserklärung gerungen. Nach dem quasi-Scheitern der ersten Konferenz in Durban hängt viel davon ab, wie das Ergebnis dieses Mal ausfällt. Der Publizist Jean Ziegler meint: "Die Uno, auch wenn der Generalsekretär hier eine absolut passive Rolle gespielt hat, was ich sehr schade finde - die Uno hat den welthistorischen Auftrag, den Rassismus, den Antisemitismus die Islamophopie etcetera mit ganz konkreten Maßnahmen zu bekämpfen. Es geht auch um die Glaubwürdigkeit der Uno. Ich kann nur hoffen, dass diese komplizierte multilaterale Diplomatie bis Freitag diesen Aktionsplan reproduziert. "
Präsident Ahmadinejad interessiert das wenig. Er beklagt: Wenn der Iran die Erniedrigungen des Westens aushalten müsse, so müsse der Westen auch die Hetztiraden aus Teheran ertragen. Sagte es und kündigte an, sich auf viele weitere internationale Konferenzen zu freuen.

Kulturzeit: montags bis freitags, um 19.20 Uhr

Boykott in Genf - Viele UN-Mitgliedstaaten bleiben der Antirassismukonferenz aus Protest fern

21.04.2009 / Kamran Safiarian für Kulturzeit / tm
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