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Evangelikale auf dem Vormarsch
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Homosexualität als Sünde - für viele Evangelikale ist die Bibel irrtumslos: eine fundamentalistische Weltanschauung. Im historischen Text finden sie Anleitung, wie man leben sollte - und wie nicht. Der evangelikale Theologe Ulrich Parzany erklärt: "Ich muss von der Ethik her sagen, dass homosexuelle Praxis nicht dem biblischen Gebot entspricht, dass ist ganz offenkundig."
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Fundamentale Antworten im Namen der Bibel
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Der Theologe und Journalist Uwe Birnstein sagt: "Durch diese Trennung zwischen den wahren Christen und den Taufscheinchristen, den lauen Christen, den Kirchenchristen, durch diese Trennung, die ein Herr Parzany mit "ProChrist" weiter vorantreibt, spalten sie die Kirche."
Statt postmoderner Beliebigkeit, fundamentale Antworten im Namen der Bibel - gerade das zieht viele Menschen an. Auch Oliver Schalk. Er war Hooligan und Neonazi, bis er von einem Missionar bekehrt wurde und evangelikale Glaubenssätze übernahm. Er sagt: "Gehet hinaus in alle Welt und verkündet die frohe Botschaft. Jesus ist der Weg, nur Jesus allein ist der Weg, die Wahrheit und das Leben und nur durch Jesus selbst kommst du zu Gott. Ich sehe das für mich nicht als eine Pflichtoffensive oder als einen persönlichen Auftrag. Für mich ist das völlig klar, weil ich um mich herum Leute sehe, die ins Verlorene rennen."
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Das Gegenüber als Missionsobjekt - doch muss das, was man selbst für die absolute Wahrheit hält, auch für Andere gelten?
Evangelikaler Missionseifer, sagen die beiden Autoren, Oda Lambrecht und Christian Baars, birgt Sprengstoff für unsere pluralistische Gesellschaft. In ihrem Buch "Mission Gottesreich" warnen sie vor christlichem Fundamentalismus in Deutschland.
"Wir glauben, dass es in der Gesellschaft sehr problematisch ist, wenn andere Religionen abgelehnt werden", sagt Oda Lambrecht. "Weil wir es gerade in der Zeit, wo Integration ein wichtiges Thema ist, wo man friedlicher miteinander leben will, für sehr problematisch halten, wenn eine Gruppe sagt, dass ihnen Mission wichtiger als sozialer Frieden ist."
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Die Massenmedien gut genutzt
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Offensiv und sendungsbewusst - Evangelikale nutzen die Massenmedien. In Wetzlar produzieren sie mit dem Wochenmagazin "Idea Spektrum" ihre eigenen Schlagzeilen - und das für rund 100.000 Leser. Das Motto der medialen Mission: Gott wird’s schon richten.
Helmut Matthies, Chefredakteur von "Idea Spektrum" und der "Idea Nachrichtenagentur", sagt: "Stellen Sie sich einmal vor, es gäbe das Jüngste Gericht nicht, dann würden Diktatoren Recht bekommen, ein Hitler, ein Stalin, ein Mao: Sie müssen sich alle für ihre unglaublichen Taten einmal verantworten."
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Die Kirchen bleiben leer
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Klare Feindbilder: Das Gute kämpft gegen das Böse. Die Kirchen bleiben derweil leer. Ein Drittel weniger Mitglieder bis zum Jahr 2030 - so die Prognose. Die Spitze der evangelischen Kirche setzt deshalb auf ein geschärftes Profil: die Reihen geschlossen, glaubensfest und missionarisch. Vergangene Konflikte mit dogmatischen Evangelikalen haben sich scheinbar aufgelöst in Wohlgefallen.
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"In diesem ganzen Weltmaßstab, der sich auch in Deutschland spiegelt, sind die Evangelikalen auf der Seite: Wir haben die Wahrheit gepachtet, wir stehen in der Wahrheit und ihr anderen nicht, und ihr habt euch uns gefälligst anzupassen", sagt der Theologe und Journalist Uwe Birnstein. "Mit dieser Einstellung kommt man nach der Erfahrung von 2000 Jahren Kirchengeschichte nicht weiter, sondern endet darin, dass man sich die Schädel blutig haut, mit Gott auf der Gürtelschnalle."
Tom Haus hat zu spüren bekommen, was es bedeutet, sich nicht an diese Wahrheit anzupassen. Er ist noch heute gläubiger Christ. In der evangelikalen Ideologie aber sucht er keine Antworten mehr.
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 Oda Lambrecht, Christian Baars:
"Mission Gottesreich"
Ch. Links 2009
ISBN-13: 978-3861535126 |  |
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